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Meine Stereoblindheit nach 3D-Kinobesuch in den Ferien - zumindest teilweise - geheilt!

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(@tom.hertig)
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Hallo zusammen

Der Unterschied auf 100m ist sicherlich gering. Aber da wir (Elisa und ich) vorher keine Stereowahrnehmung hatten, ist der relative Wahrnehmungsunterschied eben umso grösser.

Das mit dem Zeppelin hat sicherlich aber auch stark mit "motion parallax" zu tun.

Gestern schaute ich mir die Schlussszene von Titanic an, bei der die Kamera mit einem grossen Schwenker die Treppe hochschwebt. Diese Szene sah ich nun zu meiner Überraschung mit sehr viel Tiefenwirkung, obwohl es sich um die normale 2D-Fassung handelt. Ich hatte früher einfach nie gesehen, wie eine Treppe in 3D aussieht. Deshalb erschien mir diese „Treppenszene“ nun auch so neuartig räumlich.

Diese Vorstellung hat aber nur indirekt mit Stereosehen zu tun; aber ohne vorhandenes Stereosehen ist diese Tiefenwahrnehmung nur sehr beschränkt vorhanden. Weil ich während letzten 40 Jahren kein Stereosehen hatte, war mir auch diese Art Tiefenwahrnehmung unbekannt – heute ist sie eine beindruckende, faszinierende Alltäglichkeit.

Sue Barry beschreibt dieses Phänomen in Kapitel 7 ihres Buches: […] Diese Empfindung ist ähnlich der Fähigkeit „die Struktur der Bewegung zu sehen, sich also die 3D-Form vorzustellen, ein solides Objekt, indem man deren sich bewegende Schatten beobachtet […] dass die Fähigkeit, Tiefe durch Stereopsis zu sehen und die Struktur zu bestimmen verbunden sind [,]
Menschen mit schwacher Stereopsis haben einen Schwachen Sinn für die Struktur von Bewegung. Als ich Stereopsis erlangte, konnte ich während ich Videos anschaute mehr Tiefe sehen. Obwohl Filme und TV-Sendungen auf flachen Bildschirmen dargestellt werden, machte mir das Anschauen mehr Freude als vorher ohne Stereosehen (S. 76 deutsch bzw. S. 127 engl.)


 
Veröffentlicht : 10.10.2012 13:16
(@Elisa)
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Wie stark macht sich das Stereosehen in der Ferne, eben z.B. ab 100 m, überhaupt bemerkbar?

donquichote

Hallo donquichote

Die Antwort besteht aus zwei Wörtern: Sehr stark. Sogar auf 500m und einen Kilometer. So erlebe ich es jedenfalls. Der Hügel vis a vis ist mehrere hundert Meter entfernt (es liegt ein See dazwischen....). Früher war er eine Fläche, die unten anfing und im immer gleichen Winkel hochging bis zuoberst. Heute sehe ich, dass der Hügel terrassiert ist, ich sehe Landschaftsformationen. Wenn ich den Zeppelin sehe oder Wolken, so sind sie ebenfalls mehrere hundert Meter entfernt. Aber ich sehe sie nun im Raum hängen. Sie sind nicht mehr ein zweidimensionaler Fleck, der an das Himmelszelt angeklatscht ist.

Ich hatte früher keine Wahrnehmung der Tiefe, wenn also zwischen zwei Bäumen weit hinten irgendetwas zu sehen war, so sah ich es nicht. Oder die vor 4 1/2 Jahren gezügelten Putzmittel, die seither in einem Regal-Fach im Keller gestanden sind und die ich erst vor einer Woche wieder entdeckt habe. Ich erinnere mich schwach, dass ich sie ab und zu "gesehen" habe, aber so richtig wahrgenommen habe ich sie nicht.

Nun ist aber die Frage: Hat das mit den Augen zu tun oder mit der Weiterleitung bzw. Verarbeitung im Gehirn? Meine derzeit für mich aktuelle Hypothese ist, dass das ganze Kombinieren der von den Augen gelieferten nicht ganz übereinstimmenden Informationen früher für mein Hirn so anstrengend war, dass es sich entschied, gewisse Dinge einfach auszublenden. Und was in der Tiefe liegt ist nun mal nicht matchentscheidend für's Überleben. Ein entgegekommendes Auto oder der umgestürzte Baum auf dem Weg sind da viel wichtiger.

Wir haben ja schon in den Diskussionen weiter oben im Thread gesehen, dass wir die Dinge verschieden werten. Möglicherweise liegt dass daran, dass Du Dich auf die objektive Leistung der Augen konzentrierst - und das Auge sieht sicher gewisse Dinge, da hast Du recht. Aber ob das Hirn dann damit auch etwas macht oder es ausblendet - da liegt wohl der Casus Knackus. 

Elisa


 
Veröffentlicht : 10.10.2012 18:32
(@Elisa)
Beiträge: 63
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Hallo Leute

Ich habe mich in den letzten Tagen stark an die 3d-Sicht gewöhnt. Schon gestern fiel mir auf, dass ich beim Walking nicht mehr alle 10 Meter stehen blieb (nur noch alle 50 Meter Zwinkert ). Heute hatten wir eine Unterredung im Freien und ich bewunderte während des Gesprächs nicht einen einzigen Baum; ich war voll auf das Thema des Gesprächs konzentriert (wie sich das gehört).

Ich merke aber noch, dass ich stark müde werde, ich gehe davon aus, dass mein Gehirn noch ein Weilchen am Verarbeiten von neuen Eindrücken ist. Diese neuen Eindrücke sind für mich nun aber nicht mehr dermassen "umwerfend". Falls mich also in ein paar Jahren jemand fragt, wie lange es geht, bis man nach Erlangen der Stereosicht wieder halbwegs normal funktioniert, werde ich sagen: Rechne mal mit der Grössenordnung von 2 1/2 Monaten...

Elisa

PS: Falls jemand den Verdacht hegen sollte, ich falle zurück in 2d-Sicht: Bei mir liegen nun permanent Nadel und Faden auf dem Küchentisch und ich mache regelmässig einen Einfädeltest. Klappt auf Anhieb!


 
Veröffentlicht : 12.10.2012 16:53
(@Jan22)
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Menschen mit schwacher Stereopsis haben einen Schwachen Sinn für die Struktur von Bewegung.

Hallo Tom,

ich weiß, daß dieses Zitat nicht von Dir, sondern von Sue Barry aus ihrem viel beachteten Buch ist. Dennoch frage ich mich, was das bedeuten soll. Handelt es sich hier nicht um eine haltlose Unterstellung? Wir entnehmen dem Satz, daß Bewegung eine Struktur hat, und das mag meinetwegen auch so sein. Etwas bewegt sich, und ich kann darin durchaus in einem gewissen Rahmen eine Struktur erkennen. Nun wird aber doch behauptet, daß Menschen mit wenig Stereosehen diese Struktur in der Bewegung nicht oder nur schlecht erkennen können. Mir macht das keinen Sinn. Bewegung kann auch ohne Stereo gesehen und erkannt werden, mit oder ohne Struktur. Und ich frage mich nun, ist das jetzt eine haltlose und völlig unreflektierte Unterstellung oder ist es nur leeres Geschwafel und Dahergerede. Denn wirklich reflektiert ist dieser Satz eindeutig nicht.

Da Du diesen Satz hier zitierst, solltest Du Dir ja darüber Gedanken gemacht haben und Deine Meinung interessiert mich.

LG

Jan Lächelt


 
Veröffentlicht : 13.10.2012 01:00
(@tom.hertig)
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Hallo Jan

Nun, ich habe mich nicht philosophisch mit der Bedeutung "Struktur der Bewegung" auseinander setzen können; ist vermutlich etwas holprig ist Deutsche übersetzt worden. Ist ja für mich auch alles neu und überraschend. Vor 3 Monaten ging ich immer noch davon aus, dass ich nie 3D sehen würde. Jetzt suche ich nach Antworten, plausiblen Erklärungen sowie Erfahrungsberichten, die sich mit meinen neuen Erfahrungen decken.

Aber es ist halt einfach so, dass ich bewegte 2D-Bilder (z. B. rotierende Klötzchen oder Logos in der TV-Werbung) oder Kameraschwenker jetzt einfach viel räumlicher "sehen" bzw. visuell wahrnehmen kann als früher. Natürlich habe ich vorher Teile der Bewegung auch gesehen, aber mit wenig räumlicher Wirkung (das half auch mein gutes Vorstellungsvermögen aus der Geometrie schlussendlich nicht viel).
Hatte mein iphone früher schon zig mal in den Händen gehalten und rotiert; aber mit dem 3D-Sehen sieht die Bewegung heute einfach noch ganz anders aus. Dasselbe gilt für die Hände, das Besteck, die Brille, Banknoten, Bücher, Gläser, Bleistifte - einfach alles, was 3 Dimensionen hat und sich drehen lässt.
Ist die Bewegung mal im Gehirn gespeichert, sieht man die räumliche Bewegung bis zu einem gewissen Grade auch monokular oder auf Basis einer 2D-Filmsequenz. 

Die Passage aus Sue Barrys Buch drückt für mich dieses Phänomen der "Motion Parallax" daher sehr treffend aus; es deckt sich einfach haargenau mit meiner neuen Erfahrung. Deshalb habe ich diesen Bestseller auch zitiert. Als Arbeitstitel reicht für mich der Begriff "Struktur der Bewegung" vorerst aus, aber vielleicht kann das jemand ja noch besser beschreiben.

LG

Tom


 
Veröffentlicht : 13.10.2012 10:07
(@donquichote)
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Hallo tom.hertig,

...Aber es ist halt einfach so, dass ich bewegte 2D-Bilder (z. B. rotierende Klötzchen oder Logos in der TV-Werbung) oder Kameraschwenker jetzt einfach viel räumlicher "sehen" bzw. visuell wahrnehmen kann als früher. Natürlich habe ich vorher Teile der Bewegung auch gesehen, aber mit wenig räumlicher Wirkung (das half auch mein gutes Vorstellungsvermögen aus der Geometrie schlussendlich nicht viel) ...

Ist es nicht doch so, dass man, rein physikalisch betrachtet, auf einem Bildschirm stets das gleiche sieht, egal ob man Stereosehen hat oder nicht? Denn das Bild ist flach "auf der Scheibe". Da hilft alles Stereosehen nichts. Alle Kanten eines rotierenden Klötzchens sind auf der gleichen Ebene. Ist es nicht eher so, dass aufgrund des erworbenen Stereosehens das Vorstellungsvermögen nun besser funktioniert und einem im Fall eines Bildes auf einer flachen Ebene (Bildschirm) nur eine Räumlichkeit "vorgaukelt"? Wo bitte ist im Fall eines auf einem flachen Bildschirm dargestellten, rotierenden Klötzchens die Räumlichkeit? Sie ist in diesem Fall im Vorstellungsvermögen des Betrachters!

donquichote


 
Veröffentlicht : 13.10.2012 13:27
(@Jan22)
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Hallo Leute,

um hier Dons Gedanken fortzuführen: An sich ist ja das Fernsehgerät DAS Beispiel par excellence dafür, daß räumliche Vorstellung vor allem im Gehirn stattfindet, ganz gleich, welche optischen Signale man erhält. Wir sehen alle Raum in der Glotze, aber im Endeffekt ist es eine Illusion, da alles auf einer Scheibe dargestellt wird. Und es stellt sich hier nun einmal die Frage, was denn tatsächlich passiert, wenn eine Person, die nun plötzlich Stereo sieht, wo vorher kein Stereo war, auf der flachen Scheibe ein verstärktes Raumempfinden zu sehen glaubt. Wir wissen, Raum auf dem Bildschirm ist eine Illusion. Wir haben also dann die verstärkte Illusion einer Illusion. Ein tatsächlicher Stereoeffekt dürfte es aber an sich nicht sein. Denn die Illusion ist Tatbestand, die kann nicht durch noch so viel Stereo plötzlich ausgehebelt werden. Interessant.

@Tom

Bewegung findet im Raum statt, das ist keine Frage. Allerdings fixiert der Betrachter doch die Bewegung und nicht den Raum um die Bewegung, so daß es mir weiterhin schleierhaft ist, warum mehr Stereo mehr Tiefenstruktur einer Bewegung hervorbringen soll. Wobei ich auch glaube, daß Struktur hier als Begriff nicht wirklich greift. Es kann dies durchaus ein Problem der Übersetzung sein. Das Englische ist als Wissenschaftssprache wesentlich ungenauer als das Deutsche und da finden sich schnell so schwammige Wendungen wie Struktur o.ä., die man dann nur ungenau oder falsch ins Deutsche bringen kann. Schreib doch mal den gesamten englischen Satz des obigen Zitats, ich schau mir das gern mal an, vielleicht fände sich tatsächlich eine bessere Wendung. Denn so wie das da oben steht, ist es einfach nur Käse und spricht eher gegen als für das Buch.

LG

Jan Lächelt


 
Veröffentlicht : 13.10.2012 14:45
(@tom.hertig)
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Hallo tom.hertig,

.... Ist es nicht eher so, dass aufgrund des erworbenen Stereosehens das Vorstellungsvermögen nun besser funktioniert und einem im Fall eines Bildes auf einer flachen Ebene (Bildschirm) nur eine Räumlichkeit "vorgaukelt"? Wo bitte ist im Fall eines auf einem flachen Bildschirm dargestellten, rotierenden Klötzchens die Räumlichkeit? Sie ist in diesem Fall im Vorstellungsvermögen des Betrachters!

donquichote

Hallo Donquichote

Ja, da hast Du Recht. Hier findet keine räumliche, physikalische Präsentation statt. Das wird im Gehirn einfach quasi so interpretiert. Da die flachen "rotierenden Klötzchen" ja in Wirklichkeit bzw. in der Natur nicht existieren, ist es für das Gehirn wohl naheliegend, diese trotz flacher Präsentation als räumlich wahrzunehmen (ist einfach mal so eine ad hoc Erklärung).

So viel ich weiss, geht man heute eher davon aus, dass unsere visuelle Wahrnehmung stark von unseren Erinnerungen abhängt. Da findet quasi ein ständiger Abgleich zwischen "alt" und "neu" statt.

Das merke ich auch stark beim Lesen. Aufgrund meiner Amblyopie am linken Auge, kann ich mit links nur schlecht lesen. Es funktioniert aber trotzdem, wenn mir die einzelnen Wörter vertraut sind. Fremdwörter oder neue Wortkreationen sind für mich mit dem linken Auge kaum lesbar; da kann mein Gehirn nicht aufs Gedächtnis zurückgreifen, sondern muss die Buchstaben einzeln entziffern, was dann aber nicht funktioniert.

Apropos Wörter: Auch auf anderen Wahrnehmungsgebieten arbeiten wir mit dem Erinnerungsvermögen:

Beispiel: Fukushima
Das hätte uns vor 2 Jahren vermutlich nichts gesagt. Heute sind wir sensibilsiert und können auf Erinnerungen zurückgreifen. Das Wort ist heute "gefüllt", auch wenn das Wort als solches früher auch schon existiert hat und sich daran auch nichts geändert hat. Geändert haben sich jedoch die Assoziationen. Da könnte jeder heute in kleines Essay zu Fukushima schreiben.

Deshalb liegt für mich der Schluss nahe, dass auch beim 3D-Sehen vieles von der Erinnerung abhängt. Ich vermute daher, dass die Müdigkeit, die Elisa und ich verspüren, im Zusammenhang steht mit der noch sehr jungen 3D-Erinnerung. Wir müssen uns anfangs quasi jedes neue Objekt neu merken; ist ist anstrengender, als wenn uns die Objekte bereits vertraut wären.

Einen vergleichbaren Effekt erleben wir z. B., wenn wir uns einer neuen Stadt bewegen. Das Gehirn kann zuwenig auf Erinnerungen zurückgreifen. Das kann am Anfang auch sehr ermüden.

 Aber das alles hat wenig mit der Optik i. e. S. zu tun, sondern vielmehr mit Wahrnehmung, die im Gehirn abläuft.

Lg

Tom


 
Veröffentlicht : 13.10.2012 14:49
(@tom.hertig)
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Hallo Jan

Danke. Hier also noch die Passage im Original:

This sensation is similar to the ability so see <structure from motion>, that is, to envision the 3D from of a solid object by watching its moving shadows. So, I went back to the libary to read about structure from motion and was not surprised to learn that the capacities to see depth through stereopsis and to determine structure from motion are linked. People with poor stereopis have a poor sense of structure from motion. As I gained stereopsis, I could see more depth while watching videos. Even though movies and TV shows are displayed on flat screens, I actually enjoy watching them much more now that I did before developing stereovision.

Da gibt's z. B. auch einen Wiki-Eintrag:

http://en.wikipedia.org/wiki/Structure_from_motion

Obtaining 3D information from 2D images

LG

Tom


 
Veröffentlicht : 13.10.2012 15:13
(@donquichote)
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Hallo tom.hertig,

dann sollten wir hier in dieser Diskussion gewisse Begriffe, wie z.B. dem des räumlichen Sehens, genauer definieren.

3D-Sehen, Stereosehen im physikalischen Sinn kann nur dann stattfinden, wenn 2 Augen bzw. Netzhäute miteinander korrespondieren und dies auch nur auf eher geringe Entfernungen. Alles andere, was umgangssprachlich oder durch Empfinden, Wahrnehmen, als 3D-Sehen bezeichnet wird, beruht auf Dingen wie Verdeckung, unterschiedliche Grössen etc und dem, was das Gehirn daraus macht.

donquichote


 
Veröffentlicht : 13.10.2012 15:49
(@tom.hertig)
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Hallo tom.hertig,

dann sollten wir hier in dieser Diskussion gewisse Begriffe, wie z.B. dem des räumlichen Sehens, genauer definieren.

3D-Sehen, Stereosehen im physikalischen Sinn kann nur dann stattfinden, wenn 2 Augen bzw. Netzhäute miteinander korrespondieren und dies auch nur auf eher geringe Entfernungen. Alles andere, was umgangssprachlich oder durch Empfinden, Wahrnehmen, als 3D-Sehen bezeichnet wird, beruht auf Dingen wie Verdeckung, unterschiedliche Grössen etc und dem, was das Gehirn daraus macht.

donquichote

Ich verstehe, was du meinst. Kann sein, dass hier manchmal die Begriffe verwechselt wurden.

Da bei mir aber beides neu ist (3D-Sehen i. e. S. und neue visuelle Wahrnehmung i. w. S), ist es sehr schwierig, die beiden Kategorien völlig von einander zu trennen. Erst kam das "physikalische 3D-Sehen", einige Tage danach zeigten sich dann aber bereits Auswirkungen auf die Wahrnehmung von den oben beschriebenen künstlichen Objekten. Schliesslich findet ja das eigentliche Sehen im Gehirn statt (egal ob 3D, 2D, live oder mit Erinnerung).

Was passiert, wenn ein Mensch das physikalische 3D-Sehen verliert? Also z. B. durch den Verlust eines Auges.
Läuft dann der ganze Prozess, den ich erlebt habe, rückwärts, oder bleiben die oben beschriebenen Empfindungen und monokularen räumlichen Effekte noch (eine Zeit) bestehen?

Tom


 
Veröffentlicht : 13.10.2012 17:45
(@tom.hertig)
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Hallo Leute

Hier noch ein sehr interessanter Link zum Thema 'Wahrnehmung von Tiefe und Bewegung'
http://www.ewi-psy.fu-berlin.de/einrichtungen/arbeitsbereiche/allg_neuro/studium/allgpsy_3.pdf?1286344517
Da wird u. a. auch auf 8 mögliche monokulare Schätzmechanismen eingegagen.

Und hier noch ein weiterer Link, wo es um die visuelle Verarbeitung im Gehirn geht:
http://www.allpsych.uni-giessen.de/karl/teach/aka.htm
Da geht es zwar nicht um binokulares Sehen; aber weiter unten ist auch vom visuellen Gedächtnis gesprochen.

Hier wird zwar auch nicht erklärt, weshalb Menschen plötzlich nach Jahrzehnten 3D sehen können; aber viele der oben besprochenen Unklarheiten, die z. T. zu Meinungsverschiedenheiten geführt haben, werden hier sehr anschaulich vorgestellt.

LG

Tom

.


 
Veröffentlicht : 13.10.2012 19:50
(@Eberhard-Luckas)
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Hallo Elisa,

danke für Dein Statement. Lächelt


 
Veröffentlicht : 31.10.2012 18:18
(@Elisa)
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Hallo Leute

Es ist jetzt genau 3 Monate her, dass ich räumlich sehe - seit dem 31. Juli 2012. Vieles hat sich normalisiert. Ich freue mich immer noch an den Bäumen, aber ich bin nicht mehr dermassen überwältigt, dass ich vor jedem Baum stehen bleibe. Ich arbeite auch wieder normal, die Müdigkeit ist zum grössten Teil verflogen.

Nach wie vor aber halte ich fest: Das Leben in Stereo hat eine ganz andere Qualität als das Leben in 2d.

Das Leben ist

- ruhiger: Wo ist denn all die Hektik und Unruhe  hin?

- sicherer: Der Boden auf dem ich stehe, ist fest - das sehe ich auch, wenn ich die Hügel anschaue!

- weitsichtiger: Früher hatte ich kaum Tiefenwahrnehmung. Bei einer Abzweigung im Wald (man muss links abbiegen), die ich  früher immer für sehr gefährlich erachtete, weil die entgegenkommenden Autos so plötzlich aus dem Wald daherkamen, sehe ich nun 50 Meter tiefer in den Wald - da verläuft die Strasse, und ich sehe die Autos drauf von weit hinten kommen!

- meine Freunde sagen, ich hätte ein ganz andere Ausstrahlung. Ich habe die Augen nicht mehr so verkniffen (das kam wohl von der Winkelfehlsichtigkeit), wirke viel offener.

- Meine Arbeit geht mir viel leichter von der Hand

Und so weiter und so fort.....

Jetzt bin ich am abarbeiten all der Aufgaben, die während meiner Müdigkeitsphase liegen geblieben sind. 

Dieses Forum ist eine Super-Sache. Ich weiss nicht, wie ich sonst jemanden kennen gelernt hätte, der die gleiche Erfahrung gemacht hat. 

Elisa


 
Veröffentlicht : 31.10.2012 19:22
(@Paul-Gerhard-Mosch)
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Es freut mich immer wieder, Erfolge aus "Eurer Sicht der Dinge" heraus lesen zu können.


 
Veröffentlicht : 08.11.2012 20:22
(@Elisa)
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Hallo Leute

Ich will mich hier an der Diskussion nicht unbedingt beteiligen, aber doch noch einige Beobachtungen im Zusammenhang mit Tiefenwirkung, die ich erlebe, und die ich auch nicht  einordnen kann.

Letzthin sah ich eine Holz- oder Kartonstele mit einer draufgemalten Karte, und die war eindeutig dreidimensional, sie stand heraus. Ich habe sie dann noch genauer angeschaut und gesehen: Illusion. Die ist so gemalt, das es ein räumliches Bild vorgaukeln soll, mit Schatten. Ich habe mich dann aber doch gewundert, wieso diese gezeichneten Schatten bei mir so eine starke 3d-Illusion erzeugen. Mein in 3d-Dingen noch nicht so geübtes Hirn fällt da offenbar ab und zu auf etwas rein. Oder könnte es mit der Folie auf meinem rechten Auge zu tun haben? Wäre das mit Prismenbrille anders? Früher sah ich solche Dinge nie.

Das gleiche mit Dingen in roter Farbe im Internet. Da steht das, was rot ist, eineutig hervor, obwohl es im Bildschirm ja am gleichen Ort sein muss wie der Rest. z.B. die roten Masche beim Hinkelstein: 

http://www.suedostschweiz.ch/vermischtes/obelix-am-obersee-wie-ein-hinke...

Ich habe mir das Hinkelstein-Bild jetzt grad noch einmal angesehen - das ganze Bild weckt beim mir eine 3d-Illusion. Der Hinkelsteen steht klar vor dem Hintergrund. Als der Artikel erschien, fokussierte ich nur auf die rote Frabe.

Und dann noch die hellblauen Hilfslinien im Powerpoint - die sind auch näher dran bei mir als der Rest des Programms. Ich weiss, dass da nur eine Illusion ist. Aber ich sehe das so.

Letzhin stand übrigens auch etwas gelbes leicht hervor. Ich ging davon aus, es enthielt einen rot-Anteil.

Elisa


 
Veröffentlicht : 08.11.2012 22:17
(@Elisa)
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Hallo Leute!

Zuerst ein Danke an Eberhard für sein nettes Posting!

Heute habe ich beim Optiker meine neue Gleitsicht-Brille mit den Prismengläsern abgeholt. Links 4.25 Grad, rechts 4.5 Grad. Meine alte Brille inkl. Prismenfolie hat nun den Status einer Reserve.

Die Prismengläser sind noch einmal eine wahre Offenbarung. Ich habe heute die Innenfläche eines Verkaufsladens bewundert, die Bäume am Strassenrand auf der Heimfahrt und die "Durchsicht" durch einen nicht all zu breiten Wald. Der Wald steht auf einem Hügel (in Deutschland würde man den Hügel "Berg" nennen  Zwinkert ), ich blickte also in die Höhe und so sah ich durch die Bäume hindurch den Himmel scheinen. Und grad vorhin bestaunte ich mein Büro - das ich nun wahrlich gut genug kenne -  mit Ablageflächen, Schreibtisch usw.  Es ist alles so klar und so anstrengungsfrei und so - räumlich!!

Beim Optiker habe ich erfahren, dass das Rot, das ich jeweils räumlich sehe, bzw. näher als die anderen Farben (dieses Phänomen habe ich weiter oben im Thread beschrieben), auf die Brechung der Farbschwingungen durch die Prismen zurückzuführen ist. Es hat also nichts mit dem Binokular- oder Stereosehen zu tun.

Elisa


 
Veröffentlicht : 08.11.2012 22:19
(@Elisa)
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Hallo Leute

Zuerst ein Dank an Paul-Gerhard Mosch für seine Anteilnahme!

Der Sprung von 2D zu 3D ist wirklich eine Riesensache. Mit der neuen Brille habe ich rein was die Sicht angeht noch einmal einen Quantensprung gemacht.

Nach wie vor entdecke ich auch Dinge, die ich früher nie gesehen hatte - obwohl sie vor der Nase lagen. Da sieht man doch vom oberen Parkplatz des Detailhändlers aus auf den Hafen! Ich war schon hunderte von Malen dort, bin hunderte von Malen von meinem Auto in Richtung Eingang gelaufen und habe den Hafen in ca 200 Meter Entfernung nie gesehen. Das passierte zwar noch vor meiner Prismenbille (also noch mit Prismenfolie) - es zeigt aber, dass auch nach 3 Monaten 3d-Sicht immer noch Überraschungen auftreten.

Was mich jetzt wieder sehr sehr müde macht, ist dass die ganze Welt einfach anders ist und ich auch. Vor allem das Gesellschaftliche beschäftigt mich derzeit. Ich war letzte Woche an ein paar Anlässen und ich fühlte mich dort pudelwohl, schwatzte da und dort, war voll da, "mittendrin" und nicht als Zuschauerin "vor einem HD-Panoramabildschirm im gefühltem Einheitsabstand von 100 cm", wie Tom Hertig einmal so treffend geschrieben hat. Ich machte einen Hausbesuch zum Geburtstag einer neunzigjährigen Dame und zum Abschied umarmte mich die Tochter der Dame und für mich stimmte es. Die Menschen ragieren ganz anders auf mich als früher. Mit meiner Ausstrahlung und meiner Wirkung auf das Gegenüber muss etwas Grundlegendes passiert sein.

Kommentar meiner Freunde: "Früher bist du dagesessen wie ein Besenstil, jetzt bist du nahbar geworden."

Die Optiker und Optometristen, die sich mit Winkelfehlsichtigkeit auseinandersetzen machen wirklich eine sehr, sehr wichtige Arbeit. Und wenn es gelingt, wie auch immer - rein durch die Brille wie bei mir, durch Visualtraining oder durch einen 3d-Film - die Stereopsis weder herzustellen, so ist das wie eine neue Geburt.

Beruflich geht es auch grad intensiv zur Sache. Heute hatte ich vor lauter Müdigkeit sogar den Gedanken, dass das Leben vorher eigentlich bequemer war als mein derzeitiger Ist-Zustand. Aber den Anflug, ich könnte die Brille abziehen und wieder in den alten Zustand zurückgehen, den habe ich gleich verworfen. Bis  Weihnachten habe ich mir ja mal als Zeitrahmen gesetzt; das Visuelle ist eigentlich fast intregriert, aber jetzt kommt noch die "Veränderung des gesellschaftlichen Umfelds" als zu bewältigende Herausforderung. Auch das packen wir noch....

Elisa


 
Veröffentlicht : 15.11.2012 15:25
 Gika
(@Gika)
Beiträge: 0
New Member
 

Hallo,

ich verfolge jetzt schon eine ganze Weile die Berichte über plötzliches 3D-Sehen. Ich habe kein 3D- Sehen und kann es mir daher auch nicht vorstellen.

Es gibt immer Situationen, wo sich das Fehlen bemerkbar macht, aber im Großen und Ganzen kann ich das doch kompensieren. Aber der Unterschied mag schon toll sein!

Ich kann mir allerdings nur schwer vorstellen, dass plötzliches räumliches Sehen mein Wesen verändern würde.. 

Was ich aber gar nicht verstehen kann, ist, wieso man einen 200 m weit entfernten Hafen erst durch räumliches Sehen erkennt.... Ich habe schon öfters Häfen aus dieser Entfernung gesehen und erkannt..

Es wäre für mich mal interessant, was da den Unterschied ausmacht.

LG Gika Lächelt


 
Veröffentlicht : 16.11.2012 01:51
(@green_mamba)
Beiträge: 16
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Ich gehöre ja ab nächster Woche, wenn meine erste Prismenbrille endlich da ist, auch zum Club der "ich kann 3 D-Sehen"

Ich habe kein 3D- Sehen und kann es mir daher auch nicht vorstellen.

Nun ja, ich war ja bisher immer der Meinung, ich sehe in 3 D Zwinkert Bin ja gar nicht auf die Idee gekommen, es könnte was nicht stimmen. Von daher bricht für mich schon ne kleine Welt zusammen, freue mich aber umso mehr auf das Neue!

Allerdings hatte ich als Kind schon die Probleme, welchen Kindern mit WFS zugesagt wird. Als Judendlicher kamen dann regelmäßige Schwindelanfälle hinzu. Das war teilweise schon extrem, aufstehen aus dem Liegen und schwubs, umgefallen und wieder liegen.

Wurde dann medizinisch damit erklärt, ich wäre als Kind zu schnell gewachsen und wenn ich aufstehe, fehlt kurzzeitig Sauerstoff im Gehirn und daher die black outs. War ja alles logisch und ich hab mich damit abgefunden.

Es gibt immer Situationen, wo sich das Fehlen bemerkbar macht, aber im Großen und Ganzen kann ich das doch kompensieren. Aber der Unterschied mag schon toll sein!

Wenn man es nicht anders kennt, kommt man klar damit klar. Das Gehirn entwickelt ja unzählige Strategien, trotz fehlender Räumlichkeitswahrnehmung mit der Umwelt klar zu kommen.

Was ich aber gar nicht verstehen kann, ist, wieso man einen 200 m weit entfernten Hafen erst durch räumliches Sehen erkennt.... Ich habe schon öfters Häfen aus dieser Entfernung gesehen und erkannt..

Es ist ein anderes Sehen. Wie Elisa schon schrieb, man muss, um etwas bewusst zu sehen, auch bewusst hinsehen. Klassisches Beispiel: Meine Frau möchte, das ich ihr ein Glas, welches vor meiner Nase steht, gebe. Ich sehe es einfach nicht. Nimmt sie es dann frustriert selbst kommt von mir immer ein : Ach das, sag das doch!

Sie sieht aber auch selten die Sachen, die ich ihr zeige.

Es wäre für mich mal interessant, was da den Unterschied ausmacht.

Ich kenne den Unterschied. Und ich muss sagen, mir geht es da ähnlich wie Tom. Im 3-D Kino sehe ich auch 3-D und der Unterschied zu meiner Außenweltwahrnehmung ist drastisch. Alles so plastisch oOoO

Nur das eben dieser Kinoeindruck ziemlich nah an der Realität dran ist. Für meine Frau ist der Unterschied 3D-Kino und Real Life sehr gering, den größen Unterschied sah sie noch bei dem wirklich fantastischen Avatar.

Ich hoffe, das war nun so einigermassen verständlich....

Jede deiner Ausführungen aus deiner "Nicht 3-D Zeit" könnten auch von mir sein, so sehr deckt sich das mit meinem bisher Erlebten. Und deine Beschreibungen über dein neues Leben freut mich einfach riesig, für dich und auch für all jene, denen es so ähnlich ergang/ergehen wird.

Eine Sache macht mich aber immer noch stutzig. Ich habe seit ich denken kann ein Problem mit intenviv roten Sachen auf intensiv grünen Untergründen. Was ich da sah konnte ich nie richtig beschreiben, war aber total unangenehm anzusehen.

Es ist für mich, als wenn die rote Fläche über der Grünen schwebt. Ist bei mir auch definitiv nur bei diesen beiden Farben so.


 
Veröffentlicht : 17.11.2012 11:12
Seite 3 / 5
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