Hallo,ich habe bei meiner ersten Brille auf anraten des Optikers eine prismatische Veränderung erhalten.
Seit einiger Zeit habe ich, wenn ich die Brille aufsetzte, ständig Augendrücken und Kopfweh und das Gefühl "trockene" Augen zu haben (Ich trage die Brille von früh bis abends)
Wer hat recht? Was soll ich tun? Könnt Ihr mir aus der Ferne etwas raten? Gibt es einige die gleiche Erfahrungen gemacht haben?
Viele Grüße und Danke
Lisa
Hallo, Lisa
das ging ja schnell.
Zuerst einmal, Deine Erfahrungen sind sehr typisch und in jeder Richtung nachvollziehbar.
Warum hast Du "definierte" prismatische Wirkungen vor Deine Augen angemessen bekommen?
Undefinierte Prismenwirkungen stecken allerdings in jeder Optik drin! Denn ohne Lichtablenkung ergibt sich keinerlei optische Wirkung. Aber davon verstehen Mediziner wohl nicht so viel, leider.
Ich kann heute keinem mehr empfehlen, Gläser einfach so "ungeprüft" vor den Augen zu kombinieren. Zumindest sollte man über die entstehenden Defizite grob Bescheid wissen.
Dazu kommt, dass der Computer "Gehirn" Fehlstellungen wegrechnet, diese also erstmal unsichtbar bleiben. Nur der Stressfaktor steigt entsprechend der Sehanforderung. So gesehen, kann dann ein erkannter und korrigierter Wert langfristig doch noch unzureichend sein. (Oder ein nur scheinbar gutes Binokularsehen ganz schön belastet daherkommen)
Die Messmethodik, Vorgehensweise, Kontrollen etc. sollten solche Fälle eigentlich erfassen und aufbereiten. Denn ideales bizentrales Sehen stellt sich selten schon nach einer Erstkorrektion ein.
Hallo Lisa,es kommt vor, daß Menschen prismatische Gläser nicht vertragen. Ich habe die Erfahrung gemacht, daß die Beschwerden mit "normalen" Gläsern wieder verschwinden, und würde Dir raten, Gläser ohne Prismen anfertigen zu lassen.
Wegen Deines Sehfehlers ist es schon wichtig, daß Du eine Brille trägst.
Interessant wäre zu erfahren, wie der Optiker die Notwendigkeit der Prismen begründet hat, und natürlich auch, wie er diese bestimmt hat.
Grüße
Linus
ZitatOriginal erstellt von Paul-Gerhard Mosch
Zuerst einmal, Deine Erfahrungen sind sehr typisch und in jeder Richtung nachvollziehbar.
1. Warum hast Du "definierte" prismatische Wirkungen vor Deine Augen angemessen bekommen?
zu 1.) Weil eine leichte Fehlstellung vorhanden ist, (aber die hat ja wohl fast jeder (wer ist schon perfekt))
2. Undefinierte Prismenwirkungen stecken allerdings in jeder Optik drin! Denn ohne Lichtablenkung ergibt sich keinerlei optische Wirkung. Aber davon verstehen Mediziner wohl nicht so viel, leider.
3) Ich kann heute keinem mehr empfehlen, Gläser einfach so "ungeprüft" vor den Augen zu kombinieren. Zumindest sollte man über die entstehenden Defizite grob Bescheid wissen.
zu 3.) Heißt das, das eigentlich jeder Prismen bräuchte, oder ?
4. Dazu kommt, dass der Computer "Gehirn" Fehlstellungen wegrechnet, diese also erstmal unsichtbar bleiben. Nur der Stressfaktor steigt entsprechend der Sehanforderung. So gesehen, kann dann ein erkannter und korrigierter Wert langfristig doch noch unzureichend sein. (Oder ein nur scheinbar gutes Binokularsehen ganz schön belastet daherkommen)
zu 4.) wie oft muß nachgemessen werden oder ggf. korregiert (das heißt doch dann im Kartext immer neue Gläser???)
Die Messmethodik, Vorgehensweise, Kontrollen etc. sollten solche Fälle eigentlich erfassen und aufbereiten. Denn ideales bizentrales Sehen stellt sich selten schon nach einer Erstkorrektion ein.
Viele Grüße Lisa
ZitatOriginal erstellt von Linus
Hallo Lisa,es kommt vor, daß Menschen prismatische Gläser nicht vertragen. Ich habe die Erfahrung gemacht, daß die Beschwerden mit "normalen" Gläsern wieder verschwinden, und würde Dir raten, Gläser ohne Prismen anfertigen zu lassen.
Wegen Deines Sehfehlers ist es schon wichtig, daß Du eine Brille trägst.
Interessant wäre zu erfahren, wie der Optiker die Notwendigkeit der Prismen begründet hat, und natürlich auch, wie er diese bestimmt hat.
Grüße
Linus
Hallo Linus,da ich täglich vorm PC sitze, wären die Prismen eine Erleichterung für meine Augen und ich wäre abends nicht so abgespannt (eher entspannt) und die seltenen Kopfschmerzen (die jeder mal hat) würden noch weniger werden.
Leider ist das Gegenteil bei mir eingetreten.
Hat Dein Optiker Dir die Gläser einfachso getauscht oder hattest Du Schwierigkeiten dabei.
Viele Grüße Lisa
Hallo Lisa,
zu 1 + 3)
Fehlstellungen in der Medizin diesbezüglich (u.a. als latentes Schielen benannt), werden mit 70 - 80% angegeben, insoweit hast du recht.
Beschwerden werden diesem Bereich in der Medizin ca. 10% zugeordnet, in der MKH liegen die Angaben aber bei ca. 40-45%. Der Abruf entsprechender Brillenglasaufträge liegt bei Zeiss bei nur 2-3%. Du erkennst sicher selbst die hier klaffende Lücke.
Die PC-Arbeit ist eine Tätigkeit, die den Sehsinn besonders fordert. Hier zeigen sich Defizite schneller. Können organische Ursachen ausgeschlossen werden, liegt eine WF als Ursache für Anstrengungssymtome oder bei nervlich belasteten Befindlichkeiten durchaus nahe.
Ziel jeder Korrektion nach MKH ist es jedenfalls auch, das "Sehen" zu verbessern. Gelingt dies bei einem Probanten hat er diesen Erfolg sichtbar vor Augen. Das Ziel muss als erreicht gelten.
Erst an zweiter Stelle darf mit beurteilt werden, ob auch Auswirkungen "positiv oder negativ" auf andere Bereiche übergegriffen haben. Diese sekundären Erfahrungsbereiche werden zwar bei versierten Anwendern der MKH sehr häufig positiv auffallen (und sind deshalb oft auch Anlaufkriterium für den Probanten), aber es ist grundfalsch "diese Effekte" in den Vordergrund des Handels zu stellen.
Erst langfristig wird sich nämlich erweisen, ob das verbesserte Sehen und das anfängliche genannte Beschwerdebild zusammen gehangen haben. So kann eine Brille, anfangs sogar mehr Beschwerden bilden und dennoch richtig gewesen sein, wie sich erst längerfristig erweist. Denn unter Sehschwierigkeiten, ist eine gute Korrektion unter Umständen genauso störend, wie ein erhöhter Schuhabsatz, der die Wirbelsäule zwar entlastet und den Beckenschiefstand behebt, aber erstmal völlig ungewohnt, bis hin zum Gangablauf wirkt. Evtl. muss aus verschiedenen Gründen auch abgestuft korrigiert werden, was über dem hier erwähnten Beispiel auch einleuchten will.
Wer eine Störung aber nur ankratzt, hat sicher nur einen vorübergehenden oder keinen Effekt als Verbesserung. Evtl. noch nichtmal im Sehen selbst. Dies müsste dann Anlass zu einer Überprüfung sein.
Ich hoffe damit auch die zweite Frage beantwortet zu haben. Natürlich braucht nicht jeder spezielle optische Wirkungen. Aber in der Augenoptik sollte die fachliche Beratung und Messung diesen Aspekt voll abdecken können.
Die Unterscheidung in "normale Gläser" und "Prismengläser" ist jedenfalls abwegig. Sie zeigt, dass augenoptisch pysikalische Faktoren der Brillenlinsengeometrie mit ihrer Wirkung vor den Augen nicht anerkannt werden.
Es gibt einfach gesagt, viele falsche und nur wenig richtige Brillenwirkungen vor Augen. Dabei ist "Richtig" erstmal nur bezogen auf das Zeitfenster der Messung selbst, welches aus vielerlei Gründen evtl. noch nicht den Gesamtfaktor einer Störung aufdecken konnte. Damit aber wird jeder Betroffene gut leben können, jedenfalls besser, als ohne eine entsprechend "richtige" Korrektion. Von einer "richtigen" Brillenwirkung zu sprechen, ohne sich ein komplettes Bild verschafft zu haben, gleicht jedenfalls einer Vogel-Strauß-Politik und ist fachmännisch sicher nicht korrekt.
Hallo Linus,
wenn prismatische Wirkungen nicht vertragen werden, kann das unterschiedliche Ursachen haben (die gilt es zu klären), aber genauso werden refraktive Werte oft nicht vertragen, weil der entscheidende Wert noch fehlt.
Wieviele Brillen liegen in der Schublade, oder werden statt auf der Nase in der Handtasche getragen? - Die meisten "korrektionsrichtigen Gläser" machen dagegen süchtig auf Brillentragen, warum wohl?
ZitatOriginal erstellt von Paul-Gerhard Mosch
Hallo Linus,Wieviele Brillen liegen in der Schublade, oder werden statt auf der Nase in der Handtasche getragen? - Die meisten "korrektionsrichtigen Gläser" machen dagegen süchtig auf Brillentragen, warum wohl?
Ich trage ja die Brille täglich! Uns süchtig werde ich im Moment wirklich nicht!!
Wenn ich allerdings seit dem ständigen Tragen mehr Kopfschmerzen habe als früher (das merke ich an dem Verbrauch von Aspirin - und der war früher sehr sehr gering), dann ist das für mich schon ein Zeichen, dass es von der Brille kommt.
Viele Grüße Lisa
ZitatOriginal erstellt von lisa
Hat Dein Optiker Dir die Gläser einfachso getauscht oder hattest Du Schwierigkeiten dabei.
Hallo Linus, konntest Du mühelos tauschen?
Hallo Herr Mosch,stimmt, wenn Prismengläser nicht vertragen werden kann das, genauso wie bei refraktiven Gläsern, verschiedene Ursachen haben. Diese müssen dann geklärt werden.
Sie stimmen mir sicher zu, wenn ich sage, daß es "Nebenwirkungen" gibt, über die im Vorfeld gesprochen werden muß. Damit vermeidet man Überreaktionen beim Patienten/Kunden, und gibt ihm gleichzeitig die Sicherheit, daß er sich jederzeit bei einem melden kann.
Ich finde nicht, daß man sagen kann daß "die meisten korrektionsrichtigen Gläser süchtig machen auf Brilletragen".
Grüße
Linus
Hallo Lisa,sorry, daß ich erst jetzt antworte.
Ich selbst bin nicht betroffen, habe aber hier und da mit Patienten zu tun, die Probleme haben mit Prismenbrillen. In der Regel werden die Gläser vom Optiker kostenfrei getauscht, allerdings muß man hier und da sehr sicher auftreten, und darauf bestehen! Bei meinen Patienten rufe ich auch schon mal den Optiker an.
Wenn ich zu Prismen rate (bzw. diese verordne), dann habe ich bei meiner Untersuchung (meist bei mehreren) festgestellt (bzw. untersuchen lassen), daß 1. andere Ursachen (Brillenwerte, organische Veränderungen) für die vom Patienten beschriebenen Beschwerden ausgeschlossen sind, 2. eine Abweichung vom "Parallelstand" der Augen besteht, die 3. von der Sensorik (sitzt sozusagen im Ghirn) des Patienten nicht genügend ausgeglichen werden kann, und/oder 4. daß noch andere Faktoren bestehen, die einen Ausgleich erschweren (Augenmuskeldefizite, selten). Dann können Prismen tatsächlich eine Erleichterung sein (leider nicht immer).
Allgemein
Je nachdem welche Untersuchungsmethode angewandt wird, kann tatsächlich bei den meisten Menschen eine Abweichung vom "Paralellstand" der Augen gefunden werden (der eine nennt dies "Winkelfehlsichtigkeit", der andere latentes/verstecktes, Schielen). Nicht jeder dieser Menschen braucht jedoch zum Ausgleich Pismen, da die o.g. Sensorik i.d.R. dafür sorgt, daß die Abweichungen ("keiner ist perfekt") meist mühelos ausgeglichen werden.
Da Du offensichtlich vor den Prismen weniger Beschwerden hattest, würde ich meinen, daß Du keine brauchst.
Viel Erfolg!
Linus
ZitatOriginal erstellt von Linus
Hallo Lisa,
Wenn ich zu Prismen rate (bzw. diese verordne), dann habe ich bei meiner Untersuchung (meist bei mehreren) festgestellt (bzw. untersuchen lassen), daß 1. andere Ursachen (Brillenwerte, organische Veränderungen) für die vom Patienten beschriebenen Beschwerden ausgeschlossen sind, 2. eine Abweichung vom "Parallelstand" der Augen besteht, die 3. von der Sensorik (sitzt sozusagen im Ghirn) des Patienten nicht genügend ausgeglichen werden kann, und/oder 4. daß noch andere Faktoren bestehen, die einen Ausgleich erschweren (Augenmuskeldefizite, selten). Dann können Prismen tatsächlich eine Erleichterung sein (leider nicht immer).
Allgemein
Je nachdem welche Untersuchungsmethode angewandt wird, kann tatsächlich bei den meisten Menschen eine Abweichung vom "Paralellstand" der Augen gefunden werden (der eine nennt dies "Winkelfehlsichtigkeit", der andere latentes/verstecktes, Schielen). Nicht jeder dieser Menschen braucht jedoch zum Ausgleich Pismen, da die o.g. Sensorik i.d.R. dafür sorgt, daß die Abweichungen ("keiner ist perfekt") meist mühelos ausgeglichen werden.
Hallo Linus,welche Methoden sind das. Bei den meisten Augenärzten wird relativ schnell die Gläserstärke, an Hand con den an die Wand geworfenen Buchstaben, bestimmt. Sieht ein Augenarzt eine Notwendigkeit von Prismen auch an Hand von "ins" Auge reinsehen? (Das kann ja nun der Optiker nicht)
Im Voraus schon vielen Dank für die Antwort
Lisa
Natürlich kann ein Augenoptiker, mit entsprechenden Gerätschaften in das Auge schauen. Er darf nur die Pupille nicht medikamentös erweitern.
Es kann z.B. eine parazentrale Fixierung auf der Netzhaut beobachtet werden.
Hallo, Linus
ich wage zu bezweifeln, dass Sie "korrigierte" ideale bizentrale Fixation je kennengelernt haben. Deshalb ist Ihre Antwort zum "süchtig werden" nur zu verständlich.
Dieser Ausdruck wurde jüngst vom Rektor Jens Haase, Sohn von Hans-Joachim Haase, in seiner Laudatio zum "Zweiten Hans-Joachim-Haase-Preis der IVBV" benutzt. Er stammt nicht aus der Beobachtung und Beurteilung von Kindern im Schulalltag mit "vollständiger augenoptischer Korrektion", sondern aus einer "Warnschrift" vor Prismengläsern des BVA und wurde hier jetzt "positiv" aufgegriffen.
Hallo Lisa,diesmal bin ich schneller mit meiner Antwort, und ich hoffe, daß ich Dir hier verständliche Aussagen machen kann.
Man muß im wesentlichen 3 Untersuchungs-kategorien unterscheiden
1. Refraktionsbestimmung (Bestimmung der Brechkraft des Auges); damit wird festgestellt, welche Gläser nötig sind um dem Einzelauge die bestmögliche Sehschärfe zu ermöglichen (übrigens muß diese Methode relativ schnell durchgeführt werden, damit das Auge keine Gelegenheit hat sich anzupassen. Ansonsten kann man den Refraktions-/Sehfehler nicht genau ermitteln, weil das Auge versucht, seinen Defizit selbst auszugleichen).
2. Untersuchung des Organbefundes; ob also organische Veränderungen des Einzelauges bestehen. Dazu gehört auch das "ins Auge reinsehen".
3. Untersuchung des Beidäugigen Sehens und der Beweglichkeit des Auges / der Augen; hier kann festgestellt werden, ob es Defizite in der Beidäugikeit gibt, also, ob z.B. Abweichungen vom "Parallelstand" der Augen bestehen (verschiedene Schielformen), und wie die Senorik ausgestaltet ist.
Zu jeder Kategorie gibt es verschiedene Untersuchungsmethoden. Die die ich angesprochen hatte beziehen sich auf die Kategorie 3 Beidäugiges Sehen.
Je nachdem, wie stark ich die Beidäugigkeit "trenne", kann ich eine mehr oder weniger stark ausgeprägte Abweichung vom "Parallelstand" der Augen finden. Also je mehr ich z.B. den Seheindruck eines Auges verändere (z.B. durch ein Rotglas vor einem Auge), desto weniger können die beiden (dann sehr unterschiedlichen) Bilder vom Gehirn zu einem Bild verschmolzen werden, was u. A. die Voraussetzung für 3-dimensionales (stereoskopisches) Sehen ist.
Der Augenarzt und/oder die Orthoptistin nutzen, abhängig von der individuellen Situation des Patienten, also verschiedene Untersuchungsmethoden zur Analyse des Augenbefundes/des Beidäugigen Sehens.
Ob die Notwendigkeit von Prismen erforderlich ist, hängt im Wesentlichen von den Ergebnissen der Untersuchung der Beidäugikeit ab und vom Beschwerdebild des Patienten.
Grüße von
Linus
Hallo Herr Mosch, ich gehöre ebenfalls zu den "nicht perfekten" Menschen; will sagen, daß ich eine Abweichung nach außen habe, die (je nach Messmethode) im Nahbereich bis zu 20 pdpt geht. Dank meiner physiologischen (natürlichen) "Sensorik" bin ich jedoch in der Lage (wie übrigens relativ viele Menschen), diese Abweichung ohne Beschwerden auszugleichen.
Bei meinem Bruder war dies nicht so, so daß er selbstverständlich operiert wurde (ambulant, bei einem niedergelassenen Augenarzt, ohne zusätzliche Kosten!). Zuvor wurde seine Abweichung innerhalb von 4 Wochen mit Prismenfolien aufgebaut (nicht mit den doch teuren Prismengläser!)Und heute, nach 15 Jahren, ist er immer noch beschwerdefrei (mit einem kleinen Rest:wink:el).
Meine "Sensorik" (sensorische und motorische Fusion, ...) garantiert mir eine bizentrale Fixation (ansonsten hätte ich Diplopie und/oder Konfusion). Ein Ausgleich meiner "WF" mit Prismen ist nicht notwendig. Im Gegenteil, ich würde riskieren, meine natürliche Sensorik aus dem Gleichgewicht zu bringen, mit den, im schlimmsten Fall (glücklicherweise ist es nicht immer so), bekannten Folgen immer höhere Prismenwerte und am Ende eine, in meinem Fall, unnötige Augenoperation!
Genau das ist eine der Herausforderungen, mit der wir OrthoptistInnen konfrontiert sind nämlich indizierte Fälle (wo eine Augenoperation unabdingbar ist) von nicht indizierten Fällen (und kein, oder moderater Prismenausgleich) unterscheiden zu müssen und zu können.
Mit freundlichen Grüßen
Linus
Hallo Linus
ich dachte es mir doch, auch hier ist persönliches Interesse im Spiel, wenn eine Orthoptistin in diesem Forum mit schreibt.
Das ist sicher nicht die schlechteste Basis.
Zuerst zu Deinem Bruder. Du schreibst es gibt einen unkorrigierten Rest:wink:el, der "keine" Beschwerden verursachen würde. Darüber will ich mich gerne mit Dir freuen.
Tatsache ist es aber, dass nach oder mit der MKH der "Rest:wink:el" gesucht und gefunden werden soll, soweit er einer Korrektion zugänglich wäre. Dies geht nicht in einem 4 Wochen Crashkurs, darüber sind wir uns sicher einig.
Anmerken möchte ich, sowohl in Deinem, wie im Fall Deines Bruders aber noch, dass etliche Befindlichkeiten, von schulmedizinischer Seite gerade nicht in den Zusammenhang mit Störungen im beidäugigen Sehsystem gebracht werden. Hier sprechen wir oftmals aneinander vorbei!
Andererseits geziemt es sich für uns (AO) als Nichtmediziner nicht, erfahrbare Zusammenhänge in den Mittelpunkt der Handlung zu stellen. Schon der Zusammenhang von Sehen und Lernerfolg steht im Bezug auf WF in einer ständigen Konfrontration der Meinungen.
Gerade bei bekannter und vorhandener Störung lässt sich für Dich persönlich an Testbildern der MKH sehr direkt ablesen, welche Belastungen die Fusion meistern muss, (z.B. längeres Fixieren von Kreuz- oder Doppelzeigertest) und wie vorallem die zentrale Bildverarbeitung durch Supressionen, Exclusionen einen Balanceakt ausführt, der nervlich mit Sicherheit, Leistungsreserven verzehrt, oder Desinteresse an bestimmten Sehaufgaben aufdoktriniert und zur Methode werden lässt.
Dies kann in verschied. Lebensabschnitten unterschiedlich starke Auswirkungen haben. In Ordnung ist es jedenfalls nicht und vorallem, hier kann bei Bedarf wirklich geholfen werden. Deshalb wird niemand perfekt, keine Sorge, aber er schafft sich Freiräume!
Zum Schluß möchte ich noch die genannten schwankenden Messwerte (je nach Methodik) ansprechen. Diese erkennt auch die Messtechnik nach MKH. Im Unterschied zu anderen Messverfahren hält sie ein Kursbuch parat, nach denen man solche Messwerte sortiert, korrigiert und letztlich abarbeitet. Es ist erstaunlich, wie selbst krasse Unterschiede, sich manchmal zwar erst nach Jahren, zu einem harmonischen Gesamtbild fügen.
Ein Beispiel Ferne 20 außen / Nähe acht innen. Diese Werte meines Vaters wurden nicht nur von mir, sondern auch von Dr. med. Uwe Wulff festgehalten und auch korrigiert. Nach ca. 6 Jahren trug er dann in Ferne und Nähe gleiche Werte. Weitere fünf Jahre später wurde dieser Fehlwert zeitlich vor einer erforderlich gewordenen Cataract-Op zuerst per Schiel-OP korrigiert. Dies wäre bei den Ausgangswerten noch unvorstellbar gewesen.
Hallo Linus,letzendlich heißt Dein letzter Satz doch nichts anderes, als daß man nur dann prismatisch korrigiert, wenn irgendwelche wie auch immer geartete Beschwerden vorliegen. Wir MKH-ler korrigieren mitnichten jedes Prisma, was wir finden, sondern machen es abhängig vom Leidensdruck der Betroffenen. Hat derjenige eine sehr gute Fähigkeit zur Fusion, wird er auch kaum Beschwerden haben, sonst müssten wir nicht nur bei den ca. 80% Winkelfehlsichtigen aktiv werden.
Gruß
Eberhard
Hallo, Linus
ich finde Deine Beiträge sehr gut.
Fusion + Sensorik werden im natürlichen Leben ständig belastet! Da gehst Du doch sicher mit mir einig. Blickfolgebewegungen, Fixierungen in unterschiedlichen Entfernungen etc.
Diese Funktionen werden aber dann "gedoppelt", wenn schon in der Blickrichtung geradeaus, Funktionsdefizite erkennbar werden. Kommen hier Auffälligkeiten dazu, die uns typisch erscheinen, wird eine "Winkelfehlsichtigkeit" nach den Regeln der MKH gemessen und korrigiert.
Manchmal spontan, häufig nach verschiedenen Korrektionsschritten, stellt sich Isovalenz (Sehgleichgewicht) sowohl in der Ferne, als auch(!) in der Nähe ein. Diese im Zentrum jetzt herschenden Bezüge, wirken sich auch in der Peripherie stabilisierend aus.
Wesentliche Differenzen in den Testfelddarbietungen führen zu den für die Medizin "unglaublich" klingenden Erfolgen.
Es wird gerade in der MKH unbedingt mit "Fusion und Sensorik" gearbeitet, aber dabei immer auf ein mögliches Sehgleichgewicht abgezielt.
Hallo Herr Mosch,stimmt, ich habe ein persönliches Interesse daran, mir möglichst viel Information zu dem Thema WF anzueignen. Im Gegensatz zu bestimmten Veröffentlichungen im Internet, unterdrücke ich (und auch viele Kolleginnen, die ich kenne) Fragen von Patienten und/oder deren Eltern zu Alternativen nicht.
So, das scheint wohl das Problem zu seinnach der MKH soll (muß?) der Rest:wink:el gesucht und gefunden werden, weil wohl davon ausgegangen wird, daß nur dann ein gutes Beidäugiges Sehen möglich wird.
In der Orthoptik-Pleoptik kennt man die physiologische (natürliche) Fähigkeit (Fusion, sensorisch und motorisch), kann diese messen (auch z.B. in verschiedenen Blickrichtungen und Entfernungen), und bei Bedarf in Relation zum gefundenen Winkel stellen, so daß man dadurch, u. A., ein Bild bekommt, ob geschilderte Beschwerden durch eine Störung der Beidäugigkeit ausgelöst werden, oder verstärkt werden, oder nicht.
Ich meine, daß die Fusionsfähigkeit beachtet werden, und miteinbezogen werden sollte bei der Entscheidung, ob prismatisch korrigiert wird, oder nicht.
Gruß
Linus
Hallo Eberhard,gut, dann scheinen wir uns hier einig.
Die Orthoptistin macht eine prismatische Korrektur ebenfalls abhängig vom Leidensdruck (und Beschwerdebild) des Patienten.
Wir beziehen halt auch die Kompensationsfähigkeit bei der Bestimmung der Prismenwerte mitein.
Unsere Arbeitsweise geht davon aus, daß es physiologische (natürliche) Kompensations-(Ausgleichs)mechanismen gibt, die entsprechend beachtet werden müssen.
Da haben wir (MKHler - Orthoptistinnen) wohl unterschiedliche Ansichten und Erfahrungen. Vielleicht haben wir auch unterschiedliches Kunden-/Patientengut?
Gruß
Linus