Hallo Erich,
Deine Folgerungen betreffen alle den Fall, dass nach der Geburt eine gewisse Zeitlang Bildlagefehler (WF) bestanden haben. Diese sind später dekompensiert in ein manifestes Schielen.
Unter dieser Voraussetzung nimmt man an, dass durch einen Korrektionsausgleich der WF zumindest der Zustand vor der Dekompensation wiederherstellbar ist. In aller Regel, da jetzt der benötigte Ausgleich erfolgt erwartet man einen optimaleren Gesamtzustand. Es bleibt hier also alles reversibel.
Anders verhält es sich, wenn es nicht am Anfang der Entwicklung im Sehen zu normal ausgebildeten Prägungen gekommen ist, z.B. weil ein Frühchen nicht in der Lage war Prägungen im Sehen normal zu entwickeln und zu durchlaufen. Diese Defizite können später nie mehr ganz, teilweise auch nicht einmal teilweise, nachgebaut werden. Sind dererlei falsche Prägungsmuster vorhanden, wird mit der Abnahme der Korrektionswirkung ein entsprechender Effekt sichtbar und es besteht durchaus die Möglichkeit, dass durch die Sensibilisierung der Sehfunktionen eine vorher noch notdürftig funktionierende Fixation, nach Abbruch des Tragens nicht mehr einrastet.
Die Gefahr ist aber insofern vernachlässigbar, da entweder die Funktionalität ohne Werteausgleich so stabil gestaltet ist, dass es auch nach Abbruch der Massnahme hier verrasten kann, oder die Korrektion wird mit solchem Gewinn genutzt, dass eine Rückkehr zum Ausgangsstadium keine Alternative bildet.
Zur Erklärung Deiner Frage mag noch angefügt sein, dass es ganz sicher auch anatomisch unvollständige oder auch ungleich gelagerte Muskeln gibt, zB. in Länge und Stärke, die ein Ungleichgewicht produzieren.
zu 1. Das ist korrekt.
zu 2. Man erkennt es daran welche binokularen Sehweisen vorhanden sind.
zu 3. Man kann die Prismen weglassen wenn man das visuelle Problem als nicht korrektionswürdig ansieht.
zu 4. Kinder mit Problemen mit dem binokularen Sehen haben auch Schwierigkeiten mit der räumliche Wahrnehmung. Dazu gibt es spezielle Übungen in der Ergotherapie.
Lieber Herr Eßer,
das mit der Teilkorrektion ist ein schwieriges Unterfangen. Wie soll man festlegen wann der Prismenwert Beschwerdefreiheit bringt? Das geht nur über Versuche den Winkel irgendwann zu treffen.
Nur als Beispiel: ein 9-jähriges Mädchen, sehr in sich gekehrt und mit sich selbst beschäftigend trug eine "Vollkorrektion" von 22,50 Prismendioptrien. Zur Nachkontrolle vor 2 Tagen kam ein völlig verwandeltes KInd. Der Vater sagte schon nach 10 Minuten wäre seine Tochter eine andere gewesen. Er lobt sich damit, und das kann ich gut verstehen, diesen Weg gegangen zu sein. Die Brille mit den dicken Gläsern sieht wirklich nicht schön aus, aber sie wird mit einem Selbstbewußtsein getragen, da staunt man nur. Der Weg in eine OP ist nun gewählt worden und wir werden alles versuchen auch diese Option zu einem Erfolg zu machen.
Manchmal bringt erst die OP den wirklichen Durchbruch. Auch das kommt vor.
Anders gehe ich bei wirklichen Schielern vor. Hier versuche ich das beste Binokularsehen hervorzukitzeln. Das endet eindeutig in einer Teilkorrektion weil die wirkliche Vollkorrektion niemals erreicht wird.
Ich drücke trotzdem die Daumen das bei Herrn G. in K. alles positiv verläuft.
Das Doppeltsehen dürfte eine erste Anpassungsreaktion an die stärkeren Prismen sein. Da die Augen mit den stärkeren Prismen mehr Richtung Nase stehen und Elena wahrscheinlich nur geringe Kontrolle über ihre eigenen Augen hat, braucht sie einfach noch Zeit bis die Augen wieder parallel stehen bzw. die Seheindrücke von beiden Augen wieder verschmelzt hat.
Normalerweise wird das Doppeltsehen innerhalb der nächsten Tage verschwinden und das visuelle System "normalisert" sich mit den neuen Werten. Stichwort: "Sie gewöhnt sich daran.".
Dass Sie bei Ihrer Tochter keinen deutlichen Schielwinkel erkennen können ist normal. Die Abweichung des Auges muss nicht gross sein um bereits Doppelbilder zu verursachen.
Hallo Erich,
das ist wirklich ganz normal.
So hat meine Nachfrage beim Augenoptiker ergeben, daß, berücksichtigt man den Prismenwert von 2x6.0=12, es sich bei dem Doppelbild-Effekt
entweder: um eine noch anhaltende Gewöhungssituation handeln könnte, die später vom Sehsystem schneller überbrückt wird, oder aber: um eine kurzfristige aber ständige Reaktion, an die sich später der Brillenträger gewöhnen wird.
Weder noch.
Unter der Brille entsteht ein entspannteres Sehen als ohne Brille und just in dem Augenblick in dem angespanntes Sehen verlangt wird, wird dann durch den noch vorhandenen Entspannungseffekt dann doppelt gesehen. Das ist völlig normal.
Hallo Erich,
das klingt doch alles sehr positiv. Das Thema Hörverarbeitung solltet Ihr nicht aus den Augen verlieren - Agnes Maria hat ja eine kompetente Klinik in Eurer Nähe genannt. Deine Schilderungen, wie Elena in der Schule agiert, lassen mich vermuten, dass sie Probleme mit der Hörverarbeitung haben könnte - es kommt mir alles soooo bekannt vor
Viele Grüße
Kerstin
Hallo Erich,
Kunststoffgläser sind teurer als Silikatgläser - und leichter!!!! Prismengläser mit 7,5 Prismen wären da aus Silikat ganz schön schwer...wg. der Verletzungsgefahr, insbesondere bei Kindern, tragen die KK die Kosten für Kunststoff, wenn eben erwähnt wird, dass die Brille (auch) beim Sport getragen werden muss.
und das muss sie in Elenas Fall ja auch, nicht wahr?....
Augen und Ohren sind unsere wichtigsten Sinnesorgane. Das meiste wird visuell aufgenommen, gleich danach kommen die Ohren. Es ist bekannt, dass sich bei Blinden das Gehör in der Regel über die Maßen gut entwickelt. Ferner hängt die Gleichgewichtsverarbeitung unmittelbar zusammen. Das vestibuläre System versucht die Seheindrücke zu verarbeiten....
Wenn ein Kind nun Probleme in der Hörverarbeitung hat (das hat nichts mit Hörvermögen zu tun!!! Das ist sehr oft sogar überdruchschnittlich gut) und z. B. nicht filtern kann, woher Geräusche kommen, oder nicht trennen kann (wichtiges von Unwichtigem), der versucht, die Quelle visuell zu erfassen. Wenn im visuellen Bereich da nun auch Probleme sind, wird das zum reinsten Stress!!! Diese Kinder kommen total abgeschlagen, gefrustet und müde nach Hause, nicht selten landen sie in der AD(H)S Schublade, und die extrovertierten werden irgendwann zum Klassenclown oder aggressiven Störenfried (Jungs i. d. R. ). Diese Kinder brauchen reizarme Umgebung, um ungestört lernen zu können. Nicht selten sind es außerordentlich kluge Kinder, die mit der Zeit ein extremes Störungsbewusstsein entwickeln. Sie können gut beobachten und merken schnell, dass sie nicht so können, wie sie eigentlich können und es auch wollen. Schulfrust über Jahre wird zur Schulunlust, manchmal Schulverweigerung und totalem Schulversagen.....ich kann Euch nur wärmstens ans Herz legen, eine gute pädaudiologische Stelle aufzusuchen, z. B. die bereits genannte...
LG
Kerstin
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