Hallo Herr Mosch,danke für Ihre Antwort.
Wie ich schon Eberhard geschrieben habe, scheinen wir uns ja in manchen Vorgehensweisen einig.
Ich würde allerdings nicht pauschal sagen, daß Fusion und Sensorik "ständig belastet", sondern eher "gefordert" werden. Und, ja, eine "Binokulare Vollkorrektion", wie sie von MKHlern angestrebt wird (wie ich aus verschiedenen Veröffentlichungen geschlossen habe), ist nicht erreichbar; wegen Fixation in unterschiedlichen Entfernung, Akkommodation-Konvergenz-Reflex, unterschiedlichen Blickrichtungen, Blickfolgebewegungen, ..., und nicht zuletzt wegen der u.U. unterschiedlichen prismatischen Wirkung von "normalen" Brillengläsern (Größenordnung natürlich jeweils abhängig von der Stärke und Art der Gläser).
Apropos, mich würde sehr interessieren, ob Lisa und andere Betroffene von (diesen) fachlichen Diskussionen auch was haben, und diese wünschen. Bitte antworten, danke.
Gruß
Linus
Hallo Linus,
ZitatApropos, mich würde sehr interessieren, ob Lisa und andere Betroffene von (diesen) fachlichen Diskussionen auch was haben, und diese wünschen.
Da bin ich sicher. Selbst wenn nicht alles für alle Betroffenen durchsichtig oder interessant ist, macht bitte weiter so! Es ist doch unbedingt nötig, dass sich MKHler und OrthoptistInnen besser austauschen, davon haben die Betroffenen auf jeden Fall etwas. Außerdem wird doch niemand gezwungen, alles zu lesen.
Grüße
Anna
Hallo, Linus
ich stimme Anna bei, aber die Angesprochenen mögen sich ruhig melden.
Nun zur Worthülse "Binokulare Vollkorrektion"
Diese Worthülse soll seit Jahren, wenn nicht seit Jahrzehnten abgeschafft werden (med. Tenor). Weil Sie nicht stimmt! Warum bedarf es sonst weiterer Messungen. Das ist die eine Seite.
Richtig ist aber gleichzeitig, und dass kann man schon mindestens genau so lange nachlesen, dass dieser Ausdruck "Binokulare Vollkorrektion",
- sich auf den Zeitpunkt der Ermittlung der Korrektionswerte bezieht. Diese ist vorallem anfangs nicht unbedingt und immer langzeitstabil.
- sich grundsätzlich erstmal nur auf die von der MKH erfassten zentralen Bereiche des Sehens bezieht.
- Nur gültig ist, wenn nach der Mess- und Korrektionsmethodik von Hans-Joachim Haase vorgegangen wurde, und(!) am Valenztest "Sehgleichgewicht in der Ferne und Nähe" erzielt werden konnte.
- Messungen, die dies "noch" nicht erreichen konnten, können nur als "Methodik" unter dem Ansinnen weiterer Korrektionsschritte das Ziel der "Binokularen Vollkorrektion" verfolgen.
Hier macht der Name aber gerade deshalb Sinn, da alle übrigen bekannten Messverfahren ein solches Ziel "nicht(!)" verfolgen, ja teilweise sogar für unerreichbar einstufen. Die MKH und damit die Korrektionsmessung der Winkelfehlsichtigkeit haben physikalisch, optisch, technisch immer das Ziel, den "vollen" Korrektionsmesswert, des ermittelten Fehlbetrages in die Korrektion selbst umzusetzen. Auch dieses Ansinnen, wird von allen anders ermittelten Werten nicht erwartet. Hier dominieren grundsätzlich Teilumsetzungen der gefundenen Messwerte. In der MKH sind Teilumsetzungen nur erlaubt bei ganz bestimmten (motorischen) Anteilen einer Störung. Man würde so auch willkürlich die Richtlinien der MKH verlassen und arbeitet ohne deren gesicherte Basis.
In diesem Zusammenhang bleibt das Ansinnen der MKH mit der "Binokularen Vollkorrektion" eben keine Worthülse, sondern angestrebtes Endziel für Sehen. Wenn keine krankhaften Veränderungen bestehen, sollte dieses Endziel auch erreichbar sein.
"Sensorik und Fusion" sind auch bei idealer binokularer Vollkorrektion ständig gefordert (richtig), aber unter nicht idealen Zuständen teilweise sogar massiv belastet und manchmal überfordert. Überforderungen und die körpereigenen Reaktionen darauf müssen nicht "krankhaft" sein. Manchmal ähneln sie krankhaften Befunden nur (Aber das ist ein anderes Thema, und sicher ein Grenzgebiet). Jedoch wäre dies für Orthoptistinnen nicht uninteressant, da bin ich sicher.
So, nun melde ich mich mal wieder zu Wort. Ich finde Eure fachliche Diskussion sehr interessant, verfolge sie ständig, kann aber auf manchen Stecken (Fachbegriffe) nicht ganz folgen. Was ich aber daran sehe ist, dass es viele Ansichten und Meinungen zu dem Thema gibt und es mir äußerst schwieg erscheint jemanden zu finden, der einen optimal einstellt. Es ist also ähnlich wie in anderen med. Bereichen oder in der Rechtsprechung (z.B. 4 Ärzte 3 Meinungen)
Zwischenzeitlich komme ich, da ich meine Brille nur nach Bedarf aufsetze, z.B. im Büro, beim Autofahren, manchmal den ganzen Tag, recht gut zurecht.
Ich halte Euch weiter auf dem Laufenden.
Viele Grüße Lisa
PS ich finde es übrigens gut, wenn sich Gleichgesinnte also auch Fachleute untereinander in dem Forum äußern. Für uns Leser wird’s dadurch nicht langweilig, sondern interessanter, da es mehrer Meinungen gibt.
Hallo Lisa,es freut mich, daß Du eine Variante gefunden hast, mit der Du gut zurecht kommst.
Lisa und Anna,
Danke für die Rückmeldungen bzgl. meiner Frage, ob fachliche Diskussionen auch interessant für Betroffene sind.
Ich werde mich bemühen, mich verständlich auszudrücken, und so wenig wie möglich in "Fachchinesisch" abschweifen.
Herr Mosch,danke für Ihre Ausführungen zur "Binokularen Vollkorrektion", tja, da scheiden sich wohl unsere Geister.
Ich selbst habe viele Patienten untersucht, die ein latentes Schielen/Heterophorie haben, jedoch keinen Prismenausgleich brauchen, weil sie keine Beschwerden haben, weil ihre physiologischen (natürlichen) Ausgleichsmechanismen wunderbar funktionieren.
Zu Ihrem Satz "Überforderungen und körpereigene Reaktionen darauf müssen nicht krankhaft sein." würde mich interessieren, wie sich für Sie "Überforderungen und körpereigenen Reaktionen" zeigen.
Gruß Linus
Hallo, Linus
ob man das alles so schreiben sollte?
Aber wenn wir davon ausgehen, dass hier "zusätzliche Energien" verbraten werden, können "diese als Dauerstressfaktoren" überall im Körper an Stellen Befindlichkeiten verstärken oder zusätzliche Belastungen auslösen, vielleicht sogar langfristig "chronische Reaktionen" hervorrufen, die individuelle als Schwachstellen erkennbar sind.
So können Psyche, Migräne, Kreislauf, Magen-Darm, letztlich "alle" Körperbereiche betroffen reagieren. Das dies Praxis ist, erlebt man, wenn WF konsequent korrigiert wird und sich alte Beschwerdebilder auflösen.
Jedenfalls warne ich vor einem Umkehrschluß!
Hallo Linus,
als Betroffener kann ich mit Fug und Recht behaupten, dass es asthenopische Beschwerdebilder gibt. Asthenopie ist kein Fremdwort für Menschen mit dekompensierter /-sierender Heterophorie. Außerdem soll es welche geben, die dilettieren und in Fachbüchern lesen...ich wurde von einem solchen animiert, dem nachzueifern (was ich im Nachhinein nicht bereue).
Der "Patient" kann allerdings nur die Beschwerden schildern, der Adressat (Arzt, Orthoptist) sollte dann schon selber befunden dürfen, dass sehe ich aus der Warte ganz genauso. BTW ist nicht selten zu beobachten, dass Anwender der MKH selbst betroffen sind (Familie oder in Personalunion), und es muss nicht ein Optometrist sein, nicht unbedingt...
Jetzt zu den Dauerstressfaktoren. Warum sollte jemandem eine Prismenversorgung und eine darauf folgende Schieloperation verwehrt werden, wenn er über die bekannten Beschwerdebilder klagt und nicht einwandfrei die dekompensierte/ -sierende Heterophorie ausgeschlossen werden kann!!!? Einen Versuch ist es allemal wert.
In der Medizin gibt es genügend Heil- und Hilfsmittel, um den geliebten Terminus mal wieder zu gebrauchen, die Kompensationsmechanismen bemühen. Bei mir hat sich beispielsweise vor drei Monaten ergeben, dass ich eine leicht- bis mittelgradige Schwerhörigkeit besitze. In meinem Fall bringen nur Hörgeräte Abhilfe. Ich habe dabei die Wahl, auf diese zu verzichten, dann teilweise nichts zu verstehen, aber schlimmer, mein Gehör ständig zu überanstrengen (muss also andauernd die Ohren spitzen) und zudem noch lärmempfindlich zu sein, weil ich einige Frequenzen noch recht gut wahrnehme und mir diese Bereiche dann unangenehm laut vorkommen. Um den Kreis zu schließen ähnlich wie mir die Prismenbrille hilft, dass mein Gehirn weniger leisten muss, um die Bilder meiner Augen zu verarbeiten, so muss es weniger tun, um das Gehörte zu analysieren. Der Effekt ist bei beiden Dingen ähnlich erst muss man sich an die neue Wahrnehmung gewöhnen, irgendwann ist man auf das Hilfsmittel angewiesen, obwohl sich objektive Messwerte nicht veränderten.
Ich hoffe, das Bild war einigermaßen einleuchtend, warum Prismen im Zweifel eher probiert als abgelehnt werden sollten, bei Interesse schreibe ich gerne privat ausführlicher.
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Grüße
Ralf
Linus,
ZitatOriginal erstellt von Linus
Da haben wir (MKHler - Orthoptistinnen) wohl unterschiedliche Ansichten und Erfahrungen. Vielleicht haben wir auch unterschiedliches Kunden-/Patientengut?
mich würde mal Interessen, ob du jemals erfahren hast, was Stereosehen bedeutet?! Losgelöst vom erlernten und reproduzierten "Wissen".
Weißt du, wie geil dreidimensionales Sehen ist? Dann vergisst du alles, was in deiner Ausbildung erzählt wurde.
Viel Spaß wünscht dir Ralf, der schonmal eine Orthoptistin zum Staunen brachte, wie plastisch er sehen kann (weil er den kleinen Hampelmann vor dem Maddox-Kreuz tatsächlich DAVOR und nicht darauf wahrnahm mit seiner "verbotenen" Prismenbrille
).
Hallo!
ZitatOriginal erstellt von Paul-Gerhard Mosch
Die meisten "korrektionsrichtigen Gläser" machen dagegen süchtig auf Brillentragen, warum wohl?
Dem kann ich nur zustimmen!
Ich trage erst seit 12 Stunden eine Prismenbrille, aber ich will sie nicht mehr weggeben!!!
Dabei sind erst 11 Dioptrien der bisher meßbaren 20 Dioptrien korrigiert!!!
Seit Jahren sehe ich das erste Mal wieder räumlich!!!! Ich laufe durch die Gegend und komme mir vor wie in einem riesigen Kinosaal mit 3D-Animation! Davon will ich mehr!!!
Klar haben die Prismengläser noch "Nebenwirkungen". Aber das liegt ja wohl eher an meinen Augen, die sich nun erst wieder daran gewöhnen müssen, daß das Sehen nicht mehr so kräftezehrend sein muß, wie bisher. Und ich merke, daß die anfänglichen Probleme (Dellen im Boden) von Stunde zu Stunde weniger werden!!! Und der Kopfdruck läßt schon nach!!!
Diese Diskussion habe ich bisher mit großem Interesse verfolgt. Wenn mir auch manche Kürzel und Fachbegriffe nichts sagen... (wo kann man die nachschlagen???)
Es mag sein, daß Vieles vom Kopf her kompensiert werden kann. Aber manchmal zeigen sich Beschwerden infolge der Fehlstellung der Augen (weil was anderes ist ja ein Winkelfehlsichtigkeit nicht, nur das der Körper es ausgleichen kann!)eben nicht klar und deutlich.
Bei mir hat es nun geschlagene 20 Jahre gedauert, mit zig Besuchen bei Ärzten aller Fachrichtungen, zig Brillen von ebenso vielen Optikern und Ärzten, bis ich endlich die Ursache meiner Kopfschmerzen, meiner Lichtempfindlichkeit, meiner Konzentrationsschwäche, des unscharfen Sehens, zeitweilig mit Doppelbildern etc, herausgefunden habe! Selbst bei meinem engsten Umkreis würde ich bis heute als beschwerdefrei gelten, denn nur die wenigstens können sich diese Symptome vorstellen!!!
Ich bin jedenfalls froh, nun den Optiker gefunden zu haben, der mir mittels MKH helfen konnte/kann!!!
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Grüße Kebro
Hallo Kebro,
schön, von Dir zu lesen. Das bestärkt uns MKH-ler in unserem Tun.
Weiterhin viel Freude mit dem neuen Sehen.
Viele Grüße
Eberhard
Hallo Herr Mosch,
daß sich auch massive asthenopische und andere Beschwerden auflösen, nachdem eine entsprechende Brille und/oder prismatische Korrektur getragen wird, habe ich bei meinen Patienten auch schon erleben dürfen! Und das ist eine schöne Erfahrung.
Ich kenne allerdings auch Fälle, bei denen hinter asthenopischen Beschwerden eine beginnende Augenmuskellähmung (wegen eines TUs, Durchblutungsstörungen, usw.) oder eine Schilddrüsenfehlfunktion steckten; hier können Prismen leider nur ein kleines Hilfsmittel sein, die Grunderkrankungen müssen gefunden und enstprechend medizinisch behandelt werden. Da sind wir sicher einig.
Hallo Ralf,
es scheint als hätten meine Ausführungen bei Dir einen anderen Eindruck hinterlassen als ich eigentlich bei den Mitlesern erreichen wollte. Mein Fehler.
Zur Richtigstellung
- das Bild "Asthenopie" mit all den unterschiedlichen Beschwerdeformen ist mir bekannt, und daß latentes Schielen und/oder latente Weitsichtigkeit sowie zu sehr belastete Ausgleichsmechanismen Asthenopie hervorrufen können selbstverständlich auch.
Ich habe nie behauptet, daß es asthenopische Beschwerden nicht gibt.
- Ich würde keinem Patienten indizierte Prismen oder eine notwendige Schieloperation verwehren. Im Gegenteil!
- Ich weiß, was Stereosehen bedeutet, in Theorie und Praxis (bin Orthoptistin und habe hervorragendes Räumliches Sehen).
Hallo Kebro,
herzlichen Glückwunsch zur gelungenen Prismenbrille!
Ich habe auch schon Menschen mit einfachen Prismen "glücklich" machen können, bei denen bei verschiedenen Untersuchungen / Ärzten / Optikern das Ursprungsproblem nicht erkannt worden war. Es ist schon traurig, daß Betroffene manchmal einen so langen Leidensweg hinter sich bringen müssen.
Medizinische Fachbegriffe kann man im Pschyrembel oder einem anderen medizinischen Wörterbuch nachschlagen (finde ich immer ganz interessant, allerdings kommt man vom Hölzchen aufs Stöckchen).
Grüße an alle
Linus
Hallo, Linus
da hast Du natürlich recht. Es macht aber auch Sinn bei erkannter und behandelter Grunderkrankung an den Symtomen (Sehstörung) stabilisierend mitwirken zu können.