So, da bin ich wieder.
Heute waren wir wieder in der Sehschule, dort findet man folgendes heraus:
Visus Ferne: LA 0,6, RA 0,8 mit LEA-Einzeloptotypen
Visus Nähe: eine Visusstufe unter den Werten für die Ferne (bin nicht ganz sicher, sind das dann: LA 0,5 und RA 0,6) mit Reihenoptotypen
APCT cc: Ferne und Nähe: + 20 cm/m (sind das zwischen 11 und 12 Grad??)
Beim Bagolini-Test machte Filius keine Angaben.
Titmusfliege: positiv
Fixation wurde nicht geprüft, den AA haben wir auch nicht gesehen.
Im Nachgang: die Titmusfliege wurde mit vorgehaltenem Prisma geprüft.
Jedenfalls bin ich nun etwas beruhigter, was den Visus betrifft. Das war beim letzten Test doch alles etwas sparsam, was geprüft wurde. Leider muss man oft hinterherrennen und diskutieren.
LG Kugelblitz
Hallo,
ich möchte an dieser Stelle mich für die Unterstütung und Ratschläge bedanken, die letztlich dazu führten, dass wir nun auf der richtigen Spur sind.
Mittlerweile hat sich der Visus beidseits auf 1,0 gesteigert, so dass die Okklusionszeit langsam reduziert werden kann. Ferner wurde Binokularsehen festgestellt, zwar labil, aber es ist vorhanden. Ebenso eine zentrale Fixation.
Vermutlich wird er eine Bifokalbrille brauchen, da auch ein Konvergenzexzess vorliegt (wozu mir auch 100 bunte neue Fragen einfallen
, von denen ich sicher einige irgendwann mal stellen werde.
Also, vielen Dank an Eberhard, Kerstin, AgnesMaria und alle anderen, die mit ihren Beiträgen Licht ins Dunkel brachten.
Wirklich ein tolles und kompetentes Forum, indem sich auch Stöbern per Suchfunktion lohnt.
LG Kugelblitz
Hallo Kugelblitz,
Mensch, ich freue mich für Euch! Das sind ja beste Voraussetzungen, um das Binokularsehen weiterauszubauen!
Wirklich toll!
LG und weiterhin viel Erfolg
Helene
Tja, warum keine Fixation geprüft wurde? Das ist ein sehr wichtiges Kriterium. Aber es sieht ja wirklich gut aus. Jetzt sollte man an die Binokularfunktionen denken. Ebenfalls sehr, sehr wichtig.
Denke an einen 16- jährigen Jungen, der vor 10 Jahren das letze Mal bei mir war. Damals war das Schielen nur zeitweise und mit Prismenkorrektion von 20 cm/m hatten wir Superbinokularsehen. Jetzt ist der Junge depressiv, suizidgefährdet, schielt ständig mit Doppelbildern, hat eine ausgeprägte Legasthenie und kaum noch Binokularsehen. Hier habe ich eine Ankorrektion vornehmen müssen, weil Vollkorrektion zur ständigen Diplopie führte. Vertane Jahre für das Kind. Es ist wirklich in den Brunnen gefallen und wir müssen nun sehen, wie wir ihm da raushelfen.
Deswegen: Je eher man da rangeht, desto besser für das Kind.
A.M.
Hallo AgnesMaria,
ja, wir sind nun wirklich guter Dinge, dass, auf der jetzigen Situation aufbauend, für die optimale Therapie und Versorgung unseres Kindes gesorgt wird. Dafür sind wir sehr dankbar, denn wir wollen nicht, dass unser Kind in eine solche seelische und körperliche Notlage gerät, wie der von Ihnen beschriebene Junge.
Wir hoffen einfach, dass noch nicht zuviel Zeit verloren gegangen ist, um ein Binokularsehen - welcher Qualität auch immer - wiederherzustellen und nun die richtigen Therapien greifen. Wir sind nun gespannt auf die nächste Refraktionsbestimmung und die weitergehenden Untersuchungen, welche in unserem Fall erforderlich sind. Und natürlich die Ergebnisse.
LG Kugelblitz
Hm,
jetzt schiessen mir doch noch Fragen zum Konvergenzexzess und Bifokalbrille durch den Kopf. Bei meinem Sohn wurde auch ein dezenter Surso diagnostiziert. Wird dieser auch mittels Bifokalbrille behoben oder helfen dort nur Prismen?
Vielleicht kann mir jemand dazu Auskunft geben.
LG Kugelblitz
Liebe Kugelblitz,
Da helfen weder Prismen noch die Bifokalbrille wirklich. Sollte der dezente Surso in Primärposition vorhanden sein, dann jedoch sind Prismen sinnvoll. Man muss das sehr genau ausmessen. Die Addition unterbindet bei Schielern den Konvergenzexzeß in der Nähe, damit dort der Schielwinkel nicht größer ist als bei Geradeausblick. Den Rest macht die Prismenversorgung. Dann sollte sich das Binokularsehen stabilisieren und verbessern. Ziel ist ja der Aufbau eines guten Binokularsehens und Verhinderung der Ausbildung einer Amblyopie bzw. Wiederabgleiten in eine Amblyopie.
LG
A.M.
Hallo AgnesMaria,
also muss ich mich noch bis zum nächsten Termin gedulden. Kann die Untersuchung bzgl. Surso auch im Rahmen einer Refraktionbestimmung in Zyklo erfolgen, da sind doch alle Augenmuskeln gelähmt? Oder geht man schrittweise vor? Bei der Primärposition handelt es sich um den Blick geradeaus?
LG Kugelblitz
Liebe Kugelblitz,
in Zykloplegie ist nur der Ziliarmuskel gelähmt. Nicht die äußeren Augenmuskeln. Man muss hier also schrittweise vorgehen. Primärposition ist Geradeausblick.
LG
A.M.
Liebe AgnesMaria,
vielen Dank für Ihre hilfreichen Antworten. Ich muss das erstmal sacken lassen.
LG Kugelblitz
Hallo,
und wieder neue Fragen. Wie wird denn der hypoakkommodative Konvergenzexzess vom hyperkinetischen abgegrenzt? Wie werden die häufigen Mischformen mit nichtakkommodativen Anteilen festgestellt. Geht das bei so kleinen Kindern überhaupt?
Sorry, für die vielen Fragen, aber ich möchte einfach nur verstehen.Viele Fragen fallen einem manchmal erst nach dem Termin beim Arzt ein.
LG Kugelblitz
Hallo AgnesMaria,
vielen lieben Dank für Ihre ausführliche Auskunft. Diese hilft mir auf jeden Fall ein gutes Stück weiter. Alles andere bleibt dann abzuwarten bis der Filius die Bifokalbrille auf der Nase hat.
Liebe Grüsse Kugelblitz
Hallo zusammen,
zum Thema Konvergenzexzess tauchen bei mir neue Fragen auf.
Ist dieser (abhängig vom Typ) eigentlich heilbar im Sinne von "er verwächst sich" mit zunehmendem Alter des Kindes?
LG Kugelblitz
Lieber Schack,
erstens besteht bei Säuglingen nach der Geburt bis zum ca. 3 Lebensmonat kein Binokularsehen. Wenn man so will, schielen alle Kinder nach der Geburt. 
Alternierer haben keine Binokularphasen, sonst würden sie ja nicht alternieren. 
Was soll bitte Visualtraining bei einer Mikroesotropie bringen?
Da das Kind erst 3 Jahre ist kann man, wenn der Schielwinkel exakt auskorrigiert wird, noch mit der Entwicklung von Binokularsehen rechnen. Ganz sicher sogar. Ob das aber rein Subnormal sein wird steht in den Sternen.
LG
A.M.
Nein !!!
Hallo AgnesMaria,
danke für die Antwort. Kurz, knapp, präzise. Ich dachte mir es schon, aber die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt.
Was den hyperkinetischen KE betrifft, kann ja eventuell je nach Verlauf zumindest der Nahteil abgeschwächt werden. Klammern wir uns mal daran, falls dieser vorliegt.
LG Kugelblitz
Liebe Kugelblitz,
man unterteilt den Konvergenzexzeß in einen nichtakkommodativen, einen normakkommodativen (hyperkinetischen) und hypoakkommodativen Konvergenzexzeß.
Beim nichtakkommodativen Konvergenzexzeß ist das Schielen rein motorisch und nicht durch Akkommodation bedingt. Hier hilft nur eine Faden-OP nach Cüppers. Beim normakkommodativen Konvergenzexzeß besteht normale Akkommodationsbreite aber erhöhte Konvergenz. Der AC/A Quotient ist erhöht. Hier therapiert man mit Bifokalbrillen und eventeuell mit einer Faden-OP nach Cüppers. Beim hypoakkommodativen Konvergenzexzeß besteht zu geringe Akkommodation und daraus resultierend als Ausgleich eine erhöhte Konvergenz. Auch hier ist der AC/A Quotient erhöht. Hier geht man auf jeden Fall mit Bifokalbrillen vor. Das Mittel der Wahl. Deswegen muß auch bei jeder Diagnostik von Strabismus die Akkommodationsbreite gemessen werden. Was aber wiederum, mal eng gesehen, keine Kassenleistung ist. Man schlägt sich an den Kopf. Aber so ist das.
Mischformen erkennt man auf jeden Fall nach Verordnung von Bifokalbrillen. Dann muss man mit der Stärke der Brillenverordnung und der Addition etwas spielen.
Hallo,nun stellen sich mir doch Fragen zur Bifokalbrille. Mittlerweile habe ich mich dahingegen informiert, dass Franklingläser bildsprungfrei gefertigt werden können. Für mich stellt sich die Frage, was bei einem Konvergenzexzess therapeutisch sinnvoll ist bzw. ein Bildsprung gewollt oder notwendig ist. Entsteht der Bildsprung bei Gläsern mit Trennlinie oder bei eingeschmolzenem Nahteil? Ist eigenlich eine Frage für den Bereich Brillenoptik.
Und wielange dauert die Eingewöhnung? Gibt es da Erfahrungswerte?
Was passiert, wenn mit der Bifokalbrille kein annähernder Parallelstand für Nähe und Ferne erreicht wird? Ist dann über eine OP nachzudenken, wenn es sich um einen normakkomod. KE handelt?
Für Erklärungen oder Erfahrungen wäre ich sehr dankbar.
Viele Grüsse Kugelblitz
Liebe Kugelblitz,
man verordnet in der Regel Excelit AS 40 von Rodenstock. Ob hier noch Standardgläser geliefert werden können weiß ich nicht. Ich habe keine VK-Listen von den Herstellern vorliegen. Die Gewöhnung geht diese Gläser geht sehr schnell bei Kindern. Mit der Addition versucht man die akkommodative Komponente beim Nahsehen zu verringern und den Nahwinkel dem Fernwinkel anzugleichen. Bei dem Fernwinkel von 6 Grad? wird man z.Zt. keine Schiel-OP ins Auge fassen.
LG
A.M.
Guten Morgen AgnesMaria,
vielen herzlichen Dank für Ihre Antwort.
Ja, der Winkel für die Ferne liegt um die 8 cm/m (ca. 4-5 Grad). Allerdings liegt auch ein Höhenschielen von ca. 3cm/m (ca. 2 Grad) in der Ferne vor. Kann dies auch mit einer Bifokalbrille positiv beinflußt werden? Vielleicht bin ich auch zu ungeduldig und man geht besser Schritt für Schritt vor und beobachtet die Auswirken jeder einzelnen Maßnahme genau und gönnt den Kinderaugen die Zeit, sich an Neuerungen zu gewöhnen. Als Eltern denkt man allerdings ständig, dass man genau diese Zeit nicht hat...
Es beruhigt mich allerdings, dass Kinder sich wahrscheinlich schneller an diese Brille gewöhnen als man sich das als Erwachsener vorstellen kann. Da macht man sich vielleicht auch einfach zuviel Gedanken.
Liebe Grüße Kugelblitz