Hallo,
es gibt kein Gesetz, das uns Augenoptikern das Prüfen der Sehleistung bei kleinen Kindern verbietet. Das Einzige, was ich von den Eltern verlange, dass vorher eine medizinische Untersuchung beim Augenarzt erfolgt. Ich möchte nicht schuld daran sein, irgendwelche schwerwiegenden Erkrankungen in oder hinter den Augen nicht erkannt zu haben, weil ich das nicht sehen konnte.
Lea-Teste sind dafür sehr gut.
Hallo,
Wie überprüft man eigentlich die Sehleistung bei einem Baby? Wenn ich das richtig verstanden habe, beruht der Lea test auf dem Erkennen von Bildern. Bei einem Baby stelle ich mir das schwierig vor, da das ja nicht sagen kann ob es etwas erkennt oder nicht.
Viele Grüße
Naca
Hallo, bei einem Säugling ist die Sehschärfe noch nicht bestimmbar, wohl eine objektiv feststellbare Fehlsichtigkeit. Für alle Teste, die eine deutliche Aussage für die Sehschärfe machen, brauche ich die Mitarbeit des Kindes, also 2,5-3 Jahre alt mindestens.
Ein „richtiges“ Überprüfen von Säuglingen, mit dem Ziel von „harten Fakten“ wie wir sie von Erwachsenen kennen, ist nicht möglich.
Alle genauen und verträglichen Verfahren sind auf die Mithilfe des Patienten angewiesen. Ist diese Mithilfe nicht gegeben (Säugling), so bleibt nur ein mehr oder weniger genaues Abschätzen, was sich allerdings im Praxisalltag als gut genug erwiesen hat.
Es stehen unter anderem folgende Abschätzverfahren zur Verfügung:
Objektive Refraktion
Sind die möglichen Korrekturwerte rechts und links deutlich unterschiedlich, so kann (!) das auf ein Problem hindeuten.
Preferential Looking
Dem Säugling werden zwei tischtennisartige Schläger vorgehalten. Der eine ist grau, der andere hat ein definiertes Streifenmuster darauf. Man geht nun davon aus, dass das Kind eher Gefallen am Streifenmuster findet und deshalb das Muster länger anschaut als den nur grauen Schläger. Man verringert nun das Streifenmuster, bis das Kind keine eindeutige Bevorzugung mehr für einen Schläger zeigt. Aus dem kleinsten Streifenmusterabstand, welcher noch eine relativ deutliche Reaktion gezeigt hat, kann man dann die Sehschärfe abschätzen.
Durchleuchtungstest nach Brückner (Brückner-Test)
Man macht sich den „rote-Augen-Effekt“ von Fotografien mit Blitzlicht zunutze. Wenn das Kind optimal (!) in das Blitzlicht schaut, dann sollten beide Augen den gleich hellen „Roteffekt“ zeigen. Wenn ein Auge dunkler oder deutlich anders rot erscheint, dann wäre das ein Hinweis auf ein mögliches Problem.
Optokinetischer Nystagmus
Man zeigt dem Kind eine Trommel mit Längs-Streifenmuster und lässt nun die Streifen langsam rotieren. Wenn das Streifenmuster noch erkannt wird, werden die Augen den Streifen hinterherschauen. Das Phänomen kennen wir vom Auto- oder Zugfahren. Es scheint als ob die Augen zucken, weil immer wieder neu fixiert wird.
Zudecktest
Wird ein Auge bevorzugt oder ist deutlich besser, und deckt man nun dieses Auge ab, so regt sich meist (!) Widerstand beim Kind. Daraus lässt sich wiederum ableiten, dass ein Auge eventuell besser/schlechter ist.
Visuell evoziertes Potenzial
Man zeigt dem Kind Lichtblitze oder verschiedene Schachbrettmuster und misst die Hirnströme der Sehrinde des Gehirns.
Wer also nach der „absoluten“ Wahrheit bei einem Säugling sucht, wird leider enttäuscht werden. Es bleibt bei Schätz- und Erfahrungswerten.
GB