Guten Tag,ich bin durch Zufall auf dieses Forum gestoßen und versuche vielleicht hier mal eine qualifizierte Erklärung zu bekommen.
Ich selber habe leider nur wenig Ahnung von den ganzen Fachbegriffen und bin totaler Laie.
Ich versuche es kurz zu erklären. Ich litt als Kleinkind auch unter dem Schielen. Ich schielte abwechselnd mit beiden Augen. Also es bestand kein beidäugiges Sehen. Ich wurde am linken Auge zweimal operiert und am rechten Augen einmal. Es wurden meine Augen abwechselnd abgeklebt. Alles geschah eigentlich in meinen jungen Jahren.
Ich trug dann bis zu meinem 18 Lebensjahr eine Brille, ab da an harte Kontaktlinsen. Ich bin 22 Jahre alt.
Momentan sieht es so aus das ich auf dem rechten Auge -0.05 Dioptrien und auf den Linken Auge +3,75 Dioptrien habe. Am linken Auge habe ich ausserdem eine leichte Hornhautverkrümmung. Meine Augen sind nach meiner Meinung grade und frühere Augenprobleme fallen nicht auf. Das einzigste was stört, ich kann nie beidäugig gucken. Ich kann beide Augen abwechselnd nutzen aber nie beide zusammen. Eine Amblyopie besteht nicht (wenn ich Amblyopie richtig verstanden habe).
Nur was mich wunderert, ich kann auf den "nichtgenutzten Auge" ziemlich viel sehen. Ich kann beinahe sogar lesen. Nur es gibt keine "Fusion". Ich weiss leider nicht, wie ich es erklären soll. Kann es daran liegen, dass ein Auge kurzsichtig und eins weitsichtig ist?
Gibt es Möglichkeiten, diese Art Fusion noch neu zu erlernen. Ich bin immerhin nicht mehr im Kindesalter aber habe zwei organisch gesunde Augen. Ich selber habe nie was positives gelesen bisher, dass eine Heilung möglich ist. Es gab auf manchen Seiten vieles über Sehtraining und Zellaustausch und vieles mehr.
Wäre dankbar für eine Antwort.
MFG
Hallo,
das "Los" vieler Schieler ist das alternierende Sehen. Das heißt es sieht mal das rechte, mal das linke Auge, aber niemals beide gemeinsam. Dies wird bei einer grösseren Ungleichsichtigkeit sowieso erschwert durch in der Regel ungleiche Netzhautbildgrössen.
Ob im vorliegnden Fall etwas zu ändern oder wesentlich zu verbessern ist, ist zumindest fraglich, da oftmals die frühkindliche Schielentwicklung und ein langer Zudeckritus, die Anlage des beidäugigen Sehens behindert oder gar verhindert hat.
ja, so im etwa habe ich das auch verstanden. Was ich nur komisch finde, ich kann auf den bewusst, nicht genutzten Auge eigentlich viel erkennen, beinahe sogar lesen.
Würde man normalerweise auf den nicht genutzten Auge überhaupt etwas sehen oder wäre das dann eine Amblyopie?
Das ein Auge weitsichtig ist und eins kurzsichtig ist aber auch Schuld an der Störung oder nicht?
Naja ich habe auch schon nach Heilmethoden gesucht. Es soll ja Zellen gespritzt werden bzw Zellaustausch oder sowas, aber genau weiss ich das auch nicht mehr.
Das alternierende System arbeitet auch dann alternierend, wenn beide Augen über volle Sehleistung verfügen. Die beidäugig zentrale Verschmelzung der Seheindrücke ist ein eigener Prozess der in früher Kindheit angelegt worden sein muss. Hier finden dann spätere Maßnahmen einfach keine geeigneten Grundlagen vor.
sorry wenn ich nerve, aber woran liegt das genau. Also der Sehnerv ist ja komplett entwickelt soweit ich es verstehe. Liegt das an Zellen?
Ich habe schonmal was über eine "gentherapie" gelesen, aber die Erfahrung sind sehr gering. Käme den über Gentherapie oder Zellen vielleicht Jahre später eine Heilung in Frage?
Hallo,
Sicher ist bekannt, dass entwicklungsgeschichtlich das Augenpaar ein vorgelagerter Teil des Gehirns ist, der sich auch organisch zu gleicher Zeit entwickelt. Allerdings werden die Sehfunktionen erst nach der Geburt benötigt und als Synapsen erst dann entsprechend verknüpft. Übrigens läuft im Gehirn nach der Geburt dieser Verknüpfungswettlauf ab. Wenn Anlagen zum Schielen bestanden und/oder die Energie zum beidäugigen Fixieren nicht ausreicht, z.B. bei Frühchen, körperlicher Schwäche, Fieber, etc. werden diese eben anders oder gar nicht verknüpft. Mit 1/2 bis zu zwei Jahren gilt die wesentliche Entwicklung dieser Art als abgeschlossen und die Struktur steht. Alles weitere ist dann Feinschliff, der aber am gelegten Grundmuster nicht mehr rütteln kann. Hier dürften auch weitere Gene zu spät kommen.
ok dann erstmal danke dafür, dass du dir Zeit genommen hast, mir zu antworten. Ich werde versuchen, trotzdem mal einen Augenarzt aufzusuchen. M
Ist es überhaupt normal, das bei einem alternierenden "Sehsystem" die Augenstärke am Tag ziemlich variiert und auf Dauer Kontaktlinsen nicht die richtige Stärke mehr haben?
Im beidäugigen Sehen wird die Akkomodation viel leichter und stabiler gehalten. Alternierend kann das System grundsätzlich gestresster arbeiten (akkomodieren), evt. sogar negativ akkomodieren. Das erschwert den Werteabgleich allerdings, aber unabhängig von KL oder Brille. Hier könnten eher die Tränenbedingungen (Stress) negative Auswirkungen auf das Linsentragen haben.
ZitatOriginal erstellt von Paul-Gerhard Mosch
Hallo,das "Los" vieler Schieler ist das alternierende Sehen. Das heißt es sieht mal das rechte, mal das linke Auge, aber niemals beide gemeinsam. .
Hallo PG,
aus eigener Orthops-Erfahrung muss ich leider sagen, dass dieses "Los" vieler Schieler ja oft gar nicht von Anfang an vorhanden ist, sondern durch die Abkleberei erst erzeugt wird und dass dieses alternierende Schielen (oder alternierende Sehen, ganz wie man es sehen will) in vielen Fällen sogar das ZIEL der Okklusionstherapie ist. Wollte ich nur noch mal so anmerken...
und zu gast99 eine Amblyopie ist eine Schwachsichtigkeit, nicht eine Sehschwäche. Das bedeutet, eines (oder auch beide Augen, auch das kommt vor) erreichen trotz voller Korrektur der Sehschwäche durch Brille oder KL keine volle Sehfähigkeit.
Bei alternierendem Schielen liegt zumeist keine (einseitige) Amblyopie vor, beide Augen erreichen mit nötiger Korrektur gleiche Sehschärfe und werden ja auch alternierend "benutzt". Die Höhe der Korrektur sagt dabei nichts darüber aus, ob ds Auge "benutzt" wird, oder nicht oder ob ein Auge "schlechter" ist als das andere oder nicht.
Aber wäre nicht bei solch erheblichen Unterschieden zwischen rechtem und linkem Auge zumindest eine Teilkorrektur durch eine Lasik-OP ein Weg (nicht um beidäugiges Sehen zu ermöglichen), um zumindest die Grössenunterschiede in der Bildwahrnehmung zwischen re (-0,05 kurzsichtig verkleinert vermutlich kaum) un li (+3,75, vergrössert vermutlich doch erheblich) auszugleichen? Ist vielleicht nicht gerade ein Thema für dieses Forum, aber der Beitrag von gast 99 bietet sich für diese Frage an, und mich würde schon interessieren, wie Optiker und Optometristen darüber denken, bzw. welche Erfahrungen sie damit gemacht haben.
Gruss Claudia
Hallo, Claudia
ich kann Dir in allem zustimmen, obwohl die Auswirkungen einer Lasik sehr gut vorgeprüft gehören und ich Lasik immer noch eher kritisch gegenüber stehe. Vorallem ist zu prüfen, ob das eingespielte alternierende System Probleme bekommen könnte, da die optischen Voraussetzungen krass geändert würden.
Anmerkung am Rande Gemeint ist wohl -0,50 oder gibt es auch -0,05 Gläser?
Hallo
ich wollte nochmal kurz was erfragen.
Also zu Hannah, ich weiss nicht was mit Grössenunterschiede in der Bildwahrnehmung genau gemeint ist. Ich selber nehme sowas nicht wahr und habe sowas auch nicht.
Ich habe mich nochmal schlau gemacht und für mich was vielversprechendes gefunden. Leider alles komplett in Englisch
http://www.children-special-needs.org/lazy_eye/lazy_eye.html
Diese Frau hatte die gleichen Probleme wie ich (ich habe es so verstanden) und konnte nach 1,5 Jahren mit dieser Therapie beiäugig sehen, mit beiden(!) Augen zugleich, obwohl sie auch ein alternierendes System hatte.
Ich frage mich, zu was das steht. Ich glaube nicht dran, dass das alles "Hokus-Pokus" ist oder Geldmacherei.
Hallo gast99,
Ich habe auch alternierendes Schielen seit meiner Kindheit, zumindest habe ich es früher gehabt. Jetzt sehe ich Doppelbilder, die von Schielen kommen. (Lese mal mein Text zu Doppelbilder)
Ich würde auch gerne ein beidäugiges Sehen haben- d.h. eine Fusion. Irgendwas kann ich schon beidäugig sehen- dadurch entstehen die Doppelbilder, weil meine Augen das Bild nicht verschmelzen können.
Ich habe auch - bei rechten Auge (-0,50 ungefähr) und + beim linken Auge (etwas über 1). Dadurch entstehen kleine Bildunterschiede.
Eine Therapie wäre für mich vielleicht auch gut. Auf jeden Fall lohnt es sich die Muskeln ein Mal am Tag zu bewegen- langsam nach rechts und links. Das verbessert die Beweglichkeit der Augen.
Miia
Hi miiacht,
hast du Dir den Link mal genau durchgelesen von mir? Also ich schöpfe etwas Hoffnung.
Leider bin ich auch nur Laie auf dem Gebiet.
Mir kommt leider immer mehr der Gedanke, dass im Ausland es viele neue Methoden gibt.
Ohne erstmal eine Heilung vorauszusetzen.
Aber mir ist es einfach wert, weiterzusuchen und auch größere Reisestrapazen auf mich zu nehmen. Ich finde mich einfach nicht damit ab, lebenslang auf ein binokularsehen zu verzichten.
So long
Hallo gast99,
Ich habe gerade dein link genauer gelesen. Früher bin ich auch schon auf diese Seite gestossen. Vision therapy wäre interessant. Die Bewegungen der Muskeln in verschiedenen Richtungen können helfen.
Es wäre toll ein dreidimensionales Sehen zu bekommen und auch Fusion. So habe ich nie gesehen. Jetzt kann ich zwar beidäugig gucken, zwar aber ohne Fusion. Ich sehe Doppelbilder. Früher bevor der Schieloperation im Jahre 2004 (im Herbst) habe ich auch noch alterniert. Jetzt kann ich nicht genau sagen wie ich es mache. Vielleicht alterniere ich es noch etwas und kann auch beidäugig Sachen merken.
Wo kommst Du her, wenn ich fragen darf? Bist Du aus Deutschland? Ich komme aus Finnland. Einmal im Jahr reise ich nach Österreich, wo mein Vater wohnt (ich bin in Österreich geboren). In Österreich wurde ich als Kind bei der Augenklinik Salzburg wegen Schielen behandelt. Ich glaube dort wissen die Leute mehr als in Finnland. Meine Augen wurden auch abgeklebt wie bei Dir. In Finnland dann nicht mehr. Nur jetzt hilft dann abkleben, wenn man Doppelbilder sieht und sie stören. (Z.B. am Computer)
Mit lieben Grüssen Miia
hallo,ich komme aus den Norden, also genauer gesagt Nähe Hannover.
Interessant ist dieser Link auf jeden Fall.
Nur leider wird das nicht in Deutschland angewendet. Ich meine gelesen zu haben, dass ab 2006 sowas ähnliches hier geben wird.
Ich wollte mal Kontakt aufnehmen, aber per email soll man keine medizinischen Fragen stellen.
Diese Frau Cooper wurde ja 1,5 Jahre behandelt und das 2 mal die Woche. Wenn sowas bei mir oder bei dir auch der Fall sein würde, könnte ich mir nur vorstellen, für die Zeit im Ausland zu wohnen. Ich hätte zwar bekannte in den USA aber irgendwie ist das alles verrückt. Wenn aber eine Heilung möglich wäre, wäre es mir das alles Wert.
Nur das zweite Fragezeichen steht bei den Kosten. Was würde das alles kosten?!
MFG
Hallo Gast99,
Möglicherweise wäre es teuer, ganz bestimmt. Die Reise nach USA kostet ja auch Geld. Ich könnte es mir nicht leisten ohne dass es wer von der Krankenkasse bezahlen könnte. Bei Studenten ist es ja nicht so leicht.
Vielleicht gibt es auch mal sowas in Finnland... das Medizin entwickelt sich ewig.
Krankenhausbesuch kostet bei uns nicht viel- bei einheimischen so 70e- z.B. bei einer Schieloperation. Und Krankenhausbesuch bei Ortoptrik (Augenklinik) oder Augenarzt 20e. Von anderes weiss ich nicht.
Original erstellt von gast99
Hallo
ich wollte nochmal kurz was erfragen.
Also zu Hannah, ich weiss nicht was mit Grössenunterschiede in der Bildwahrnehmung genau gemeint ist. Ich selber nehme sowas nicht wahr und habe sowas auch nicht.
Hallo Gast99,
die Grössenunterschiede in der Bildwahrnehmung liegen in den Korrekturwerten Deiner Brille/KL. Dein linkes Auge ist übersichtig und wird mit einer Pluslinse (diese Linsen sind konvex vewölbt, haben also die "dickste Stelle" in der Mitte) korrigiert, diese Linsen haben die Eigenschaft, alles, was man durch sie betrachtet, zu vergrössern.
Rechts bist Du kurzsichtig (und wie Micha_T angemerkt hat, wohl mit -0,5 und nicht -0,05, soweit ich es selbst erlebt habe, wird eigentlich immer in 0,25er-Schritten korrigiert..)und Kurzsichtigkeit wird mit konkav gewölbten Linsen (sind in der Mitte dünn und werden zum Rand hin dicker) korrigiert. Konkavlinsen verkleinern aber die Objekte, die man durch sie hindurch betrachtet. Augenärzte nennen diese Unterschiede in der Brechkraft zwischen den beiden Augen "Anisometropie". Ich habe das auch, bin beidäugig kurzsichtig, mein rechtes Glas ist aber 1,25 Dpt. stärker als das linke. Wenn ich beidäugig sehe, bemerke ich natürlich keine Grössenunterschiede, das Gehirn gleicht das offenbar aus. Wenn ich aber ganz bewusst NUR mal mit recht oder links etwas ansehe, bemerke ich sehr wohl, dass das gleiche Objekt/Bildschirmtext o.ä. wenn ich nur mit rechts schaue, zwar scharf, aber kleiner erscheint, als wenn ich nur mit dem linken Auge schaue.
Hoffentlich habe ich Dich jetzt nicht total verwirrt...
Also ich kann das alles soweit auch begreifen, was du sagtest Hannah.
Aber ich kann bei mir, wenn ich Kontaktlinsen trage, echt absolut keinen Grössenunterschied feststellen. Ich habe es echt versucht aber ist absolut gleich irgendwie 
Ja, habe mich verschrieben, habe rechts -0,5.
War leicht verpeilt 
Hallo Gast99,
bei Verwendung von Kontaktlinsen tritt der
Größenunterschied nicht in Erscheinung.
Dies ist nur bei Brillen so, und je weiter die Brille von den Augen entfernt ist, umso stärker. Bei +3,75 und -0,50 wäre der Unterschied 4,25 Dioptrien und das ist bei deinen Werten nicht nur absolut, sondern auch relativ ziemlich viel.
Wenn du nur Kontaktlinsen trägst, scheidet der Größenunterschied als Fusionshinderniswohl praktisch aus, aber das müßten die Fachleute hier im Forum vielleicht noch mal klären.
Micha