Seit ca. 3 Wochen sehe ich die Welt erstmals (soweit ich mich erinnern kann) mit beiden Augen und neu auch mehr oder weniger stark in 3D! Ein riesiges Geschenk mit 46 Jahren!
Meine Eltern bemerkten meine Fehlsichtigkeit, als ich ungefähr im Kindergartenalter war: Ich schielte ein wenig; und der Sehnerv meines linken Auges war bereits dermassen verkümmert, sodass ich nur noch 5 % sehen konnte. Intensive Sehschule, Augenabkleben und Brille halfen mir, dass das linke Auge wieder an Sehkraft gewann. Aber ich blieb stereoblind.
An einem Sonntag während dieser Sommerferien besuchte ich zusammen mit Frau und Sohnemann als Schlechtwetterprogramm Ice Age 4 in 3D-Kino. Ich hoffte, vielleicht doch in klitzekleines 3D-Effektchen sehen zu können. Aber fast nichts! Doch nach der Vorstellung sah ich die Welt für etwa 20 Minuten völlig neu! Brillante Farben, tolle Reflexe und irgendwie so neue räumliche plastische Effekte! Wow, aber danach war es auch schon wieder weg.
Der Effekte war zwar verschwunden, aber mein linkes Auge „meldete“ sich in den nachfolgenden Tagen vermehrt. Deshalb besuchte ich eine Woche später mit Sohnemann erneut einen 3D-Film. Wieder schlechtes Wetter aber schöne 3D-ähnliche Effekte nach dem Kinobesuch. Ich begann, mehr mit beiden Augen zu sehen, und langsam bekamen einzelne Objekte auch mehr räumliche Formen. Das war fantastisch und gab mir Mut und Entschlossenheit, es noch ein drittes Mal zu versuchen.
Vor 3 Wochen gab es dann einige Momente, wo ich bereits im Alltag etwas 3D sehen konnte. Ich suchte dann nach meiner alten Brille, die ich vor etwa 10 Jahren erworben hatte, mir aber damals ausser Kopfweh und Schwindelgefühle bisher nicht gebracht hatte. Und siehe da: 3D in Real Life! Das nach über 40 Jahren!
Mit beiden Augen räumlich sehen zu können, ist viel schöner, als ich mir dies früher vorstellen konnte; nahe Gegenstände erscheinen greifbar und viel näher, die Farben leuchten intensiver, Formen und Materialstrukturen kommen zum Vorschein. Auch die Bewegungen der Leute, der Fahrräder und der Autos wirken plötzlich auch ruhiger und fast etwas in „Slow Motion“. Ich sehe Steinchen, Krümmel und Unebenheiten am Boden, die vorher je nach Winkel und Farbe für mich kaum sichtbar waren. Alles sieht schöner und krasser aus: Die Umgebung, das Essen, sogar ein verknittertes Wäschehäufchen oder eine „Kabelsalat“ können nun zur visuellen Attraktion werden. Man bewegt sich sicherer und kann Gegenstände und Bälle u. ä. besser räumlich einordnen und ergreifen. Bin plötzlich viel näher am Gehehen! Ich entdecke laufend Neues, und die Effekte nehmen – vor allem im Laufe des Tages – noch zu.
Mein Augenarzt hatte keine Erklärung für meine plötzliche Heilung; es ist jedoch auch nicht sein Spezialgebiet. Er wollte da auch nichts weiter abklären oder unternehmen… Das Buch von Sue Barry hat mir weitergeholfen.
Ich bin überaus glücklich und dankbar nun die Welt in dieser faszinierenden neuen Dimension erleben zu können! Gott und Hollywood sei Dank!
Aber das Ganze ist noch sehr wackelig manchmal habe ich die 3D-Sicht bereits am Morgen; manchmal erst gegen Abend; langsames Gehen im Wald tut gut.
Am Wochenende war ich total erschöpft (vom neuen Sehen und von der Arbeit); dann war gestern mit räumlichen Sehen Feierabend. Ging um 8 bereits ins Bett; total müde. Heute ist wieder ziemlich gut auch mit dem Sehen.
Habe mich jetzt fürs Visualtraining angemeldet. Hoffe, das sich mein Sehen noch mehr stabilisieren und verfeinern lässt 
Tom
@ tom.hertig
Herzlichen Glückwunsch und weiter so!
Bruce Bridgeman, ein Professor für Psychologie in Kalifornien, hatte nach dem Besuch eines 3D-Kinofilms ein ähnliches Erlebnis.
Hier der Link dazu:
http://www.bbc.com/future/story/20120719-awoken-from-a-2d-world/1
(Eine Userin aus diesem Forum hat mich freundlicherweise auf diesen Link aufmerksam gemacht. An dieser Stelle ein herzliches Dankeschön an sie!)
GB
Hallo GB
Vielen lieben Dank. Ja, den Link hätte ich eigentlich auch posten können, aber nicht mehr dran gedacht!
Hoffe, ich finde noch eine Person aus meiner Gegend (Bern, Schweiz) mehr ähnlicher Erfahrung. Fühle mich happy aber auch irgendwie einsam zu gleich.
Jetzt hat der Postbote gerade noch die Unterlagen aus der Sehschule von damals zugestellt. Da steht u. a.
Diagnose von 1973:
Strabismus convergensens concomitans links
Ambly opie links
exzentrische Fixation links
Visus links von 3/50 also 0,06. Schielwinkel 12 Grad
Dank Sehschule dann 1976: visus 0,9, Schielwinkel von Augen fast nicht mehr erkennbar, aber nix Stereosehen.
Weiterhin Brille tragen, aber Fall war danach mehr oder weniger abgeschlossen...
Mein jetziger Augenarzt sagte mir vor 1,5 Jahren nochmals, dass 3D für mich nicht möglich sei und Augenabdecken mir nichts bringen würden (habe es dann in den Sommerferien nach dem Kino natürlich trotzdem getan...)
Fänks & viele Grüsse
Tom
Hallo Tom
Ich bin auch aus der Schweiz und ich sehe seit dem 31. Juli in 3d. Ich wusste allerdings vorher nicht, dass ich ein Sehproblem hatte. Nachdem ich mit drei neuen Brillen (Gleitsicht-, Computer-, Lese-Brille) nicht klar kam, empfahl mir eine Freundin einen anderen Optiker. Der stellte Winkelfehlsichtigkeit fest. Ich bekam auf die rechten Brillengläser eine 3-Grad-Folie. Nach 3 Wochen eine 5-Grad-Folie. Und am nächsten Tag war das Feuerwehrdepot plötzlich in einer Farbe angeschrieben, die ich noch nie gesehen hatte. Das Feld der "Blumen zum Selberpflücken" war farbig wie noch nie. Begriffen, was los ist, habe ich allerdings erst in der Metzgerei, als ich die Wangen einer etwas festeren Verkäuferin als Rundungen wahrnahm. Und wieder draussen, nach dem Verlassen der Metzgerei, hing der Zeppelin am Himmel. Vor dem Zeppelin - Raum! Und hinter dem Zeppelin - auch Raum!
Nun ja, die Spaziergänge im Wald gehen seither so quasi von Baum zu Baum. Jeder Baum wird bewundert. Und jeder Erdhaufen. Konkave Flächen, also nach Innen gebogene, sind für mich etwas völlig neues. Da wird es mir immer etwas schummrig. Ich sehe Landschaftsformationen, ich sehe Wolken als räumliche Gebilde, ich sehe Raum unter Bäumen.
Allerdings stecke ich das ganze nicht so leicht weg, wie das im Internet von Sue Barry beschrieben ist. Das liegt womöglich daran, dass ich vorher keine Ahnung hatte, dass meine Sicht nicht normal war. Aber aus der Rückschau gesehen, wird mir nun einiges in meinem Leben klar.
Elisa
"Elisa" beschreibt eine begonnene WF-korrektion
"Tom.Hertig" das anspringen von stereosehen nach 3D film.
beides ist fakt. es nimmt aber wunder, warum der sauber ausgeführten korrektion, von fachleuten ein zufallsereignis (was ohne zweifel sehr glücklich macht) und training als besseres ziel vor augen gestellt werden muss.Wenn durch ko
Hallo Elisa,
der Test den du bei dem Optiker gemacht hast, ist Teil einer ganzen Testreihe. Am Anfang sollte er dir ein Kreuz gezeigt haben ?! Diese Testreihe dient dazu einen "Schiel-winkel" zu ermitteln und mit prismatischen Gläsern zu korrigieren. Das verfahren nennt sich MKH. Ziel dabei ist es, dass deine beiden Augen EXAKT auf dieselbe Stelle schauen. Denn nur dann ist 3D-Sehen möglich. Deshalb hast du dann wahrscheinlich auch die Folien bekommen.
Das was der Optiker bei dir festgestellt hat. (bei dem Test mit den "EAN Codes") ist eine FIXATIONS DISPARATION. Und bedeutet, dass es eine minimale Abweichung deiner beiden Augen zueinander gibt.
Leider verstehe ich nicht ganz, was genau deine Frage nun ist. Experten gibt es hier im Forum sicherlich viele. Du musst nur die richtigen Fragen stellen 
(bevor jmd. meckert, meine Erklärungen sind nicht tiefgreifend und umfangreich .. räumlichliches Sehen ist auch mit nur einem Auge mögl. und Steropsis ist sowieso überbewertet ^^)
Hallo Sebastian
Danke für deine Antwort!
Das mit dem Kreuz war - neben vielem anderen - auch in den Tests.
Und das hier war meine Frage:
Wie lange braucht der Mensch, bis er das Stereosehen, das ohne Vorwarnung aufgetreten ist, in sein Leben integriert hat?
Ich trage jetzt eine 9-Grad-Folie. Wir sind dem Endpunkt ziemlich nah. Der nächste Schritt ist dann die Prismenbrille. Das ist das fachliche, das ist einfach. Aber emotional bin ich ziemlich durchgeschüttelt. Nach meiner Wahrnehmung bin ich eines morgens auf einem anderen Planeten aufgewacht. Alles war anders: Die Farben, die Formen, die Menschen, die Flächen und vor allem bin auch ich anders. Mit der anderen Wahrnehmung kommt auch ein anderes Selbstverständnis.
Kurz: Seit dem 31. Juli lebe ich in einer anderen Welt. Wie lange geht es, bis diese Welt für mich selbstverständlich geworden ist?
Elisa
Hallo Leute
Leider ist der Post von Paul-Gerhard Mosch nicht vollständig hochgeladen worden. Aus dem was steht, schliesse ich aber, dass das, was mir passiert ist, die absolute Ausnahme ist. Ich war wohl ein "Grenzwert-Fall" bei dem es nur ganz wenig Verschiebung brauchte, um das Stereosehen wieder zu haben. Bei so einem Test mit ein paar Streifen, die aussehen wie ein EAN-Code mit wenigen Strichen, und oben und unten zwei Pfeile, zeigen die Pfeile bei mir ohne Korrektur auf den äusseren Rand des äussersten rechten Striches. Mit Korrektur auf den zweitäussersten Strich rechts. Der Optiker sagte etwas wie "Fokussierungsdisparation". Ich habe das gegoogelt, aber nicht gefunden (irgenwelche falschen Bezeichnungen liegen an mir, nicht am Optiker).
Aus dem, was ich gelesen habe, schliesse ich ebenfalls, dass ich als Kind mal das Stereosehen entwickelt haben muss, sonst wäre es nicht wiedergekommen. Ich kann mich nicht daran erinnern. Ich war immer schlecht im Zeichnen, in der Handarbeit, beim Hochsprung, beim Hüpfen über Hindernisse, beim Hürdenlauf, beim Treppabsteigen, und beim Abwärtsmarschieren im Wald. Schönschrift eine Katastrophe. Skifahren eine Schütteltortur. Einen Faden in eine Nadel einfädeln? Mit Hilfsgerät. Aussichtpunkte fand ich immer "ganz nett". Ich erinnere mich an den Grand Canyon vor 37 Jahren: "Ist das alles?" Ich hatte mehr erwartet. Jetzt sähe ich wahrscheinlich mehr. Ich konnte aber bei den "magischen Bildern" jeweils die versteckten Bilder mehr oder weniger sehen. Möglicherweise konnte ich in speziellen Momenten mit spezieller Augenanstrengung räumlich sehen - aber nicht im normal-Augenzustand.
Ich bin in einem Alter, wo Eltern und Lehrer bei den Kindern nicht sonderlich auf irgendwelche Sehstörungen achteten, wenn man eine hässliche Schrift hatte. Ausserdem habe ich mittlerweile den starken Verdacht, dass meine Mutter das gleiche Problem hatte.
Gibt es im Forum niemanden, der sich da etwas auskennt? Ich habe etwa 30 Seiten des Binokular-Forum-Archivs nach einem entsprechenden Titel durchsucht, aber bis anhin nichts gefunden.
Wie lange braucht der Mensch, bis er das Stereosehen, das ohne Vorwarnung aufgetreten ist, in sein Leben integriert hat? Bei mir ist es seit fast zwei Monaten DAS Thema, das mich innerlich beschäftigt. Meine Walkingtouren sind Schlendergänge, mit Pausen so alle zehn Meter, um irgendetwas zu bestaunen. Ein Unkraut-Stengel z.B. Oder Bäume. Baum hier, Baum da, Hochstammanlage da, Birnbaum dort, usw... Und Wolken. Und Flugzeuge. Und der Zeppelin. Und... und... und.. und die Verschiebung der näheren Bäume im Vergleich zu den entfernteren im Raum, wenn man sich daran vorbeibewegt.
Die Bridgman-Geschichte habe ich mittlerweile gelesen (auch bei ihm: Baum hier, Baum dort....) und das Buch von Stereo-Sue habe ich bestellt.
Elisa
Liebe Elisa,
jetzt verstehe ich dein Anliegen. Und ich kann mir wage vorstellen, was für ein tolles Gefühl das für dich sein muss, endlich die Dinge "so zu sehen wie sie sind"
Das Sehen ist ein Prozess, der sehr viele Bereiche unseres Körpers beansprucht, die Augen sind da der kleinste Faktor. Leider gibt es meines Wissens keine genauen Angaben darüber, wann man das Stereo Sehen erlernt hat. Kinder mit gesunden Augen haben ihr visuelles System ungefähr bis zum 10 LJ. voll entwickelt. Sollten Störungen bis dahin nicht erkannt bzw behandelt worden sein (insbesondere das Schielen betreffend) ist es schwierig wieder einen "Optimal-Zustand" herzustellen. Sehen wird nämlich auch >gelernt<
d.h. wenn du dein ganzes Leben lang ohne 3D-Sehen zurechtkommen musst, entwickelt dein Gehirn eine Strategie um die visuellen Eindrücke so zu verarbeiten, dass du trotzdem super zurechtkommst. Jetzt arbeiten deine Augen plötzlich wieder normal, .. so muss nun der Rest deines Körpers, vor allem dein Gehirn sich erstmal auf die neue Situation einstellen. Und je älter man ist umso länger kann dieser Umstellungsvorgang dauern.
Wie lange es dauert bis du deine neue Welt für selbstverständlich hälst, kann ich dir nicht sagen. Stell dir einmal vor (ganz naiv gedacht) dass du jeden Augenblick, jede Situation, jede Perspektive, jedes Bild (besonders die Dinge die du oft und regelmäßig wahrnimmst) die du in deinem Leben wahrgenommen hast jetzt neu bewerten musst. Dein visuelles System muss quasi alles was du je gesehen hast, "neu sehen lernen".
Anders herum geht es aber auch. Einfaches Beispiel: Jemand lebt 20 Jahre mit 2 gesunden Augen. Plötzlich verliert er ein Auge und muss plötzlich mit der neuen Situation ohne 3D-Sehen, mit eingeschränkten Gesichtsfeld etc. zurechtkommen. Das kann recht schnell gehen. Ein Profi-Handball Spieler konnte zum Beispiel nach einem viertel Jahr schon wieder zurück auf's Feld.
Das visuelle System arbeitet aber sehr individuell !! Und ist von noch mehr Faktoren abhängig. Es liegt also auch an dir wielange es dauert, bis du zurecht kommst. Auf jeden Fall sollte es ein positives Gefühl für dich sein, und du solltest die neuen Eindrück genießen ! Außerdem kann dir sicherlich auch dein Optiker besser erklären, wielange es ungefähr dauern wird bzw worauf du dich in Zukunft so einstellen musst, damit dein neues Sehen schnell "zur Gewohnheit" wird.
Ich hoffe das konnte dir etwas weiterhelfen.
Lieber Sebastian
Danke für die Antwort! Kinder haben also ein paar Jahre, bis sie das Sehen richtig gelernt haben. Da bei mir dieser Lernprozess nun quasi im Zeitraffer in einem schon älteren (aber noch immer lernfähigen und fitten!) Hirn des Jahrgangs 1955 abläuft, brauche ich mich also über meine Reaktionen und das Gefühl des "emotional overload" nicht zu wundern. Es ruhig nehmen, viel schlafen, spazieren, den Liegestuhl in die Herbstsonne stellen und mir Zeit lassen (zugegeben: nicht gerade meine Stärken).
Übrigens waren die ersten 14 Tage super. Alles war toll, ich war voller Energie. Dann aber kam die Müdigkeit, die Überforderung. Ok, ich gebe mir mal bis Weihnachten als Ziel...
Elisa
Hallo zusammen
@Elisabeht! Herzlichen Dank für das spannende, überraschende Telefongespräch. Sind sind wir mind. schon 2 aus der Schweiz mit diesem völlig überraschendem und überwältigendem Blick.
Nimm dir wirklich Zeit! Wie SebastianD. geschrieben hat, ist das jetzt ein enormer Lernprozess. Eine extreme Umstellung, nicht nur fürs Augen, sondern v. a. fürs Gehirn und die ganze Psyche.
Geniesse den Moment; schliesse die Augen, wenn es zuviel wird.
@SebastianD. Danke für die Ausführen; ist gut beschrieben, dass das Hirn jetzt quasi jede visuelle Wahrnehmung neu bewerten muss. Das kann auch ganz schön stressen, wenn z. B. dein Körper, deine Familie und deine gewohnte Umgebung plötzlich anders aussieht.
Gar nicht teilen kann ich deine Aussage, dass räumliches Sehen überbewertet wird. Ich habe früher nie (vielleich als 3-Jähriger) 3D gesehen, meinte aber zu wissen, wie das sein könnte. Übersteigt nun alles, was ich mir vorher vorstellen konnte.
Zudem werden die 3D-Eindrücke im Gehirn hinterlegt (dann sehe ich gewisse Gegenstände logischerweise auch heute auch mit 1 Augen in "offline-3D". Zudem - und das hätte ich nie für möglich gehalten - ich sehe jetzt auch mehr Tiefe bei ganz gewöhnlichen 2D-Bildern: Ein Bildchen von einem Blumenstrauss - sehe ich heute anders als früher, weil mein Hirn jetzt weiss, wie ein Blumenstrauss aussieht und dann automatisch noch etwas Tiefeneffekt (nach Hinten versteht sich) reininterpretiert; das bedeutet, dass normalsichtige Leute gar nicht 2D sehen können! (höchstens vielleicht eine Strichmännchen oder ne Skizze sehen wohl gleich aus).
Schiele 15 Grad nach Aussen; kann trotzdem 3D-Sehen; habe aber noch Mühe bei gewissen Perspektiven mit Doppelbildern. Mit der neuen Prismafolie geht's nun aber besser (noch mehr Raumeffekt und weniger Doppelbilder), dafür ist das Bild viel schlechter. Momentan geht beides. 15 Grad sind wohl etwas viel fürs Prisma; OP?
Nächste Woche geht es wieder in die Augenklinik.
Glückliche, aber auch sehr müde 3D-Grüsse aus der Schweiz!
Tom
Zudem werden die 3D-Eindrücke im Gehirn hinterlegt (dann sehe ich gewisse Gegenstände logischerweise auch heute auch mit 1 Auge in "offline-3D".
Hallo Tom und Sebastian
GENAU! Was Tom schreibt entspricht auch meiner Erfahrung!
Wen ich aus dem Fenster sehe, ist ein Weinberg. Die meisten Reihen stehen in der gleichen Richtung, aber dann hat es ein paar Reihen, die laufen etwas schräg dazu, dann noch ein paar Reihen noch schräger. Ich habe mich früher immer gewundert, wieso der Winzer den Weinberg so angelegt hat. Alle Reihen in die gleiche Richtung wäre doch viel logischer. Jetzt aber sehe ich es: Die Weinberg-Reihen folgen der Formation des Abhangs. Wenn ich nun ein Auge schliesse, sehe ich die Landschaftsformation immer noch (also offline 3d) - die ich in meiner 2d-Welt nie gesehen habe. Wer 3d sieht kann sich gar nicht vorstellen, wie die 2d-Welt aussieht, weil er in seinem Gehirn 3d hinterlegt hat.
Elisa
Für mich kam das Ganze ja völlig überraschend. Noch 1 1/2 Jahre zuvor hatte mein Augenarzt mir gesagt, dass ich nie 3D sehen könne, obwohl ich ihm mitgeteilt hatte, dass ich beim TV schauen mal kurz einige DBs hatte.
Als ich dann im August dieses Jahres zu diesem völlig unerwartetem Ergebnis des Stereosehens kam, rief ich gleich am anderen Tag die Uni Augenklinik an. Diese fühlten sich nicht zuständig und verwiesen mich zu meinem Augenarzt. Dieser untersuchte mich 2 Tage danach - im Schnellverfahren. Er traute der Sache noch nicht ganz, weshalb er meinte, dass ich keine neue Brille oder so brauchen würde. Meine 08/15 Lesebrille vom Kaufhaus (+1) sei durchaus tauglich fürs Büro; ich solle nicht zum Optiker gehen, da diese mir dann nur eine teure Brille andrehen würden. Er sah keine Risiken, höchstens dass das Phänomen ja auch wieder weggehen könnte (was mich natürlich zutiefst beunruhigte und mich zu weiterenen Selbstversuchen anspornte ).
Also suchte ich nach anderen Quellen und kam so u. a. zu Sue Barry und auf die Möglichkeit der VT.
Als ich dann nach 2 Wochen eine (wie Barry es beschreibt) sensorische Überladung (Erschöpfung etc.) hatte, suchte ich den Hausarzt auf. Dieser konnte mich dann zur Augenklinik überweisen. Erst dann stellte sich heraus, dass ich eine unterkorrigierte Brille hätte und dies zu den gelegentlichen DBs führen würde. Zudem trage ich seitdem eine Prismenfolie (15) fürs linke Auge nicht rechts. Letzteres war vorher nie Thema.
Wenn ich das alles alles vorher gewusst hätte, wäre ich natürich schon längst früher zu einem Optometristen gegangen!
Ich war natürlich nicht zufrieden mit der 12-minütigen Untersuchung beim Augenartz. Heute weiss ich, dass der Augenarzt die Lage völlig falsch eingeschätzt hatte! Erst sagte er, ich würde nie stereosehen und 2. - nachdem ich zufällig dann doch plötzlich auf 3 D wechselte, meint, es brauche seines Erachtens keinerlei Korrekturen?? Aber was soll man dann als Laie tun? Augenärzte gelten ja in der Schweiz als die Spezialisten, die auch von der Krankenkasse bezahlt werden.
Hallo Elisa
Klingt ja spannend. Ist schön möglich, dass Du da ein kleines Set an 3D-Momenten hattest, ohne es zu realisieren.
Hier noch eine ermutigende Nachricht von Bruce Bridgeman, der kürzlich im Alter von 67 das Stereosehen bekam. Er hat mir heute (bzw. gestern) auf meine e-mail geantwortet. Hier ein Auszug:
I don't know of any Swiss neurologists or ophthalmologists dealing with these issues. I'm glad you were able to recover 3D vision. Don't worry about sensory overload - you will get used to it, and function normally. Just enjoy looking at trees and people.
Ich glaube, wenn er das mit 67 hingekriegt hat, überwinden auch wir den Overload.
Noch eine Frage: Ich träume jetzt auch in 3D, bzw. habe beim Einschlafen neu auch so Bilder / Eindrücke auf mehreren Tiefenebenen. Ist auch neu für mich. Kanntest Du das schon früher??
Hallo Leute
Mein Exemplar von Sue Barry auf Englisch trifft in ca 2. Wochen ein (ich habe es über unseren lokalen Buchhänder bestellt). Ich habe es mir nun noch als Audio-Book heruntergeladen, das ging "instant". Und ich habe es mir natürlich gleich angehört. Die Berichte von Personen, die wieder 3d sehen konnten, decken sich mit meinen Erfahrungen. Auch Sue selber macht an einer Stelle die Aussage, dass sie sich fragte, ob sie verrückt werde. Von einer Frau erzählt sie, dass sie einen ganzen Monat lang nicht mehr Auto fuhr. Noch nach 6 Jahren hatte Sue ein überwältigendes Erlebnis, als sie im Schneefall inmitten der Schneefocken stand.
Eine andere Stelle fand ich wichtig: Sue ist überzeugt, dass es verschiedene Grade von "Stereoblindheit" gibt. Das denke ich auch. Ich habe gestern versucht, mit nur einem Auge den Schlüssel in das Schlüsselloch zu stecken. Es ging nicht, weder mit dem linken noch mit dem rechten; ich müsste also beim Moment des Schlüssel-in-das-Schlüsselloch-Steckens für kurze Zeit durch Anstrengung der Augen in einem gewisen Ausmass in 3d gesehen haben. Hingegen schaffe ich es bei Kanten, bei denen es nicht so genau drauf ankommt wie beim Schlüsselloch, die Kante zu treffen, wenn ich meinen Finger schön langsam drauf hin zu führe (beim Schlüssel-in-das-Schlüsselloch-Stecken-Tempo treffe ich daneben.). Mit nur dem rechten Auge geht sowieso alles daneben.
Ich habe mich dann gefragt, ob die Distanz des Schlüssellochs zu meinen Augen den Unterschied machte. Aber das kann nicht sein. In dem Abstand habe ich in der ersten Woche nach dem Erlangen der Stereopsis die Flächen der Kosmetiktuch-Schachtel endlos bewundern können.
Wenn ich die neue Sicht dann mal in mein Leben integriert habe, werde ich auch einen Optometristen aufsuchen (der nächste ist 30 Km entfernt). Ich erlebe jetzt ständig Momente, wo ich Dinge sehe, die ich früher nie gesehen hatte. Vielleicht sehe ich mit Visualtraining dereinst noch mehr.
Elisa
Ich möchte an dieser Stelle noch einmal kurz was zum Stereo-Sehen sagen. Es ist toll zu lesen, wie ihr euer Leben neu erfahrt nur durch die plötzliche Wahrnehmung der Welt in 3D. Aber im Grunde genommen macht die Stereopsis nur einen ganz geringen Teil des täglichen Sehen's aus. Der größte Anteil der menschlichen Tiefenwahrnehmung funktioniert auch ohne diese. Und zwar hat das visuelle System "gelernt" Dinge die wir sehen zu "bewerten" Zum Beispiel nach Größe, Struktur, Überdeckung, Farbe, Schatten, und im Vergleich zum umgebenen Raum. (um nur ein paar Dinge zu nennen)
Das Schlüssel -ins-Schlüsselloch-Stecken, funktioniert genauso gut einäugig. Wenn du 10mal den Schlüssel nicht beim ersten Versuch ins Schlüsselloch bekommst, dann lernst du zB anhand der Schatten die ein Schlüssel wirft ; deine Hand / Armhaltung ; die Größenänderung des Schlüssel zum Schlüsselloch beim Heranführen etc. .. so dass du es beim 11ten Versuch schaffst. Um es mal gaaanz einfach auszudrücken =)
Unser Visuelles System, bei dem unser Gehirn den größeren Teil ausmacht, ist unterbewusst ständig damit beschäftigt unsere Seheindrücke zu bewerten. Eine riesen Leistung !!
Also erlernen auch Menschen ohne Stereopsis "räumliches Sehen" einfaches Beispiel: Ein Baum der weiter weg steht wird kleiner wahrgenommen, als ein Baum der näher steht. Man erkennt den Größenunterschied und das Gehirn lernt "aha groß = näher dran" und dieses Grundprinzip wird auf alle anderen Dinge übertragen.
Da euer visuelles System die Stereopsis jedoch plötzlich und zu einem Zeitpunkt erlernt hat, wo ihr das Sehen schon "fertig erlernt" habt, ergeben sich nun diese tollen "ungewohnten" Seheindrücke.
beste Grüße
Sebastian
Hallo Sebastian,
danke für die doch recht anschaulichen Worte, das hätte ich kaum besser schreiben können. 
Hallo Sebastian
Deine Worte mögen ja Trost spenden all jenen, die kein Stereosehen haben. Da hätte ich Dir vor 2 Monaten in einigen Punkten noch zustimmen können. Aber hast Du längere Zeit mal nur 2D gesehen?
Ich konnte z. B. Autofahren, weil ich durch die Perspektive, Schattierung und die Grössenunterschiede etc. die Abstände ungefähr ableiten konnte. Dies ist aber viel mühsamer, so dass ich dann halt 50 Fahrstunden benötigte.
Aber Autofahren geht ja noch. Wie willst Du aber mit diesen Hilfsrechnungen z. B. die Position und den Abschusswinkel eines Tennisballs oder schon nur eines Federballs in der Luft berechnen können? Mit dem Grössenunterschied funktioniert das nun wirklich nicht mehr. Sobald ich 3D sah, konnte ich den Federball praktisch jedes Mal fangen; vorher war das mühsam und peinlich. Da hätte ich früher etwa 50 x mehr üben müssen für ein bescheidenes Ergebnis.
Gestern beim Spazieren fiel ein Blatt vom Baum - direkt vor meiner Nase. Voller naher 3D-Eindruck! Und das, obwohl ich ein Auge extra zu hatte. Aber im Juli - als ich noch 2D sah - hätte ich das nicht gesehen. Jetzt ist es auch im Gehirn verankert; vorher fehlte mir schlicht und einfach die Erinnerung und Erfahrung. Und weil ich heute mit 2 Augen sehe, sehe ich durch diesen Synergieeffekt einfach auch mehr Objekte pro Sekunden - die Bewegungen erscheinen deutlicher - ja fast langsamer aus früher.
Ich war bei der Einschulung - und auch lange Zeit danach - schlecht im Turnen, Zeichnen, Lesen und Schreiben. Obwohl ich mit dem rechten Auge zwischen 150 und 200 % sehe. Typische Symptone für Leute, die nur mit einem Auge sehen. Mit diesen Symptonen galt man damals einfach als zurückgeblieben, ungeschickt oder ganz einfach faul. Dabei muss man sich enorm anstrengen, um einigermassen mithalten zu können.
Gewisse Berufe sind für mich nicht in Frage gekommen (ich habe z. B. zig Architekten in der Verwandtschaft), obwohl ich nicht schlecht in Geometrie war. Für theoretisches Wissen, wie z. B. eine Diagonale durch einen Würfel auf einem Blatt verläuft und wie man deren Länge berechnen kann, brauchst Du kein 3D. Einverstanden. Aber Theorie über 3D und 3D-Sehen sind zwei völlig unterschiedliche paar Schuhe.
Ich weiss nicht, wie ein Mensch mit Farbblindheit umgeht. Oder wenn jemand nur s/w sehen würde. Ich kann mir das irgendwie vorstellen, aber ich masse mir nicht an, zu beurteilen, wie das für den Betroffenen sein muss.
Natürlich kommt man auch mit Beeinträchtigungen und Behinderungen irgendwie durchs Leben. Und es ist erstaunlich, was diese Menschen alles zustande bringen können.
In beiden Fällen - Leben mit Beeinträchtigung oder unerwartete Heilung - würde ich ganz einfach sagen: "Hut ab!" oder sonst einfach schweigen.
@ sebastianD.
Ich bin nicht der Meinung, dass Stereosehen einfach nur ein „nice-to-have“-Feature ist.
Nach meiner Meinung gibt hochwertiges Stereosehen in der kürzest möglichen Zeit einen umfassenden Eindruck von dem was man sieht. Dadurch erkennt man schneller wo man sich selber im Raum befindet und wie das Objekt von Interesse einzuschätzen ist (wo, wie, was, wieviel).
Was Sie mit dem Beispiel des Schlüssels beschreiben, ist eher ein „Trick“ als wahres situationsgerechtes Sehen und Handeln. Richtig gutes Sehen bedeutet für mich, dass das visuelle System ein umfassendes Gesamtbild liefert, auf dass sich dann die richtige Handlung ausrichten kann. Im Beispiel mit dem Schlüssel bedeutet das: egal wo das Schlüsselloch ist, egal welche Position man selber einnimmt, egal was für einen Schlüssel man verwendet, egal wie die Lichtverhältnisse sind: das visuelle System liefert SOFORT eine brauchbare Rauminformation, welche SOFORT in eine brauchbare Handlungsanweisung umgesetzt werden kann – ohne lange rumzustochern und sich schliesslich für exakt DIESE Situation EINE Handlungsanweisung anzutrainieren.
Für mich ist folgender Vergleich sehr hilfreich: wenn ich den Kindern im Training einen Gegenstand zum blind Ertasten gebe, dann kommt es häufig vor, dass die Kinder am Anfang nur mit einer Hand herumtasten und die andere Hand wie tot daneben liegen lassen. Sobald man diese Kinder aber unter Zeitdruck setzt oder eine Eigenschaft ganz genau beschrieben haben will, wird sofort die zweite Hand zur Hilfe genommen. Denn jetzt können/müssen beide Hände zur Informationserfassung beitragen und den Gegenstand im wahrsten Sinne des Wortes umfassend ertasten.
Am besten machen Sie den Versuch selber: greifen Sie blind in eine Schublade, nehmen Sie einen Gegenstand heraus und ertasten Sie mit EINER Hand das Objekt. Ich bin überzeugt davon, dass sobald Sie die zweite Hand zur Hilfe nehmen, das Bild in Ihrem Kopf von diesem Gegenstand sofort eindeutiger wird und sie viel schneller dessen Eigenschaften in seiner Gesamtheit wahrnehmen können.
Und ich denke das gleiche Prinzip finden wir bei den Augen wieder: zwei Augen im Einklang (also hochwertiges 3D) liefern in weniger Zeit mehr nützliche Informationen als ein Auge allein oder zwei Augen ohne 3D (Schielen als Extremvariante).
GB
@ GB & tom.hertig
Natürlich ist Stereo-Sehen kein "nice-to-have-Feature" die Evolution hat sich ganz sicher etwas dabei gedacht. Ich stimme Ihnen auch voll zu, dass unser visuelles System mit voll ausgebildeter Stereopsis wesentlich leistungsfähiger arbeiten kann. Und das Sehen als Vorgang weniger "mühevoll" ist und weniger Zeit und Energie verbraucht wird. Dies betrifft auch die Orientierung im Raum, vor allem in ungewohntem.
Wie die Orientierung allerdings mit der Stereopsis zusammenhängt ist mir fraglich
Um nocheinmal auf das Schlüsselloch-Prinzip zurückzukommen. Sie nennen es einen "Trick", es ist schlichtweg eine Anpassung und hängt meiner Meinung nach viel mehr mit der "Leistungsfähigkeit" unseres Gehirns zusammen. Wenn unser visuelles System "gelernt" hat in gewohnten Situation zurecht zukommen, ist es durchaus in der Lage dieses auch auf neue, und ungewohnte, spontane Situationen zu übertragen. Sicher nicht in der Qualität wie unter ausgeprägter Stereopsis aber ausreichend um "im Leben zurecht zukommen". Wobei man, denke ich, klar zwischen dem Zustand unterscheiden muss, dass das visuelle System physiologisch die Chance hatte Stereo-Sehen zu erlangen, und zum Beispiel einer congenitalen Einäugigkeit.
Um kurz auf das Beispiel mit dem Federballspiel einzugehen, ... sicherlich ist die Berechnung des Balles in der Luft mit nur einem Auge schwieriger, aber ohne Probleme möglich. Wie die Tiefenwahrnemung hauptsächlich funktioniert habe ich ja schon kurz erklärt. Beim Tischtennis ist der Anspruch um ein vielfaches größer. Kleineres Objekt, weniger Kontrast, höhere Geschwindigkeit. Und doch ist es möglich mit nur einem Auge recht passabel zu spielen. Wer dies nicht glaubt, kann gerne eine Runde mit mir spielen 
Plötzlich auftretendes Stereo-Sehen im adulten Alter ist nur möglich "wenn beide Augen funktionieren". Die Gründe warum dies eine Zeitlang nicht funktioniert sind sehr vielfältig. Darunter fällt ja auch das Schielen, welches sich ja inden meisten Fällen gut behandeln lässt.
Außer Frage steht aber auch, dass man mit zwei Händen besser tastet, mit zwei Ohren besser hört, mit zwei Beinen besser geht und mit zwei Augen besser sieht !
beste Grüße
sebastianD