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Meine Stereoblindheit nach 3D-Kinobesuch in den Ferien - zumindest teilweise - geheilt!

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Jan22
(@Jan22)
Beiträge: 7567
Illustrious Member
 

Hallo Leute,

ich bin keiner der hier Betroffenen oder vom plötzlichen Raumsehen Erleuchteten, finde das Thema aber sehr interessant und lese mit. Zwei Dinge aus dem letzten Post haben mich nun zu einigen Überlegungen zu Wahrnehmung und Bewusstsein veranlasst.

Man kann ja doch bei identischer biologischer Anlage Dinge sehr unterschiedlich wahrnehmen. Ich habe das Vermögen, eine bestimmte Sache zu sehen, bin aber in dem Moment nicht aufmerksam und nehme daher gar nichts wahr. Ich kann bewusst durch eine Straße gehen und mich auf das Sehen konzentrieren, und dann fällt mir sicher jeder Baum, jedes Blatt innerhalb des Rahmens meiner Sehmöglichkeiten auf. Dann fällt mir sicher auch der Raum auf, in dem ich mich bewege. Ich kann in einem anderen Moment durch genau diese Straße gehen und an ein wichtiges Problem denken, und ich sehe tatsächlich so gut wie nichts, weil ich nicht bewusst durch die Straße gehe, sondern durch Gedanken abgelenkt, und dadurch nehme ich nichts wahr.

Wenn man plötzlich 3-.D-Effekte wahrnimmt, und das scheint bei einigen von Euch ja der Fall, dann sieht man anders als davor. Dieser Unterschied verändert die bewusste Wahrnehmung. Durch den Unterschied schaut man genauer hin. Sieht man Dinge, die man davor auch hätte sehen können, um die man sich aber einfach nie gekümmert hat.

Was ich damit sagen möchte ist, dass ich glaube, dass nur ein Teil der veränderten Optik tatsächlich biologisch begründet ist, dass vielmehr ein verschärftes Wahrnehmen und ein bewussteres Hinsehen den veränderten Seheindruck erklären. Was man nicht sehen will, sieht man in der Regel auch nicht, kann das durchs Bewusstsein ausblenden. Und hier haben wir eben den gegenteiligen Effekt. Man schaut plötzlich genau hin. Man konzentriert sich auf das Sehen. Und schon sieht man mehr Dinge und glaubt, man sieht um einiges besser. Ist das nicht auch das Prinzip dieser Augenübung gegen Kurzsichtigkeit? Da glauben die Leute doch auch, sie sehen wesentlich besser, dabei haben sie nur ihre Wahrnehmung geschärft und biologisch hat sich gar nichts verändert.

Nur so kann ich mir erklären, dass Elisa nach ihrer 3-D-Erleuchtung plötzlich Putzmittel sieht, die sie vorher nicht gesehen hat. Ich glaube tatsächlich, das hat mit Raumwahrnehmung nicht viel zu tun. Ebenso der Hafen in der Ferne.

LG

Jan Lächelt


 
Veröffentlicht : 17.11.2012 12:54
Gika
 Gika
(@Gika)
Beiträge: 10088
Illustrious Member
 

Hallo zusammen,

vielen Dank für die Antworten. Es fällt mir persönlich sehr schwer, dies nachzuvollziehen. 
Ich habe räumliches Sehen nie gehabt und auch nie vermisst. Ich bin trotzdem ohne jegliche Schulschwierigkeiten "durchgekommen" und ich sehr wohl ein Glas vor meiner Nase, finde meine Putzmittel und sehe eben auch einen Hafen in 200 m Entfernung. Und das, obwohl ich auch nicht mit einem besonders tollen Visus "ausgestattet" bin.

Ich kann mir auch nicht recht erklären, was das mit räumlichen Sehen zu tun haben soll.

Die Probleme des fehlenden räumlichen Sehens liegen doch eher woanders, jedenfalls wenn ich einen Vergleich zu Personen mit räumlichen Sehen anstelle. Da ist die Schwierigkeit Abstände richtig einzuschätzen, Unebenheiten im Boden zu erkennen, Höhen einzuschätzen und so etwas.
Ich kann zB sehr schlecht Volleyball oder Badminton spielen, weil ich einfach ohne Bezugspunkt nicht erkennen kann, wo genau der Ball ist und wie er fliegt. Man kann einiges sicher aus Beobachtung der Bewegungsabläufe des Gegners erahnen, aber das ist ungleich schwieriger. Beim Tennis und Squash ist das leichter; auch da kann ich die Flugkurve schlecht einschätzen, aber da man hat mehr Bezugspunkte, da der Ball ja tippen darf. Zusammen mit der Erfahrung, die Schlagbewegungen des Gegners abzuschätzen, komme ich da ganz gut klar.
Ein anderes Beispiel ist das Abschätzen, ob ein bestimmter Abstand zB beim vorbeifahren ausreicht. Ich muss mich da langsam rantasten, andere schätzen das schneller ab.
Ähnlich war es beim Geräteturnen, beim Springen über den Kasten, oder auch beim Hürdenlauf..
Oder Unebenheiten im Boden zu erkennen, gerade, wenn dies nicht durch Schattenwürfe, Farbunterschiede etc zu erkennen ist. "Kontrastarme Treppen" sind beim Heruntergehen auch manchmal schwierig, insbesondere wenn auch die Stufen noch ungleichmäßig sind.

Vieles kann man zwar prima kompensieren, aber da mag es mit 3-D-Sehen ungleich leichter sein und ich könnte mir mindestens vorstellen, dass der Unterschied überwältigend ist, wenn das plötzlich so geht, ohne entsprechendes Üben durch Erfahrungen.. 

Aber wieso das räumliche Sehen mir helfen soll, ein Glas vor meiner Nase zu sehen, erschließt sich mir nicht.  Da finde ich Jans Erklärung dann plausibler, dass man, wenn man es (wieder)erlangt und vieles vielleicht leichter ist, möglicherweise aufmerksamer durch die Welt geht.

LG Gika Lächelt


 
Veröffentlicht : 17.11.2012 17:12
Gika
 Gika
(@Gika)
Beiträge: 10088
Illustrious Member
 

P.S. Ich weiß nicht warum keine Absätze übernommen werden, ich versuche das noch zu verbessern...

Edit: Jetzt hat es funktioniert..


 
Veröffentlicht : 17.11.2012 17:13
Paul-Gerhard Mosch
(@Paul-Gerhard-Mosch)
Beiträge: 2727
Famed Member
 

Hallo GIKA,

ein Beispiel was in die gleiche Kerbe schlägt, wer immer gesund war, wird das "GUT" Gesundheit nie einer besonderen Erwähnung wert achten, es sei denn er erlebt einmal die Kehrseite und beachtet dabei auch mal noch Leidgeprüftere Personen. Hier wird einem der Wert von Gesundheit plötzlich bewusst.

Nicht viel anders ergeht es auch Personen mit einem gewissen Handycup, und ich bin davon überzeugt, dass trägt letztlich jeder mit sich herum, und wenn er nur "von sich meint", er sei der Überflieger, dann hat er zumindest darin ein Handycup, was ihn unrealistisch sein lässt.

Erlebt man Befreiung aus einem gewissen Handycup, hier räumliches Sehen, dann wird schlagartig klar, was vorher fehlte! Personen, die das nicht zuordnen können, haben es nie erlebt oder es bessert sich allermeist eher nur unmerklich und man registriert es kaum längerfristig so bewusst.


 
Veröffentlicht : 17.11.2012 17:53
tom.hertig
(@tom.hertig)
Beiträge: 45
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Themenersteller
 

Hallo Leute

Herzlichen Dank für die spannenden Ausführungen! Wünsche der grünen Mamba auch das es klappt!

Ja, vieles hat sicherlich mit kognitiven Prozessen zu tun, wie dies Jan erklärt hat. Wir sind heute sensibilisierter für gewisse Sachen. Und trotzdem: Heute fallen mir die Sachen einfach viel schneller und einfacher auf. Das hat schon mit dem binokularen Sehen zu tun, auch wenn sicherlich auch die reine verschärfte Beobachtung eine Rolle spielt.

Bei plastischen Eindrücken von weit entferten Objekten tippe ich eher auf Spielereien des Gehirns anhand von Eindrücken des visuellen Gedächtnis. Schaute kürzlich von einem kleinen Berg runter ins Tag und meinte, die Häuser sehen viel plastischer aus als früher. Kann aber nicht direkt vom 3D-Sehen kommen, denke ich mal.

Inzwischen sind die Müdigkeitsattacken seltener geworden; bin froh, dass ich mich langsam an die neue Situation gewöhne. (Auch Schönes und Tolles kann einem anfangs ziemlich überfordern).

Doppelbilder gibt's teils noch; aber lustigerweise v. a. beim TV schauen, insbesondere beim Tagesschausprecher. Da wird wohl im Hirn vergeblich versicht, aus den beiden Augensehinformationen ein 3D-Bild zu erzeugen. Mein Hirn hat einfach umgestellt auf 3D und versteht es noch nicht, dass es trotzdem auch noch 2D-Bilder geben kann. Na, ja, das kommt hoffentlich dann auch noch gut.

Einen lieben Dank ans Forum!

Gesundheit, Augenlicht und räumliches Sehen sind keine Selbstverständlichkeit!

Hoffe, es gibt mal ein nützliche empirische Untersuchung zu den Phänomenen, die hier beschrieben werden.

Liebe Grüsse

Tom


 
Veröffentlicht : 17.11.2012 18:00
Elisa
(@Elisa)
Beiträge: 63
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Hallo Paul-Gerhard Mosch

Das stimmt völlig! Danke!

Ich merke allerdings bei mir auch, wie sich der emotionale Effekt des 3d-Sehens langsam verliert. In drei Monaten denke ich wohl nur noch selten daran, dass es einmal anders war. Als ich das 3d-Sehen erlangte, war ich völlig überwältigt, aber ich hatte den Eindruck, ich bin der einzige Mensch auf der ganzen Erde, der so was erlebt hat. Es war für mich eine wahre Befreiung, als ich dieses Forum und den Thread "Stereoblindheit" von Tom Hertig fand. Dank diesem Thread kam ich dann auch auf das Buch von Stereo-Sue und auf Prof. Bridgeman. Und mit der Zeit leider dann zusammen mit Tom Hertig auch darauf, dass das Desinteresse der Forschungsabteilung der Neurologie an der Universität in "A" nur noch durch das Desinteresse der Augenklinik an der Universität in "B" übertroffen wurde. Aber irgendwann werden sich die Zeiten ändern.

Gut gibt es die paar Optiker, die sich mit diesen Fragen auseinandersetzen.... und in diesem Forum posten!

Elisa


 
Veröffentlicht : 17.11.2012 18:09
Elisa
(@Elisa)
Beiträge: 63
Trusted Member
 

Hallo Tom

Ich träume praktisch nie (bzw. kann mich nicht an die Träume erinnern) und es ist mir auch nie aufgefallen, dass ich in 3d träumen würde. Kommt vieleicht noch. Wird ja sowieso alles anders, also wieso nicht auch das Träumen?

Elisa


 
Veröffentlicht : 17.11.2012 18:24
Gika
 Gika
(@Gika)
Beiträge: 10088
Illustrious Member
 

Hallo Paul-Gerhard Mosch,

mir ist jetzt nicht ganz klar, warum ich angeschrienen werde; aber gut...

Auch verstehe ich nicht so ganz, was mir die  Antwort sagen soll ...
Natürlich ist Gesundheit das höchste Gut.
Ich habe oft mit Leid zu tun, und weiß daher meine eigene  Lage sehr bewusst zu schätzen. 

Und daher würde ich weder die Einbildung von Allwissenheit, unter der hier einige Forenmitglieder leiden, noch fehlendes 3-D-Sehen als handicap, zu Deutsch Behinderung, bezeichnen! 
Das finde ich, wenn ich mich in der Welt umgucke, schlichtweg anmaßend!

Mein fehlendes 3-D-Sehen mag zwar manchmal ärgerlich sein, aber im Gegensatz zu anderen Dingen doch nun wirklich eine Lappalie!
Trotzdem ist es sicher überwältigend, wenn man plötzlich räumlich sehen kann und ich freue mich für diejenigen
Nur sind einige der hier beschriebenen Phänomene für mich schwer zu verstehen  (denn ich sehe nunmal einen Hafen aus 200 m Entfernung und auch ein Glas vor meiner Nase).
Und da liegt doch - da ich weder allwissend bin noch mir dies einbilde, und daher immer bestrebt bin zu lernen - nichts näher, als nachzufragen und ggf zu hinterfragen, woher diese Phänomene kommen.

LG Gika Lächelt


 
Veröffentlicht : 18.11.2012 13:59
green_mamba
(@green_mamba)
Beiträge: 16
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Ich habe räumliches Sehen nie gehabt und auch nie vermisst. Ich bin trotzdem ohne jegliche Schulschwierigkeiten "durchgekommen" und ich sehr wohl ein Glas vor meiner Nase, finde meine Putzmittel und sehe eben auch einen Hafen in 200 m Entfernung.

Aber wieso das räumliche Sehen mir helfen soll, ein Glas vor meiner Nase zu sehen, erschließt sich mir nicht.

Keine Sorge, ich sehe auch das Glas vor meiner Nase. Es ist aber ein Unterschied, ob ich ohne Beeinflussung schaue und dann das Glas sehe oder ob mir jemand sagt, ich solle das Glas ansehen.

Mit letzterem habe ich doch deutliche Schwierigkeiten, weil die Angaben des anderen auf einer ganz anderen (räumlichen) Wahrnehmung basieren. Erfolgt die "Lageangabe" jedoch mit auch für mich sichtbare Bezugspunkt, finde ich das Objekt sehr schnell.

Auch habe ich, zumindest seitdem ich nun bewusst darauf achte, große Probleme Entfernungen einzuschätzen, wenn ich keinen Bezugspunkt hinzu ziehe, mit Geschwindigkeiten ist es das Gleiche.

Hintereinander liegende Gegenstände sind zwar durch die stärkere Kontur des davor liegenden Objektes für mich deutlich voneinander abgegrenzt. Ich kann aber keine Aussage treffen, ob nun 1 oder 10m dazwischen liegen.

Nahe liegende Dinge kann ich dagegen durch deutliche Unterschiede in der Schärfe/Unschärfe recht genau einordnen.

Pflanzen sind wohl das beste Beispiel. Vorhin habe ich eine Grünlilie aus so 3-4m genau beobachtet.

Am Rand, wo die hängenden Blätter den Schrank berühren, auf der die Pflanze steht, ist für mich ein gewisser Abstand der Blätter zueinander erkennbar. Sobald ich aber ins Zentrum der Pflanze sehe, erkenne ich nur noch, ob die Blätter vor- oder hintereinander liegen. Die Pflanze selbst wird zu soner Art Scheibe.

Betrachte ich nun meine blätterlose Blutpflaume im Garten, ist der Effekt der Gleiche. Um den Baum wirklich als Gesamtes zu erkennen muss ich einmal um den Baum rumlaufen. Sehe ich ihn nur von vorne an, erfasse ich nur vor- oder hintereinander liegende Äste.

Das macht mich gerade total kirre. Ich will endlich meine Brille haben *lach*


 
Veröffentlicht : 18.11.2012 15:01
tom.hertig
(@tom.hertig)
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Themenersteller
 

Hallo zusammen

Als ehemaliger 2D-Seher würde ich das Ganze sicherlich nicht als "Behinderung" ansehen; aber das war mit dem Begriff "handycap" im Beitrag #16 sicher auch nicht gemeint so, sondern im Sinne einer gewissen Beeinträchtigung, die man bis zu einem gewissen Grade auch wieder kompensieren kann.

Wenn jemand wegen Kurz- oder Weitsichtigkeit auf eine Brille angewiesen ist, würde ja auch niemand von Behinderung sprechen; aber ein gewisses Handycap in Sinne von Beeinträchtigung ist es ohneweil; zumal man die Fehlsichtigkeit dann irgendwann korrigieren sollte und dies in manchen Fällen ja nicht immer gleich gut gelingt. In manchen Situationen (z. B. Schwimmen) ist vielleicht eine Brille immer so toll. Und für bestimmte Jobs wird's halt mit gewissen Fehlsichtigkeiten schwierig. Ob das schlimm ist oder nicht, hängt sicherlich von der konkreten Situation und von der persönlichen Einstellung ab.


 
Veröffentlicht : 18.11.2012 19:08
Paul-Gerhard Mosch
(@Paul-Gerhard-Mosch)
Beiträge: 2727
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Hallo GIKA,

dass war ganz sicher kein Angriff; es war mein Versuch, Dir den Unterschied von SEHEN anhand von anders gewählten Beispielen (Krankheit/Handycup) zu erklären.

Dabei sind die gewählten Beispiele, aus meiner SICHT durchaus realistisch und vergleichbar. Denn das Schielen wird begrifflich durch die Medizin den Krankheiten (und damit der Heilkunde)  zugeordnet, während WF und dekompensierte WF in der Augenoptik/Optometrie als ein Handycup im Sehen (d.h. einer Fehlsichtigkeit) gilt und nur einer Korrektion bedarf. Dieser Part hier deckt auf, wie fließend sich die Bereiche überlappen können, evtl. sogar eine Eingruppierung ändert?

Denn echtes Stereosehen gehört für mich nicht mehr in eine Kategorie Krankheit: "Schielen", oder man müßte hier von Gesundung einer Krankheit: "Schielen" sprechen, aber auch dadurch würde nun Augenoptik/Optometrie zum 1. Ansprechpartner für dies Sehen und nicht mehr die ärztliche Kunst (Medizin). Dabei bin ich mir voll bewusst, das ein "Schielen" immer eine Altlast teilt, bei der etwas Kippen könnte. Das gibt es aber durchaus auch in anderen Lebens- und Gesundheitsbereichen. Wird den Augen korrekt angepasste Korrektion gewährt, wird ein Rückfall in "Schielen" unwahrscheinlicher. Dass das so bleibt, ist zu beachten!


 
Veröffentlicht : 19.11.2012 13:17
green_mamba
(@green_mamba)
Beiträge: 16
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Ich für meinen Teil würde die bisher fehlende, mir nicht bewusste und daher auch bisher nicht vermisste räumliche Sehfähigkeit definitiv nicht als Behinderung bezeichnen wollen, auch handycap trifft es nicht ganz.

Getreu dem Motto: Was ich nicht kenne kann mir auch nicht fehlen.

Es kommt sehr auf die eigene Wahrnehmung an, wie man nun die Problematik einordnen will. Und natürlich, ob man Optimist oder Pessimist oder irgendwas dazwischen ist.

Wer bisher stereosehen konnte und durch Unfall o.ä. nun diese Fähigkeit verliert wird sich eher als Mensch mit Behinderung sehen.

Schwiegeropa hat wegen Diabetis nen halben Fuß verloren und gilt nun auch amtlich als Schwerbehinderter.

In beiden Fällen würde ich von Behinderung sprechen, wobei der Verlust einer gewohnten Sache grundsätzlich deutlich höher einzustufen ist als der Gewinn einer neuen Eigenschaft/Fähigkeit. Sobald beide ihre Beeinträchtigung akzeptiert haben und damit umzugehen wissen würde ich dann eher von handycap sprechen.

Ich konnte noch nie (jedenfalls nicht soweit meine Erinnerungen zurück reichen) Stereosehen, hatte aber durchaus so meine Probleme. Trotzdem habe ich vieles erreicht, was ich nicht unbedingt für möglich hielt.

Rückblickend betrachtet würde ich in meinem Fall von einer Beeinträchtigung sprechen, die mich mal mehr und auch mal weniger an dem Erreichen meiner Ziele gehindert hat.

Für die Zukunft würde ich diese hinzugewonnene Fähigkeit ganz klar als Vorteil werten gegenüber Normalsichtige, da ich einfach dieses neue Sehen besser Wert schätze und sicher auch wesentlich aufmerksamer durch den Alltag gehen werde.

Ob sich dieser Effekt mit der Zeit allerdings abmildert oder gar verliert kann ich natürlich noch nicht beurteilen.


 
Veröffentlicht : 19.11.2012 13:49
Paul-Gerhard Mosch
(@Paul-Gerhard-Mosch)
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Richtig;

... Wer bisher stereosehen konnte und durch Unfall o.ä. nun diese Fähigkeit verliert wird sich eher als Mensch mit Behinderung sehen. ...

So erging es mir persönlich über zwei Wochen lang einmal, als ich durch eine massive Hornhautentzündung auf einem Auge plötzlich nicht mehr sah und somit auch nicht mehr beidäugig sehen könnte. Zum Glück war dies reversibel und ohne Langzeitschaden.


 
Veröffentlicht : 19.11.2012 14:50
Gika
 Gika
(@Gika)
Beiträge: 10088
Illustrious Member
 

Hallo zusammen,

@ Paul-Gehard Mosch: Wörter in Großbuchstaben bedeuten im Internet in der Regel, dass sie entweder geschrieen oder betont werden sollen. Daher empfinde ich die Anrede an mich in Großbuchstaben als Anschreien, dessen Grund ich nicht so ganz verstehe. Möglicherweise ist das ein Missverständnis, weil ich die Internetgepflogenheiten hier als gegeben voraussetzte.

Manches andere mag auch Definitionsfrage sein. Handicap ist das englische Wort für Behinderung, nicht mehr und auch nicht weniger. 
Es wird auch im Deutschen so benutzt und nicht im Sinne von "kleiner Makel". 

Behinderung bedeutet für mich nicht nur kleine Unannehmlichkeiten und Schwierigkeiten (die hat tatsächlich jeder). Vielmehr verstehe ich Behinderung bzw handicap im Sinne des SGB IX: 
"Menschen sind behindert, wenn ihre körperliche Funktion, geistige Fähigkeit oder seelische Gesundheit mit hoher Wahrscheinlichkeit länger als sechs Monate von dem für das Lebensalter typischen Zustand abweichen und daher ihre Teilhabe am Leben in der Gesellschaft beeinträchtigt ist."
Anders ausgedrückt, es muss eine gravierende Beeinträchtigung vorliegen, aufgrund derer eine gesellschaftliche und wirtschaftlichen Teilhabe bzw. Teilnahme einer Person unmöglich oder ERHEBLICH erschwert wird.

Und danach ist fehlendes räumliches Sehen sicher keine Behinderung
Denn damit kann ich - auch erfolgreich - wirtschaftlich und sozial an der Gesellschaft teilhaben. 
Natürlich gibt es Einschränkungen, auch bei der Berufswahl. Die hat aber letztlich jeder..
Ein Sprachgenie eignet sich möglicherweise ja auch nicht zum Mathematikprofessor,  eine Mathegenie nicht zum Simultandolmetscher. Ein nicht so sportlicher Mensch eignet sich nicht zum Leistungssportler, ein Leistungssportler vielleicht nicht zum Manager. Und jemand, der/die eine dicke fette Warze auf der Nase hat, eignet sich nicht zum Topmodel, kann aber trotzdem ein hochkarätiges Mitglied der Gesellschaft werden.. usw. usf
Keiner ist in allen Bereichen gleich geeignet!

Fehlendes 3-D-Sehen ist daher sicher keine Behinderung. Das bestätigt ja auch letztlich green_mamba, der/die beide Seiten kennt....
(Wobei  green_mamba sicher recht hat , dass jemand, der/die  eine Fähigkeit verliert, stärker leidet, als jemand der/die die Fähigkeit nie kannte. Dennoch ist ein von Geburt an Blinder, der sicher auch viel kompensieren kann, sicher behindert auch wenn er nie sehen konnte - jemand, der räumliches Sehen verliert eher nicht, denn letzterer kann in einer gewissen Zeitspanne lernen, so zu kompensieren, dass es "platt ausgedrückt" "nicht auffällt"..)

Es muss daher dabei bleiben: Fehlendes 3-D-Sehen mag ein "kleiner Makel" sein, aber sicher keine Behinderung! Und daher sollte man da auch sprichwörtlich "die Kirche im Dorf lassen". Was natürlich nicht heißt, dass versucht werden soll, auch "kleine Makel" anzugehen...

@all: Meine Frage zielte aber letztlich auch ganz woanders hin. Hier wurde mehrfach berichtet, dass durch fehlendes 3D-Sehen Dinge gesehen werden, die man vorher nicht gesehen hat.. DAS konnte und kann ich nicht nachvollziehen, da ich als "Stereoblinde" diese Gegenstände auch sehe. 

Green_mamba hat einiges erklärt: "Für die Zukunft würde ich diese 
hinzugewonnene Fähigkeit ganz klar als Vorteil werten gegenüber Normalsichtige, da ich einfach dieses neue Sehen besser Wert schätze und sicher auch wesentlich aufmerksamer durch den Alltag gehen werde."
Die Vermutung, dass man durch dieses " neu erworbenes 3-D-Sehen" aufmerksamer wird, bestätigt sich. 
Es ist also auch eine Frage der Aufnerksamkeit..

LG Gika Lächelt


 
Veröffentlicht : 20.11.2012 02:14
Paul-Gerhard Mosch
(@Paul-Gerhard-Mosch)
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Pardon, Gika,

bin im Internet in dieser Beziehung nicht geschult. Zudem hatte ich ohne Überprüfung Deinen Namen für mich in Großschrift registriert, was falsch ist und von mir nicht gegengeprüft wurde. Es lag keinerlei Absicht dahinter!

Ich stelle dies klar und möchte festhalten hier keinesfalls in juristische Spitzfindigkeiten eintauchen zu wollen, sondern wie schon von mir beschrieben, meine persönliche Erfahrung eingebracht zu haben. Für mich war dies damals eine erhebliche Behinderung über das monokulare Sehvermögen, im Gegensatz zum Sehen binokular und mit Stereopsis leben zu müssen.

 Es ging damals um ca 2 1/2 Wochen, in denen ich mich in meiner Werkstatt und im Geschäft als Einzelkämpfer nur mit viel Fingerhilfe und Tastgefühl in der Anfertigung von Brillen etc. mehr oder weniger hilflos fühlte. Ganz sicher wäre dass auf Dauer mittels Erfahrung wieder besser gegangen, Ich bin jedenfalls über diese Erfahrung im Nachgang sehr dankbar, weil ich mich so besser in andere Nöte einfinden kann.

Übrigens, danke für Deine Belehrung in Sachen Großschrift, die ich in Zukunft gerne berücksichtige.


 
Veröffentlicht : 22.11.2012 17:40
Gika
 Gika
(@Gika)
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Pardon, Gika, bin im Internet in dieser Beziehung nicht geschult. Zudem hatte ich ohne Überprüfung Deinen Namen für mich in Großschrift registriert, was falsch ist und von mir nicht gegengeprüft wurde. Es lag keinerlei Absicht dahinter!

Entschuldigung akzeptiert! Bei der ersten Antwort habe ich es tatsächlich so empfunden, bei der 2. war ich nicht ganz sicher, ob es doch ein Versehen war. Jetzt ist es klargestellt - Schwamm drüber....

Ich stelle dies klar und möchte festhalten hier keinesfalls in juristische Spitzfindigkeiten eintauchen zu wollen, sondern wie schon von mir beschrieben, meine persönliche Erfahrung eingebracht zu haben.

Es geht hier nicht um juristische Spitzfindigkeiten. Es ging für mich um die Definition von handicap=Behinderung.. Auch wenn der Gesetzgeber manchmal wirklch die merkwürdigsten Definitionen hervorbringt, die Definition der Behinderung kann ich nachvollziehen und teilen...

Und ganz ehrlich - so rein aus dem Bauch heraus.. Ich fühle mich, da ich nicht räumlich sehen kann, deswegen schlicht und ergreifend nicht behindert! Und das bestätigen ja sogar diejenigen, die jetzt plötzlich dreidimensional sehen können..

Für mich war dies damals eine erhebliche Behinderung über das monokulare Sehvermögen, im Gegensatz zum Sehen binokular und mit Stereopsis leben zu müssen. Es ging damals um ca 2 1/2 Wochen, in denen ich mich in meiner Werkstatt und im Geschäft als Einzelkämpfer nur mit viel Fingerhilfe und Tastgefühl in der Anfertigung von Brillen etc. mehr oder weniger hilflos fühlte.

Das verstehe ich! Jeder Verlust einer Fähigkit ist erst einmal schockierend und schränkt ein. Denn man ist ja selbstverständlich von dieser Fähigkeit ausgegangen und hat sie genutzt. Die Kompensation muss man dann natürlich erst lernen, und solange ist man sicher vielmehr eingeschränkt, als diejenigen, die es nie anders kannten..

Aber letztlich kann man fehlendes räumliches Sehen deutlich besser kompnesieren, als maches andere. 

Ganz sicher wäre dass auf Dauer mittels Erfahrung wieder besser gegangen.

Eben! Und dann wären die Einschränkungen nur so gering gewesen, dass man sie nur als "kleinen Makel" bezeichnen könnte...

Und daher sollte man, wie ich schon sagte, die Kirche im Dorf lassen.

Es ist - um das klarzustellen - ja auch völlig in Ordnung, dass man versucht, auch solche Makel zu beseitigen. Und wenn das möglich ist und glingt ist das toll!

Ich finde es nur - insbesondere wenn ich so manches Leid sehe, wogegen fehlendes räumliches Sehen "ein Klacks ist" - vermessen, jeden Makel als eine Behinderung zu bezeichnen, die unbedingt "geheilt" werden muss... So kam - insbesondere die erste Antwort bei mir an...

Ich denke aber, jetzt sind alle Missverständnisse ausgeräumt..

LG Gika Lächelt


 
Veröffentlicht : 22.11.2012 22:18
Paul-Gerhard Mosch
(@Paul-Gerhard-Mosch)
Beiträge: 2727
Famed Member
 

Danke!


 
Veröffentlicht : 22.11.2012 22:50
Elisa
(@Elisa)
Beiträge: 63
Trusted Member
 

Hallo Leute

Seit letztem Samstag - also seit 5 Tagen - habe ich nun auch eine Lese- / Computerbrille und sitze jetzt mit dieser Brille vor dem Computer. Seit fast einem halben Jahr das erste Mal, dass ich bei Tageslicht schreibe! Bei der vorübergehend verwendeten Folie kam es immer zu starken Blendeffekten und ich musste die Jalousien herunterlassen und sass also fast den ganzen Tag im Halbdunkel. Nun habe ich die Jalousien offen und geniesse das Licht. Mit der Prismenbrille geht das wunderbar.

Damit ist nun also meine Behandlung der Winkelfehlsichtigkeit durch den Optiker fürs erste abgeschlossen. Ich geniesse meine neue Sicht der Dinge, das räumliche Sehen, und ich geniesse auch, dass ich nun viel mehr Energie habe als früher.

Das 3D-Sehen ist nun in mein Leben integriert, auch wenn ich immer wieder Dinge sehe, die mich ergreifen. Die Weihnachtsbeleuchtung hatte einen ganz anderen Effekt auf mich als in den früheren Jahren. Und immer noch freue ich mich an der räumlichen Struktur der Bäume und auch daran, dass ich "durch einen Baum hindurchblicken" und dahinter andere Objekte sehen kann. Ich freue mich an Landschaftsformationen, an Hügeln, Tälern, Abhängen, und auch an Wolken, die im Raum hängen... Es ist schon erstaunlich, was ich früher alles nicht gesehen habe. Ich habe eine gewaltige "Horizonterweiterung" erlebt.

Lächelt

Euch allen Alles Gute und danke für die Begleitung in diesem Forum!

Elisa


 
Veröffentlicht : 10.01.2013 13:39
Marco25
(@Marco25)
Beiträge: 40
Trusted Member
 

Ich finde es natürlich klasse, dass man immer öfter in diesem Breich Erfolgsmeldungen hört.

Was ist von solchen  "Negativ"-Comments wie hier zu halten:

http://www.medizin-forum.de/phpbb/viewtopic.php?f=17&t=104183&hilit=susa...

Es geht um den letzten Post auf dieser Seite - Poster ist wohl en Strabologe und daher nicht völlig ahnungslos?


 
Veröffentlicht : 10.01.2013 18:25
tom.hertig
(@tom.hertig)
Beiträge: 45
Trusted Member
Themenersteller
 

Hallo zusammen

Also bei mir sind es jetzt 5 Monate her, seit ich die Umgebung nun mit 3D wahrnehmen kann.

Einerseits habe ich mich an diesen Zustand gewöhnt; andererseits gibt es jeden Tag wieder Momente, bei denen ich staunen kann. Und ich denke, beides ist wichtig. Es ist gut, wenn man sich an das Neue gewöhnen kann, aber es ist auch wichtig, dass man es nicht einfach für selbstverständlich nimmt. Für mich war das "Upgrade" auf 3D ein Geschenk - und dieses Geschenk schätze ich heute noch immer sehr.

Liebe Grüsse

Tom  


 
Veröffentlicht : 11.01.2013 12:01
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