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Schielkind,Strabismus consom.convergens

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(@Paul-Gerhard-Mosch)
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ZitatOriginal erstellt von kerstinb

Zu den horror fusionis
Mir ist dieses Krankheitsbild vor allem bei Patienten begegnet, die ein angeborenes Schielen oder einen Mikrostrabismus mit einer Sehschwäche hatten.

Das stimmt mit unseren Erfahrungen durchaus überein. Und ich kann es gerne bestätigen.

ZitatOriginal erstellt von kerstinb

Allerdings können, wie auch schon von Ulrike beschrieben, horror fusionis ggfs. auch durch Prismen entstehen, wenn man die Exklusionszone der Patienten durcheinanderbringt
(Die Methode der pleoptischen Übungen zum Lösen der Supression gilt als überholt und macht man schon seit den 60er Jahren nicht mehr).

Gerade in der MKH wird der Abbau von Exclusionen und Supressionen seit Ende der 50-er Jahre beschrieben und praktiziert. Die Folgen von hierdurch ausgelöstem Horror fusionis ist als äußerst gering einzustufen und in mir persönlich bekannt gewordenen Fällen sogar immer reversible gewesen. Fast immer waren grobe Fehler in der Handhabung, im Gebrauch bzw. im Ablauf auszumachen.

Der erste Fall war eine Prismenkundin mit Amblyopie links und acht Höhenprismen. (Der Visus war innerhalb eines Jahres von 0.3 auf 0.5 angestiegen.) Jahre später rief mich ein Kollege an, und fragte nach meinen Werten damals. Die mittlerweile junge Frau hatte seit etlichen Jahren beständig Doppelbilder.

Wie sich später herausstellte, war die Kundin über einen AA an eine neue Brille ohne Prismen gelangt. Innerhalb von ca. 6 Monaten hatte sich der Horror Fusionis (Doppelbild) festgesetzt und war über etliche Jahre von keiner Stelle behoben worden. Später zog die Kundin beruflich um, und erzählte einem siebzig km entfernt lebenden Kollegen, dass Sie früher mit einer Brille von mir am Besten gesehen hätte, mit Prismen aber ohne Doppelbilder. Der rief mich an. Das Ende vom Lied war, nach mehreren Schritten über Prismenfolien kam ich fast exact auf die alte Stärke zurück. Das zweite Bild schwebte zwar immer noch, wie ein Schatten, jeweils vor dem Bild des visusstärkeren Auges. Ich wagte zuletzt nach einem 3/4 Jahr eine Brille mit prismatischen Wirkungen anzufertigen. Die Kundin setzte die Brille auf, das Schattenbild war von Stund an weg. Ich war darüber damals sehr dankbar, das dürft Ihr mir glauben. In einem zweiten aktuelleren Fall schafft es Dr. Wulff über getönte Gläser (40%) meiner Kundin, die auch schon Jahre über diese Probleme klagte mit häufigem Korrektionswechsel, dieses Phänomen zu stoppen. Jetzt wird aktuell die Tönung reduzíert, ich hoffe auf weiter bleibenden Erfolg. Diesen Fall hatte ich nach der Vorstellung des Problems direkt Dr. Wulff zugeleitet. Bei zwei weiteren Fällen verschwand der diagnostizierte Horror fusionis schon mit bester prismatischer Wirkung in der Korrektionsbrille. Es war wohl gar keiner.

Gerade was unwahrscheinlich ist, sollte mit Akribie verfolgt werden, wenn Hoffung auf Erfolg besteht. Ich sage nochmal, dass es mir vorerst reicht, wenn Simultansehen "ohne" Stereopsis erreicht werden kann. Später wird man dann weiter sehen. Im vorliegenden Fall dürfte der Visus von beiderseits 0.8 schon ausreichend sein, die mögliche Gefahr eines Horror fusionis zu eliminieren.

Übrigens trägt die erstgenannte Kundin mittlerweile schon wieder keine Prismen mehr (Sie sagt wegen der Kosten und der Entfernung Ihres Wohnsitzes zu mir). Das Problem trat bislang aber nicht wieder auf. Sie würde sich sonst melden.


 
Veröffentlicht : 21.01.2004 21:05
(@Arwen24)
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Lieber Herr Mosch!

Da muss ich natürlich auch mit einem Gegenbeispiel kommen Ein Visus von 0,8 bds. verhindert doch keinen horror fusionis - oder hab ich das hier falsch verstanden! Viel mehr ist die Gefahr umso größer, wenn der Visus auf beiden Augen so gut ist - bei einem hochamblyopen Auge mit Visus 0,3 oder weniger ist die Gefahr deutlich geringer.

Und bezüglich des Simultansehens, das Ihnen genügt genau hier ist der Punkt, an dem sich die Orthoptistinnen und die MKHler streiten und um den es ja wohl eigentlich geht. Ein Mikrostrabismus hat Binocularsehen auf subnormaler Basis, er hat Simultansehen und würde somit auch von einem MKHler mit Prismen behandelt werden. Nur genau diese patienten stellen den Winkel nach, eine Weile lang, aber dann, wenn sie ganz aus der Exclusionszone herausgerissen werden, beginnen sie doppelt zu sehen - und der Horror fusionis oder eine mögliche OP sind dann nicht mehr weit entfernt.

Bezüglich Prismen Es ist nicht wahr, dass wir keine Prismen verordnen oder uns zu sehr damit zurückhaltne. Ich verordne sehr oft Prismen, aber immer vorher Folien, weil ich - im Gegensatz zu jenen, die an der MKh Geld verdienen - an die Brieftasche des patienten denke und für ihn die kostengünstigste Variante aussuche. Denn bei allem Diskutieren sollte man wohl auch nicht übersehen, wer an den Prismenbrillen verdient und das ist in der freien Wirtschaft ein nicht unwesentlicher Faktor! Und weiters wenn ich Prismen bei einem Schielkind verordne würde ich niemals auf den Gedanken kommen, diese vor das Schielauge zu setzen - die Okklusionstherapie ist mir nämlich nicht ganz fremd und die positive Nebenwirkung einer stärkeren Folie als zusätzliche Vernebelung ebenfalls nicht.

Ich freue mich, dass sich nun auch eine zweite orthoptistin registrieren lassen hat - damit wird das Verhältnis hier wieder etwas angeglichen.

Ulrike


 
Veröffentlicht : 21.01.2004 22:47
(@Paul-Gerhard-Mosch)
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Hallo, Ulrike

dieses Thema ist sicher fachlich äußerst interessant und auch sehr wichtig.

Allerdings sollte der Laie dadurch nicht übergangen werden.

Meines Wissens gibt es nicht den(!) "Microstrabissmus".

2002 hielt ein profunder Facharzt und Kenner der "Lang'schen Definition von Mikrostrabissmus" auf der IVBV Tagung in Lahnstein den Vortrag Der Microstrabismus nach J.Lang im Lichte der MKH.

Seine These kurz zusammengefasst
Wenn es den Microstrabismus in reiner Form (definitionsgemäß) gäbe, wäre er sicher nicht korrigierbar.
Selbst Lang habe aber etliche Unterarten genannt und gekannt für die diese reine Definition nicht zutrifft, und die bei genauerer Betrachtung den FD-2 Arten der MKH in weiten Bereichen zu entsprechen scheinen. Seiner pikanten Frage "Ob es sich hier nicht um deckungsgleiche Zustände handeln könnte, ging er in dem Vortrag nach.
Im Falle des Microstrabismus dominiert die Aussage "nicht korrektionsfähig, Versuch aber ist erlaubt"; im Falle der FD-2 Unterarten heißt es, "Korrektion erschwert, aber durchaus erstrebenswert und in vielen Fällen sehr sinnvoll".

Was wäre z.B., wenn meine eigene gemachte "Einzel"-erfahrung bei Horror fusionis über die Prismenfolie, denselben Horror fusionis festhält, diesen über das klarere Glas überraschender Weise abbaut hat, häufiger zutrifft. Ob Ihr Argument dann noch den gleichen trifft, Optiker wollen nur verdienen, oder ob man sich mit einer solchen Aussage dann nicht selbst ins Abseits gestellt hat.

Wer sich mit komplexen Binokularproblemen befasst, opfert Zeit, Geld und Energie in eine Sache, die nur aus persönlichem Interesse geschultert werden kann, das wird unsere beiden Berufsstände gleichermaßen betreffen. Ihr Vorwurf geht deshalb absolut ins Leere. Prismenfolien könnten sogar deutlich lukrativer sein. (geringerer EK, geringerer Arbeitaufwand, geringere Lagerkosten bzw. Lieferzeiten, geringerer Ausschuß, bis hin zu einer Wiederverwertungsmöglichkeit), dass ist Ihnen doch auch alles bekannt.

Was heißt übrigens, Doppelbilder oder OP? Meinen Sie damit, das Sie Ihren Patienten lieber die Doppelbilder empfehlen wollen, statt eine stabilisierende durch getragene prismatische Werte, überprüfte Korrektur am Augenmuskelsystem? Die gewonnene Sicherheit in der Umsetzung einer OP ist eindeutig jedem Maddox-drei Tage Test, sowie den Prismenfolien 14-Tage Testen weit vorzuziehen. Das wird Ihnen jeder Operateur bestätigen, der Erfahrung mit MKH vorversorgten PatientInnen gemacht hat. Gerade deshalb wenden sich in letzter Zeit einige Fachärzte der Augenheilkunde diesem Gebiet NEU zu.


 
Veröffentlicht : 22.01.2004 22:00
(@Eberhard-Luckas)
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ZitatOriginal erstellt von Ute
Hallo Eberhard,wie wird denn eigentlich die Untersuchung gemacht um festzustellen, ob jemand der an Strabismus "leidet", überhaupt binokular sieht? Ich dachte immer, das wäre die MKH-Methode? Oder habe ich da etwas falsch verstanden ? Freue mich auf deine Antwort.
Liebe Grüsse
Ute

Hallo, Ute

ich muß mich entschuldigen, daß ich nicht früher antworte, aber ich war 4 Tage nicht da.
Wenn jemand unter Strabismus leidet, kann ich keine MKH anwenden. Die Reaktionen des visuellen Systems sind dann ganz eindeutig. Anders sihet es bei einem Microstarbismus aus. Die Untescheidung ist schwierig, aber auch nicht ganz so wichtig, weil auch ein Microstrabismus Anspruch auf Korrektionsversuch hat.

Gruß
Eberhard


 
Veröffentlicht : 22.01.2004 23:43
 Ute
(@Ute)
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Hallo,danke für eure Antworten Paul und Eberhard.
Ich verstehe es aber leider immer noch nicht.
Könnt ihr mir ganz konkret schreiben, wie denn eine Untersuchung aussieht, bei der festgestellt werden soll, ob mein Kind binokular sieht ?? Werden da über längere Zeit Prismen "vorgehalten" oder was wird getan? Kann da den Augen von meiner Tochter tatsächlich nichts passieren?
Vielleicht könnt ihr mir antworten. Danke!
Gruss Ute


 
Veröffentlicht : 23.01.2004 10:27
(@Paul-Gerhard-Mosch)
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Hallo, Ute

bei der Messung auf beidäugige gleichzeitige Bildverarbeitung (Binokularprüfung) kann nichts Nachteiliges passieren. Kurzzeitig hierbei gewollt erzeugte Doppelbilder werden anschließend sehr schnell wieder vom Gehirn in gewohnter Manier abgeschaltet. In der Zwischenzeit wurde durch die Messung abgeklärt, ob eine Fusion möglich ist.

Eine solche Messung sollte i.d.R. vom Facharzt für Augenheilkunde oder von einer orthoptischen Abteilung vorgenommen werden. (Es ergaben sich bei eigenen Überprüfungen gelegentlich aber überraschend andersartige, weil positive Erlebnisse)

Korrekt ist, dass "Schielen" als Krankheit definiert ist. Bei "Krankheit" ist der Augenoptiker nicht zuständig.

In der Praxis ergeben sich Überschneidungen. So handle ich nach den Richtlinien meines Berufes, wenn feststeht, dass die Bilder beider Augen fusioniert werden und eine Verschmelzung beider Seheindrücke erfolgt. Dies ist das gesuchte Ziel einer solchen Sondermessung.

Als spezialisierter Augenoptiker, arbeite ich in enger Zusammenarbeit mit Fachärzten der Augenheilkunde. Eine solche Messung führe ich als "Versuch" selbsttätig durch. Weitere Schritte können erst vom Ergebnis dieser Messung abhängig gemacht werden.
Neben dem Wissen in der Anwendung der MKH, konnte ich mir hierzu in diesem Grenzbereich spezielles Wissen aneignen. Das mir zur Verfügung stehende Zeitfenster bei einer solchen Messung ist ein echtes Plus. Wenn ein Facharzt für Augenheilkunde ein positives Ergebnis bestätigen kann und die erforderliche Massnahme anschließend durch eine Verordnung entgültig einleitet, hat man die Bestätigung, das Richtige für sich bzw. sein Kind unternommen zu haben.

Die hier debattierten Fragen des "Horror fusionis" können sehr wohl ausgeschlossen werden. Diese sind leider eher eine Folge von Schiel-Ops' im kritischen Bereich, eine Folge von Schlaganfällen mit einhergehenden Doppelbildseheindrücken, die nicht oder schlecht versorgt wurden. Ebenso kann es, wie im oben geschilderten Fall auch zu Doppelbildern kommen, die aus einem falsch eingeleitetem Rückbau von prismatischen Werten resultiert. Dies aber sollte nicht passieren und müßte darüber hinaus, wenn vorher sauber nach MKH korrigiert wurde, zurückführbar sein. Gerade bei schweren binokularen Störungen muss grundsätzlich der Einfluss einer Korrektion sowohl in der Ferne, als auch in der Nähe kontrolliert werden.

Jedenfalls wird dann kein Horror fusionis entstehen können, wenn in Ferne und(!) Nähe unter der Prismenkorrektion besseres beidäugiges Sehen einsetzt. Nicht selten wurden zeitweilige Doppelbilder (z.B. bei Dämmerung/Nacht) erfasst und dann durch die Korrektion behoben. Klar ist, dass ein solcher Messversuch nie mit dem Anspruch auf Beseitigung des Schielens aufwarten kann.

Dieser Grenzbereich wird nicht durch eine übliche Messung nach MKH abgedeckt. Die MKH-Messung sucht ja die Bildlagen bei schon bestehendem Binokularsehen zu optimieren.

3. Update


 
Veröffentlicht : 23.01.2004 15:55
 Ute
(@Ute)
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Hallo Arwen24 (Ulrike),was macht dich so sicher, dass bei meiner Tochter nicht doch ein beidseitiges Sehen angelegt ist ? Warum soll nicht doch etwas dasein, was doch eine Untersuchung bei einem fähigen Augenoptiker bestätigen kann? Darf ich fragen, was du für eine Ausbildung hast ?
Gruss
Ute


 
Veröffentlicht : 28.01.2004 19:44
 Ute
(@Ute)
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Themenersteller
 

Hallo Paul und Eberhard,danke für eure Antworten.Melde mich Mitte Februar wieder mit evtl. neuen Erkenntnissen.
Gruss
Ute


 
Veröffentlicht : 28.01.2004 19:47
(@Paul-Gerhard-Mosch)
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Hallo, Ute

das freut mich jedenfalls von Dir zu hören. Evtl. rufst Du mich nochmal an, da ich im Forum nicht weiter ins Detail gehen kann.

Paul-Gerhard


 
Veröffentlicht : 29.01.2004 20:41
(@Arwen24)
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Hallo Ute!

Gerne antworte ich dir auf die Frage Deine exakte Beschreibung des Verlaufs des Schielens macht mich so sicher, dass kein hochwertiges beidäugiges Sehen möglich ist. Ein grobes beidäugiges Sehen könnte durchaus möglich sein, das erleben wir auch immer wieder bei Kindern mit einem congenitalen Schielsyndrom (dh. einem Schielen von Geburt an).

Woher ich das weiß? Nun, kein Kind wird mit einem Stereosehen geboren, so wie auch kein Kind mit 100% Sehschärfe geboren wird. DAs muss sich erst entwickeln und die Stereopsis ist bei einem Kind mit dem 5. oder 6. LEbensmonat nachweislich entwickelt. Wenn davor ein Schielen einsetzt, dann können die beiden Augen nicht miteinander schauen und das räumliche Sehen kann sich nicht ausbilden. Das ist so, wie wenn man ein Auge verkleben würde - dieses kann das Sehen nicht lernen und bleibt für immer sehschwach, wenn man nicht therapiert. Nur ein sehschwaches Auge kann man trainieren, eine fehlende STereopsis nicht - diese ist entweder angelegt oder nicht. Und nach dieser sensitiven Phase, dh. nach dem 5.-6 Lebensmonat können die neuronalen Verknüpfungen nicht mehr hergestellt werden.

Ulrike (Dipl. Orthoptistin - damit ist die Frage der Ausbildung wohl auch geklärt)


 
Veröffentlicht : 30.01.2004 19:59
(@Paul-Gerhard-Mosch)
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ZitatOriginal erstellt von Arwen24
Hallo Ute!

Gerne antworte ich dir auf die Frage Deine exakte Beschreibung des Verlaufs des Schielens macht mich so sicher, dass kein hochwertiges beidäugiges Sehen möglich ist. Ein grobes beidäugiges Sehen könnte durchaus möglich sein, das erleben wir auch immer wieder bei Kindern mit einem congenitalen Schielsyndrom (dh. einem Schielen von Geburt an).

Ulrike (Dipl. Orthoptistin - damit ist die Frage der Ausbildung wohl auch geklärt)

Genau hier gilt es zu suchen und anzusetzen. Was im Endeffekt erreicht werden kann, ist z.Zt. noch nicht wichtig, sondern man kann es der Zukunft überlassen.

Wenn grobes beidäugiges Sehen bei einem Behandlungsbeginn nach Schiel:wink:elstellung im Alter von oft schon 2-3 Jahren noch diesen Erfolg bei konventioneller Methodik zeitigt, wage ich für Betroffene heute mehr zu hoffen. Wichtig ist es konsequent die Möglichkeiten auszutesten, nur davon wurde eingangs auch geschrieben.

In meinem Kundenkreis existieren Fälle, die medizinisch aufgegeben waren, trotzdem ich mittels Bericht auf ein mögliches anspringen des Binokularsehens hingewiesen hatte. Erst der Auftrag der Eltern zugunsten eines Trageversuches brachte die erhoffte Wendung. In einem Fall sagte der Arzt später bei der Wiedervorstellung zu seiner Orthoptistin "Ja, warum haben wir das eigentlich damals nicht gemacht?"

Genau um diese Frage geht es mir. Mitnichten kann man immer noch etwas verbessern, das ist mir klar. Aber immer wenn hauptsächlich occludiert wurde, entstehen bei mir Fragen. Ute teilte mir mal persönlich mit, dass das Kind eine Kopfzwangsschiefhaltung einnahm, die der Augenarzt durchaus registrierte, allerdings fand er keine Horizontalprismen. Da gingen mir halt einige Kronleuchter auf, Entschuldigung!


 
Veröffentlicht : 30.01.2004 23:14
(@Kerstin-Harms)
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Hallo Paul-Gerhard,

meinst Du wirklich Horizontalprismen? Ich dachte, eine Zwangsschiefhaltung des Kopfes weist auf eine vertikale Abweichung hin?

LG
Kerstin


 
Veröffentlicht : 31.01.2004 17:19
(@Paul-Gerhard-Mosch)
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Genau, Kerstin, Du sagst es, genau das war mein Kronleuchter! Vielleicht wurde nicht in der richtigen Richtung geforscht.


 
Veröffentlicht : 31.01.2004 19:51
(@Arwen24)
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Bzgl Kopfschiefhaltung

Diese kann verschiedenste Ursachen haben. Ist sie okulär bedingt, dann liegt entweder ein vertikaler STrabismus vor, der in der KZWH besser kompensiert werden kann. Dann kann man ev. mit Prismen (wenn gering ausgeprägt) oder mit einer Operation die Abweichung verringern und die KZWH bessern.

ABER liegt eine zyklotropie oder -phorie vor (also eine Verrollung des Auges), dann kann kein Prisma (und sei es auch das beste der WElt) diese Zwangshaltung beeinflussen - denn soweit ich weiß, wurden noch keine rotatorisch wirksamen Prismen erfunden (wenns mal welche gibt, bitte mir sofort zu sagen, denn das würde einige Probleme und Operationen ersparen...)

Beim congenitalen Schielsyndrom besteht oft eine Kopfneigung zum fixierenden auge. Diese Neigung kann wechseln (wenn das Kind alterniert). WArum diese besteht ist immer noch umstritten einige glauben dass es durch eine zyklo bedingt ist, andere dass eine gestörte subjektive visuelle VErtikalität durch den frühen STrabismus besteht... Aber da wird ja noch viel geforscht und in Zukunft kann man sichs vielleicht mal erklären.

Lg, Ulrike


 
Veröffentlicht : 31.01.2004 21:19
(@Kerstin-Harms)
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Hallo Ulrike,

mein Fachwissen ist nur begrenzt. Dennoch möchte ich meine Beobachtungen schildern (ich denke, ich mache hierzu mal demnächst einen eigenen Thread auf)

Ich habe KIDD (bei Kindern heißt es KISS) und eine Winkelfehlsichtigkeit mit leichter vertikaler Abweichung. Was nun zuerst da war, da verhält es sich wohl wie mit Henne oder Ei. Ich bin jedenfalls mittlerweile in Verbindung mit Dr. Biedermann und Dr. Sacher, dies sind Koriphäen auf dem Gebiet KISS / KIDD. Beide kennen auch die Wf-Problematik und wünschen mehr Fachkontakte zu MKH-lern, denn sie sehen da durchaus einen Zusammenhang. Dr. Wulff dagegen ist lt. Aussage einer mit mir in Kontakt stehenden Mutter mit der KISS-Problematik vertraut. Es ist also keine Augenwischerei.

Behandelt man ein Kind (oder einen Erwachsenen) hinsichtlich KISS, kann es passieren, dass die Blockaden immer wieder auftauchen, und man fragt sich, warum. Wird eine bestehende Wf mit vertikaler Abweichung korrigiert, lassen sich seltsamerweise plötzlich auch die Blockaden in den Griff bekommen. Fakt ist, auch bei mir selber ich halte den Kopf ohne Brille immer nach rechts geneigt (s. Moderatorenphoto, da war das Höhenprisma nicht in der Brille drin). Wenn ich vor dem Fernseher auf der Couch auf der li. Seite liege, kann ich eingeblendete Schriftzeilen nicht lesen - auf der re. Seite kann ich es. Meine Blockaden wurden zig-mal behandelt - ohne Erfolg. Zudem habe ich mittlerweile (bin ja auch nicht mehr die Jüngste) Folgeschäden an der Wirbelsäule, hervorgerufen durch Schonhaltungen. Mit der Korrektion halte ich den Kopf endlich gerade!

Der Rest ist bei mir ein langer Weg, bei Kindern kann man viel schneller Erfolge erzielen.

Ich weiß, dies ist nur EINE Betrachtungsweise, aber sie klingt sehr einleuchtend. Und vor allem es wäre so einfach abzuklären, ob eine Doppelproblematik KISS / KIDD und Wf vorliegt, ehe man gleich die ganze Neurologische Diagnostik und Verunsicherung der Eltern auf den Plan ruft. Und wenn die neurologische Diagnostik unauffällig ist, wäre es ein Grund mehr, mal in diese Richtung abzuklopfen. Dies schreibe ich, weil ich mittlerweile fast täglich Post oder Anrufe von Müttern bekomme, deren Kindern erst dann dauerhaft geholfen werden konnte, als Wf UND KISS festgestellt wurden und die Kombination von prismatischer Korrektion und Manualtherapie der HWS erstaunliche Erfolge beim Kind erzielten.

LG und einen schönen Sonntag
Kerstin


 
Veröffentlicht : 01.02.2004 14:01
(@Paul-Gerhard-Mosch)
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Wenn man bei Kopfzwangshaltungen Höhenfehler findet und versucht, während der Messung die Kopfhaltung zu korrigieren, passiert es nicht selten, das nach und nach der anfangs gefundene Richtungswert beibehalten, aber die prismatische Wirkung nicht unerheblich verstärkt werden muss.

Wird ein solches Ergebnis (unbedingt mit entsprechendem Beratungsaufwand, denn es wird anfangs nicht problemlos vertragen) in eine Korrektion übernommen, ergeben sich bessere Haltungen und auf Dauer deutlich günstigere Verhältnisse, nicht nur im SEHEN.

Teilweise wird jedoch in der alten Kopfzwangshaltung eher schlecht gesehen. Deshalb ist ein solches Vorgehen nur in begründeten Einzelfällen und bei entsprechenem Verständnis und Leidensdruck durchführbar.

Der langsame Abbau führt dagegen oft deshalb zu negativen Erfolgen, da die ursprünglich einstudierte Zwangshaltung, oft schon im Knorpel- und Knochensystem tiefe Strukturveränderungen vollzogen hat. In diese rutscht der Körper immer wieder ab. Hier muss man leider mit Teillösungen vorlieb nehmen, die der Träger zumindest zeitweilig begünstigt nutzt. Der Abbruchsfaktor ist gerade hier in der Anfangszeit einer Korrektionsphase höher. Ich bin persönlich davon überzeugt, das nicht "Zyglophorie" selbst, sondern sehr komplexe Nacken- und Augenhaltungsmechanissmen sensorisch die Zyklophorie erzeugen oder auch verstärken werden. Diese muss im beobachtbaren Status nicht immer echter Natur sein. Deshalb könnte auch bei höheren Winkelfehlsichtigkeiten (s.o.) eine vorhergehende Korrektion zur Abklärung der genaueren Verhältnisse sehr entscheidend und damit positiv beitragen.

Evtl. ergeben sich durch Methoden des KISS hier stabilisierende zusätzliche Faktoren. Es wäre zu wünschen.


 
Veröffentlicht : 01.02.2004 15:13
(@Arwen24)
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An Kerstin!

DA ein KIDD oder KISS ganz offensichtlich keine orthoptischen Begriffe sind bitte ich um Erklärung Wofür stehen die Abkürzungen?

An P-G Mosch

Ich denke nicht, dass Nackenmuskeln eine zyklophorie oder tropie erzeugen können. Eine zyklotropie resultiert schlichtweg aus einem Missverhältnis der Augenmuskelstärken. Ist ein Augenmuskel, vor allem einer der schrägen (wie der M. obliquus inferior), zu stark, dann entsteht eine zyklotropie. Infolge dieser Zyklotropie neigt der Patient den Kopf - es entstehen Probleme am NAcken. Dies wiederrum hat eine Veränderung der HWS zur Folge, sodass Patienten, die wegen der okulären KZWH operiert werden oft nachher physiotherapeutische Hilfe brauchen.

Ulrike

(editiert - aus zwei Beiträgen mache einen)


 
Veröffentlicht : 01.02.2004 18:46
(@Paul-Gerhard-Mosch)
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Hallo, Arwen

die von Dir geschilderte Ursache ist auch nur eine Möglichkeit von vielen.
Ich sehe es im sensomotorischen Bereich des Sehens allerdings als Fehler an, alles auf einen oder zwei bestimmte Muskel beziehen zu wollen.

Der Fehler, der dabei gemacht wird, kann bei einem Eingriff zu fatalen Folgen führen. Wird allerdings vorab (wo möglich!) bildlageorientiert korrigiert, lassen sich die verschiedenen Einflüsse i.d.R. besser aufsplitten und dann gezielter (bei einem notwendigen Muskel-Eingriff) angehen. Natürlich haben die Nackenmuskel keinen Einfluss auf die Augenmuskel, wohl aber die nervliche Ansteuerung, die auch Verbindungen zu den oberen Halswirbeln pflegt und vielleicht sogar Blutkreislauf- und Lymphfunktionen, die eindeutig bei Kopfzwangshaltungen behindert arbeiten.

Warum sprach Dr. Wulff mir gegenüber in einigen Fällen von einem sehr sehnigen Muskelgewebe? Später tat der Muskel seine Arbeit wieder besser. Durchblutung hat manchmal überraschend positive Effekte. Wird hier zu früh oder falsch dosiert operiert, ist ein vermeidbarer Fehler vorprogrammiert.

Unter www.kiss-kid.de findest Du gezielte Informationen


 
Veröffentlicht : 01.02.2004 21:03
(@Kerstin-Harms)
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Hallo Ulrike,

KISS = Kopfgelenkinduzierte Symmetriestörung

KIDD = Kopfgelenkinduzierte Dyspraxie und Dysgnosie

Von KISS spricht man bei Säuglingen und Kleinkindern, ab dem Schulalter etwa von KIDD, weil dann nicht mehr nur die obersten Halswirbel betroffen sind, sondern aufgrund der Blockade und Zwangshaltung weitere Blockaden der Wirbelsäule bis ins Becken entstanden sind.

Die Mutter, die mich gestern anrief, war mit ihrem Sohn zunächst bei Dr. Wulff. Er wurde auch operiert (Einleitungs OP bei sehr hohen Prismenwerten). Wegen der Zwangsschiefhaltung war sie letztendlich auch bei Dr. Sacher, der eine Manualtherapie an der HWS durchführte. Das Erstaunliche Die Prismenwerte in der Brille (die er trotzdem wieder brauchte) passten nur plötzlich überhaupt nicht mehr!!! Warum? Weil er den Kopf endlich gerade halten konnte. Ich denke, er hat ihn auch bei der Augenmessung schief gehalten. Aber wer achtet schon darauf, ob der Kopf bei der Messung absolut gerade gehalten wird?! Dr. Wulff scheint sich mittlerweile der Problematik bewusst zu sein, ich werde aber auch noch persönlich Kontakt mit ihm aufnehmen, zumal Dr. Biedermann den definitiv fachlichen Austausch sucht in Sachen KISS / KIDD und Wf.

Gruß
Kerstin


 
Veröffentlicht : 01.02.2004 21:28
(@Arwen24)
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Hallo Kerstin

ZitatOriginal erstellt von Kerstin
Aber wer achtet schon darauf, ob der Kopf bei der Messung absolut gerade gehalten wird?!

(hoffe das funktioniert jetzt mit dem Zitieren) - ich achte darauf, ob der Kopf gerade gehalten wird. Als Orthoptistin würde ich nie einen sChiel:wink:el in KZWH als Operationsindikation zugrundelegen.
Und hier sei der große Vorteil unserer Messmethoden erwähnt Wir können in 9 Blickrichtungen, in Kopfzwangshaltung und entgegen, in Kopfneigung mit Auf- und Abblick messen und entdecken so Inkomitanzen im Winkel, die auf Fehlfunktionen der Muskel hinweisen. Eine Messung mit MKH kann nur in Primärposition erfolgen - ergo sind Fehler vorprogrammiert!

Ulrike


 
Veröffentlicht : 03.02.2004 16:13
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