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Aussage vom AA: WF = Schielen

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(@Kerstin-Harms)
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[#957]

Hallo,

in Anlehnung an den Thread "Augenärzte werden unsachlich" schildere ich Euch meine neueste Erfahrung

Wurde mit meinem Sohn vom Klinikum Itzehoe (die endlich der WF gegenüber aufgeschlossen sind) an einen Richtung HH gelegenen AA verwiesen (Kassenarzt!), der sich mit dem Thema auskennen soll.

Als erstes wurde mein Sohn getropft.....

Die Orthoptistin untersuchte ihn sehr gründlich und bestätigte die Winkelfehlsichtigkeit (sie nannte es, glaube ich, Pathophorie). Lukas hat ein V-förmiges Schielen. D. h., wenn er nach unten schaut, keine Abweichung, Augen in der Mitte, bereits 8 Prismen und wenn er nach oben schaut, 20 Prismen (sie hatte eine Prismenleiste). Sie meint, wenn er nach oben schaut, kann er das linke Auge gar nicht mehr kontrollieren - es wandert nach außen weg. Ich wollte mit ihr mehr über das Thema WF reden (bin ja nicht mehr ganz ahnunglos), da sagte sie, WF und Schielen sind das Gleiche! Daraufhin sagte ich nicht mehr viel. Immerhin, sie sprach sich für eine versuchsweise Prismenkorrektur aus, allerdings will sie nur 4 Prismen mittels Folie und nur auf dem linken Glas geben. Und wehe, das Schielen wird dadurch noch größer!

Dann beim Doc Ich begrüßte ihn freudig und teilte ihm mit, dass ich froh bin, dass er dem Thema WF gegenüber aufgeschlossen ist. Er winkte aber ab und erklärte mir, dies sei ein erfundender Ausdruck der AO! Ich sagte ebenfalls nicht mehr viel, fragte vielmehr, wie es mit Lukas weitergehen soll. Und nun haltet Euch fest

Wenn aus den 4 Prismen wesentlich mehr werden sollten, soll die Therapie abgebrochen werden, um eine OP zu vermeiden, denn ich würde das Kind dann in die OP treiben!!!!! Ich machte dann nochmal einen Anlauf zu erklären, dass ich mir der Folgen bewusst bin, und eine OP nicht scheuen würde, aber auch dieser Arzt will den Status quo des schlechten Sehens meines Sohnes lieber aufrecht erhalten, als dass es zur OP kommt. Ich habe den Eindruck, dass AÄ's mit der Okklusionstherapie und sonstigen Mitteln nur darauf bedacht sind, Schielwinkel zu verkleinern. Dass man ein Schielen auch erst aufdecken muss, um es dann korrekt zu behandeln, scheint nicht das Mittel der Wahl zu sein.

Schade, ich hatte mir mehr erhofft, vor allem, weil dieser Arzt über Kasse abrechnet, aber so ganz im Thema scheint er nicht zu sein. Werde den Termin in Berlin wohl doch wahrnehmen müssen. Und wenn mein Sohn mit der Folie nicht gut sieht, gönne ich ihm ein Prismenglas, so!

So viel aus der norddeutschen Front!

Gruß
Kerstin


 
Veröffentlicht : 23.04.2003 21:08
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(@Paul-Gerhard-Mosch)
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Hallo, Kerstin

ich denke, Du bringst es sehr gut auf den Punkt. Danke!

"Ich habe den Eindruck, dass AÄ's mit der Okklusionstherapie und sonstigen Mitteln nur darauf bedacht sind, Schiel:wink:el zu verkleinern. Dass man ein Schielen auch erst aufdecken muss, um es dann korrekt zu behandeln, scheint nicht das Mittel der Wahl zu sein."


 
Veröffentlicht : 24.04.2003 09:11
(@beatrice)
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Hallo Kerstin!

Welche Probleme/Beschwerden hat denn dein Kind?
Wenn tatsächlich Beschwerden bestehen muss natürlich der gesamte Schiel:wink:el aufgedeckt und anschliessend operiert werden! Ansonsten kann das V-Symptom auch unbehandelt bleiben!
Wegen der Begriffe "schielen" und ":wink:elfehlsichtigkeit" Wir AA und Orthoptistinnen nennen es Schielen PUNKT Wir unterscheiden zwischen manifestem (sichtbarem) und latentem (verstecktem) Schielen! Beim versteckten Schielen untescheidet man dann noch jenes, welches Beschwerden verursacht, und jenes, welches keine Beschwerden verursacht! Da wir dies meist nicht nach MKH ausmessen, sondern mit anderen Methoden wird es nicht Winkelfehlsichtigkeit genannt! Dies Bezeichnung wird (da geben mir sicher alle AO's recht) nur dann verwendet wenn der Winkel nach MKH gemessen wird!
...so ganz daneben wird also dein AA und deine Orthoptistin nicht liegen!
Ach ja, und wenn dein Sohn tatsächlich im Aufblick sichtbar schielt (ein Auge nach aussen rutscht) dann besteht ein manifestes Schielen, dass beim Augenarzt untersucht und kontrolliert werden sollte!
Viele Optiker in diesem Forum hatten dies schon erwähnt, da sie versteckte Schielformen, bzw. Winkelfehlsichtigkeit verantwortlich seien!
Hey, und frag doch deinen Augenarzt und die Orthoptistin aus, anstatt still zu werden! Die können dir das erklären und ihre Meinung dazu sagen! ..und dann musst DU entscheiden!

Liebe Grüsse
Beatrice


 
Veröffentlicht : 24.04.2003 17:18
(@kerstinb)
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Hallo Kerstin,

bezüglich der Pathophoriefrage schließe ich mich beatrices Antwort an.
Zu Deiner Aussage zur Okklusion Die Okklusionstherapie wird primär zur Verbesserung eines sehschwachen Auges eingesetzt. Durch das Abkleben des besseren Auges wird das sehschwache Auge zum Sehen gezwungen. Dadurch kann bei konsequenter Okklusion die Sehschärfe des schwachen (amblyopen) Auges recht beachtlich gesteigert werden.
Manchmal wird die Kompensationsfähigkeit durch den Sehschärfenanstieg des amblyopen Auges verbessert. Durch die Okklusion kann sich der Schiel:wink:el allerdings auch vergrößern bzw. die Kompensationsfähigkeit verringern. Daher gibt es eine Okklusionstherapie, die zur Verkleinerung der Schiel:wink:el eingesetzt wird, nicht.
Und übrigens Orthoptistinnen und Augenärzte sind durchaus in der Lage, latente Schiel:wink:el zu erkennen und zu behandeln. Auch wenn wir andere Mittel nutzen als die MKH.

Viele Grüße

Kerstin


 
Veröffentlicht : 24.04.2003 17:39
(@Paul-Gerhard-Mosch)
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Hallo, Beatrice und Kerstinb

latente Schielfehler (WF) werden aber nicht behandelt, selbst bei angenommenen Beschwerdebild. Das ist unsere tagtägliche Erfahrung. Ein Behandlungsversuch wird wegen häufiger Misserfolge i.d.R. bald abgebrochen.

Nichts anderes enthält der Bericht von Kerstin. Misserfolge sind hier wohl schon jetzt vorprogrammierta) Prismenfolien vor dem schlechter fixierenden Auge (das ist Teil-Okklusion auf der falschen Seite, Kerstinb Deine Beschreibung erklärt uns etwas anderes für richtig !)
b) 8.0 Prismen und mehr (20.0) gemessen, davon werden 4.0 gegeben?! (Beatrice, wird hier ein Schielfehler richtig aufgedeckt ?)

Aber Du schreibst ja selber, dass das V-Symptom unbehandelt bleiben kann, warum wohl?

"MKH" aber lehnt Ihr ab, ohne sie zu kennen. OK !

Diesen Ball lassen wir uns gerne immer wieder zuspielen und korrigieren latente Bildlagefehler, eben WF! Und wenn teilmanifeste Formen die Begleitmusik spielen, gibt es Fachärzte, die selbst hier nicht verzagen müssen, weil Sie "MKH" geschult sind - Interessant ?


 
Veröffentlicht : 24.04.2003 20:58
(@Kerstin-Harms)
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Hallo Kerstinb,

hier mal mein Gedankengang zur Okklusionstherapie

Ein Kind wird geboren (man misst noch nicht gleich die Sehschärfe beider Augen). Irgendwann fängt ein Auge zu schielen an. Wir wissen, dass ein schielendes Auge irgendwann vom Gehirn "abgestellt" wird, wegen der Doppelbilder - deshalb lässt die Sehkraft da auch Schritt für Schritt nach (bei uns dreien in der Familie ist jedenfalls das jeweils schielende Auge das Schlechtere). Um dem Abschalten entgegenzusteuern wird das gesunde Auge abgeklebt (manchmal auch alternierend, ich weiß es aus Erfahrung). Das schielende Auge muss also wieder vermehrt die Seharbeit leisten. Da ist es für mich schon logisch, dass, wenn das Auge wieder schärfer sieht, der Schiel:wink:el durchaus auch wieder größer werden kann. Denn das Schielen ist ja muskelbedingt, während die Verarbeitung des Sehens im Gehirn stattfindet (ich empfehle hier das Buch von Bas Kast Revolution im Kopf - kennt es einer von Euch schon?).

Ich habe aber den Eindruck, dass eine Schiel - OP vom AA immer als letztes Mittel der Wahl angesehen wird - lieber bricht man die Okklusionstherapie ab, statt dass es zur OP kommt. Man arbeitet also darauf hin, dass das schielende Auge zwar nicht ganz abschaltet (dafür sorgt man mittels der engmaschig überwachten Okklusionstherapie), um das Stereosehen zu erhalten, akzeptiert aber, dass das Auge schwächer sieht und der Schieler bestehen bleibt. Mit Prismen würde man aber erreichen, dass der Bildlagefehler korrigiert wird, weil das Prisma es erst ermöglicht, dass das Bild in der Netzhaut auf den Punkt des schärfsten Sehens trifft.

Bitte korrigiert mich, wenn ich hier falsch folgere!

Es ist mir klar, dass durch die Prismenkorrektur das Auge durchaus schielt, und der Schiel:wink:el auch größer werden kann, aber wenn das Bild in der Netzhaut dann auf den richtigen Punkt trifft, erreicht man doch scharfes Sehen - oder?

Warum soll dann die Prismenkorrektur abgebrochen werden, wenn das Auge doch nur ganz natürlich reagiert, d. h., Schritt für Schritt entspannt, und die Prismen dadurch steigen, vielleicht so stark, dass es zur OP kommen muss?

Das Schielen meines Sohnes ist eh schon recht stark ausgeprägt (beim Aufblick) - diese Schiel-OP würde die Krankenkasse zahlen. Warum aber nicht die OP bei einer Winkelfehlsichtigkeit, obwohl doch bei der einen wie auch bei der anderen Diagnose, jeweils die Augenmuskeln operiert werden?

Wenn ich ihn nun zur Schiel-OP unters Messer gebe, habe ich dann Hoffnungen, dass auch die Winkelfehlsichtigkeit geringer wird? Ich stehe hier etwas auf dem Schlauch, weil mir auf einmal immer wieder gesagt wird, dass WF und Schielen das Gleiche sind.

Liebe Grüße
Kerstin


 
Veröffentlicht : 26.04.2003 14:21
(@Kerstin-Harms)
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Hallo Beatrice,

Deine ersten beiden Sätze machen mir Mut, wenn die Orthoptistin, die meinen Sohn in Behandlung hat, auch so denkt.

Also, Lukas hat morgens nach einer Stunde schon Kopfschmerzen. Er bezeichnet sein Gehirn mittlerweile selbst als eine einzige Matschsuppe. Er kneift das linke Auge ständig zu, beim Hausaufgabenschreiben hält er die Hand davor (er ist sich dessen nicht bewusst, ich beobachte es aber). Draußen im recht hellen Tageslicht kneift er ebenfalls das li. Auge zu. Er ist sehr lichtempfindlich, genau wie ich (wenn ich aber meine Prismenbrille trage, geht es mir besser). Er trifft keine Bälle, kann mit neun Jahren keine Schleifen binden, er braucht 3 Stunden für seine Hausaufgaben, wird in der Schule in Klassenarbeiten nicht fertig, weil er immer wieder den entspannten Blick nach draußen braucht. Er merkt mittlerweile, dass seine Grenzen schon da erreicht sind, wo sie bei anderen noch lange nicht erreicht sind - er will soooo vieles und ist so aufgeweckt, aber sobald es mit lesen, schreiben, Motorik, in Verbindung steht, scheitert er. Fächer, die auf Zuhören ausgelegt sind, da ist er einer der Besten, und auch im Kopfrechnen verblüfft er mich und andere. Er war mittlerweile beim psychologischen Test und schnitt überdurchschnittlich ab, in den Bereichen, wo die Augen nicht so gefordert waren. Der Psychologe hat mittlerweile eine Fortbildung zum Thema WF und Schulversagen gemacht und bestätigte mir erstmals, dass Lukas Probleme wohl mit der WF zusammenhängen (vor einem Jahr hatte er mich noch belächelt als ich das Thema WF anschnitt, und meinte, die Probleme lägen in der Psyche des Kindes und der Frühgeburt - und ich solle ihn nicht überfordern meine Maßstäbe seien angeblich zu hoch angesetzt!!!!). Mein Sohn hat mittlerweile wirklich ein psychisches Problem - aber nur, weil die Augen NICHT funktionieren. Er wird mittlerweile der Klassenkasper (lenkt ja so herrlich von den Problemen ab und ist auch eine Art der Frustbewältigung....), hat null Selbstvertrauen usw.

Dass sein Schielen V-förmig ist, und das es sowas überhaupt gibt, das erfuhr ich erst letzte Woche. Ist das denn so selten und ist die Behandlung problematisch? Müsste man dann einen der diagonal arbeitenden Muskeln operieren und traut sich das auch jeder zu? Wie könnte denn hier Deiner Meinung nach eine nicht operierende Methode der Behandlung aussehen? Ich meine, die Prismenbrille ist eine gute Lösung, und ich will auch, dass das Schielen aufgedeckt wird, aber schon mein Optiker sagte mir vor fast 2 Jahren, dass Lukas eine so hohe WF hat, dass er die Behandlung im Alleingang ablehnt, nur in Beleitung eines AA, weil die OP bei Lukas höchstwahrscheinlich ununmgänglich sei. Und nun suche ich einen AA, der bereit ist, das volle Schielen aufzudecken, die OP nicht scheut und der womöglich auch noch mit der Krankenkasse abrechnet.

Außerdem verstehe ich nicht, dass die Folie nur auf das eine Auge geklebt wird, wo Prismen doch sonst immer verteilt werden? Wer kann mich da aufklären? Und warum kriegt er nur 4 Prismen - weil er getropft war und man auch hier immer kategorisch die Hälfte abzieht, ebenso wie bei der Verschreibung von + oder - Gläsern? gut finde ich ja, dass wir gleich in 3 Wochen wieder hin sollen, aber was erwartet mich dann? Sollte der Schiel:wink:el größer geworden sein, bricht man dann sofort wieder ab?

Außerdem habe ich die Vermutung, dass Lukas durch die Folie nicht optimal sehen wird, und die Brille deshalb ablehnt. Ich werde seine alte Prismenbrille mitnehmen und vorführen, sie hat 9 Prismen, vielleicht soll er es damit noch mal für eine Weile probieren, mittlerweile trägt er sie auch hin und wieder, je nach Tagesform, recht gerne.

Letzte Frage (an alle) wie kann man Prismen bei V-förmigem Schielen optimal verteilen, zumal die Werte ja von o über 8 bis 20 (vorläufig) gehen, je nachdem, ob das Kind nach unten, geradeaus oder nach oben schaut?

Gruß
Kerstin


 
Veröffentlicht : 26.04.2003 14:45
(@Kerstin-Harms)
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Nachtrag zum Thema Kommunikation mit Ärzten

Ich habe den Eindruck, Ärzte mögen es nicht, wenn man als Patient fachsimpeln möchte. Entweder sind sie den ganzen Tage mit Dumpfbacken konfrontiert und können es gar nicht glauben, dass da mal jemand kommt, der wissen MÖCHTE, oder aber sie tragen die Nase so weit oben, dass sie glauben, ein Nichtmediziner könne sie eh nicht verstehen (zum Glück habe ich mein großen Latinum, mit Fremdwörtern lasse ich mich nicht abschrecken).

Mit der Orthoptistin werde ich am 22.05. (nächster Termin) mal etwas mehr reden, wenn sie Zeit hat - die war eigentlich recht offen mir gegenüber - aber ich hatte einen schlechten Tag, weil noch 700 km Autofahrt vor mir.


 
Veröffentlicht : 26.04.2003 14:51
(@Paul-Gerhard-Mosch)
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Hallo, Kerstin

zum Thema "Schielen (manifester Schielfehler) oder WF (Winkelfelhsichtigkeit, Pathophorie oder latenter Schielfehler)"

- wenn es darum geht, ob Augenoptiker "Winkelfehlsichtigkeit" lt. Augenheilkunde(!) korrigieren dürfen, steht alles unter dem Thema "Schielen" und ist schon deshalb dem Nichtmediziner verboten (Schielen = Krankheit, damit wäre es Ausübung der Heilkunde).

- wenn es darum geht, als AO Erfolge durch die "MKH" dokumentieren zu können, sind es medizinisch Placebo-Effekte, oder z.B. bei sogenannten Spätschielern, die wieder bifoveoär (zentral beidäugig) Blicken, heißt es plötzlich, es seien garkeine (echten) Schieler gewesen.

Vielleicht hilft hier eine andere Sicht der Dinge weiter.
Der Kollege Rudolf Virkus (Wolfsburg), vor vielen Jahren prägte er den Begriff der Winkelfehlsichtigkeit, bringt es auf den Punkt
"Bei NICHT Orthostellung* muss das Gehirn BILDLAGE richtigrechnen oder es rechnet sie falsch" (so z.B. Seheindrücke eines Auges weg) Im schlimmsten Fall beläßt es Doppelbildseheindrücke.
*Orthostellung = ist die anstrengungsärmste Arbeitsstellung eines Augenpaares. Die Fixierung ist ideal auf das Objekt ausgerichtet.

Dies will ich nun ausführen
- rechnet es richtig (Bildlageverschiebung), werden Bildlageorte so verpolt, das beidäugiges Einfachsehen erfolgen kann. Binokularsehen bleibt erhalten, es gibt Abstufungen in der Qualität. Dies ist wesentlich das Gebiet der WF. Hier kann der Augenoptiker durch (augen-)optisch richtige "Bildlageverschiebung" das Rechnersystem "Gehirn" wesentlich entlasten. Übrigens, ist diese Gehirn-Leistung auch bei Übersichtigkeit genauso tätig. Krankhaft jedenfalls ist dies nicht, auch wenn manche Belastungen an Krankheiten erinnern können.

- rechnet es falsch und ein Bild weg, oder beläßt es nicht behebbare Doppelbildeindrücke, besteht monokulare (einäugige) Bildverarbeitung. Diese bleibt leider oft nur bedingt korrektionsfähig und in normales bizentrales Binokularsehen zurückführbar! Besonders hier ergeben sich auch medizinisch relevante Fakten, die abgeklärt werden sollten.

- darüber hinaus gibt es Übergangsbereiche und Verknüpfungen in Teilbereichen. Dies begründet auch eine vorhergehende fachärztliche Überprüfung, besonders bei Kindern, vor einer Prüfung auf Winkelfehlsichtigkeit durch den Augenoptiker.

Übrigens, macht nur(!) das "Ergebnis" des Rechenwerkes und nicht die Größe des Fehlers den entscheidenden Unterschied. Und noch etwas(!), nur wer es versteht, diesem Rechenwerk der Intelligenz exakte Umsetzungen anzubieten, hat hier eine echte Chance. Hier erweisen sich die Qualitäten der MKH als unübertroffen. Teste, die beim "Falschrechnen" (s.o.) nützlich sein können, versagen beim "Richtigrechnen" und sind so ein weiterer Grund für viele Meinungsunterschiede.

2. Update


 
Veröffentlicht : 26.04.2003 18:37
(@kerstinb)
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Hallo Kerstin,zu Deiner Antwort im 6. Abschnitt

warum soll ein Schielen nur durch die Beeinträchtigung von den Augenmuskeln entstehen?
Durch eine Augenmuskellähmung oder Muskelveränderungen kann es zum manifesten und bei geringeren Ausprägungen auch zum latenten Schielen kommen. Man sieht dann allerdings immer eine Einschränkung der Augenbeweglichkeit.
Bei den häufigeren Schielformen haben die Patienten keine Einschränkung der Augenbeweglichkeit, das Schielen besteht aber trotzdem. Ein manifestes Schielen bzw. latentes pathologisches Schielen ohne Störungen der Augenbeweglichkeit ist für mich eine Störung des beidäugigen Sehens. Und das beidäugige Sehen ist, so wie ich es gelernt hab (grob gesagt) ein Prozß der Sensorik und Motorik, der vor allem von Zentren im Gehirn gesteuert wird. Funktioniert das nicht, besteht ein manifestes Schielen oder eine Pathophorie. Wo ist bei dabei die beiinflussende Rolle der Augenmuskeln, wenn diese völlig unauffällig sind? In diesem Fall ist das Auge bzw- die Muskeln das ausführende Organ. Die Störung muß dann also (meistens angeboren) im Gehirn liegen. (Selten kommt es bei Erwachsenen oder älteren Kindern zum manifesten Schielen ohne Störungen der Augenbeweglichkeit durch Hirnprozesse)
Zu sagen, ein Schielen ob manifest oder latent ist immer augenmuskelbedingt, finde ich daher nicht richtig.

Zur Okklusion ich vertrete die Meinung, daß die Verbesserung der Sehschärfe bei Sehschwächen im Vordergunrd steht, auch wenn sich durch das Abkleben der Schiel:wink:el vergrößert. Das Schielen kann man opeieren, die Amblyopie nicht. Sicherlich wird es darüber bei den Augenärzten und Orthoptistinnen auch andere Meinungen geben. Aber wir praktizieren das so.

Das durch einen Prismenausgleich eine Ambylopie vollständig therapiert werden kann, wage ich zu bezweifeln. Hat das Kind eine einseitige Amblyopie, wird im binokularen Sehakt immer das schwächere Auge unterdrückt, obwohl durch einen Prismenausgleich die Fovea des schlechteren Auges den gleichen Seheindruck hat wie das dominante Auge.

Viele Grüße

Kerstin


 
Veröffentlicht : 29.04.2003 21:01
(@Kerstin-Harms)
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Hallo Kerstin,

danke für die Erklärung.

1. Kann man denn immer feststellen, ob ein Schielen nun augenmuskelbedingt ist oder nicht?

2. Und operiert man dann nur das augenmuskelbedingte Schielen?

3. Ist eine WF dann nicht augenmuskelbedingt und wird deshalb nicht als Schiel-OP "deklariert"?

4.Nur warum heißt es dann, WF und Schielen sind das Selbe? Irgendwie gerate ich hier durcheinander.

Liebe Grüße
Kerstin


 
Veröffentlicht : 29.04.2003 21:50
(@kerstinb)
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zu1. meistens ja, denn bei Veränderungen und Felbildungen der Augenmuskeln oder bei Augenmuskellähmungen sieht man eine Einschränkung der Augenbeweglichkeit und eine Zunahme des Schiel:wink:els in einer Blickrichtung. D.h. ein Auge kann sich z.B. nicht vollständig nach außen bewegen, weil der Muskel, der das Auge nach außen zieht, gelähmt ist. In dieser Blickrichtung wird der Schiel:wink:el logischerweise auch größer. Durch diese Veränderungen der Augenmuskelnerven bzw. Augenmuskeln stimmt das Gleichgewicht der Augenmuskeln nicht mehr. Dadurch entsteht das Schielen.
Bei Anomalien des Muskelansatzes kann es auch zum Schielen kommen. Dann besteht zwar nicht selten keine Einschränkung der Augenbeweglichkeit, aber unterschiedliche Schiel:wink:el in unterschiedlichen Blickrichtungen.

zu2. Das hängt von der Ausprägung des Schielens und der Abweichung und von den Beschwerden des Patienten ab. Oft nehmen Patienten mit diesen Schielformen eine bestimmte Kopfhaltung ein, in der Sie nicht doppelt sehen oder besseres Stereosehen haben. Ist diese Kopfhaltung sehr ausgeprägt oder bestehen dadurch Schäden der Halswirbelsäule, wird ebenfalls eine OP nötig.

zu4. Den Begriff Winkelfehlsichtigkeit nutzen Augenärzte und Orthoptistinnen größtenteils nicht. Ich denke, daß eine Winkelfehlsichtigkeit dasselbe ist, was wir als latentes Schielen, das Beschwerden wie Kopfschmerzen, Doppelbilder usw. verursacht = Pathophorie bezeichnen. Ein latentes Schielen kann auch durch eine Veränderung der Augenmuskeln verursacht werden. Z.b. besteht manchmal bei angeborenen Augenmuskelstörungen oder -lähmungen kein manifestes sondern ein latentes Schielen, da die Kinder von klein auf gelernt haben, die Schielabweichung zu kompensieren.
Oft haben Patienten mit Pathophorien keine Störung der Augenbeweglichkeit oder eine Fehlbildung des Augenmuskelansatzes, das Schielen besteht aber trotzdem. Daher kann man in diesen Fällen meiner Meinung nach nicht von augenmuskelbedingt sprechen.

zu3 Beides ist nach meiner Annahme möglich.

Allgemein gesagt, kann man beide Schielformen operieren, wenn Beschwerden vorhanden sind. Die OP Entscheidung ist aber von vielen Faktoren abhängig, daher kann man das nicht auf alle Patienten beziehen.

Dein Sohn hat übrigens keine Augenmuskellähmung. Beim V-Phänomen nimmt, wie Du auch schon geschrieben hast ein Außenschielen im Aufblick zu und im Abblick ab oder verschwindet ganz oder geht in ein Innenschielen über. Das V-Phänomen kann verschiedene Ursachen haben, z.B. Anomalien des Muskelansatzes.

Viele Grüße

Kerstin


 
Veröffentlicht : 30.04.2003 15:32
(@Paul-Gerhard-Mosch)
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Besten Dank an Kerstinb

für die Informationen. Ich habe sie mit Interesse gelesen.

Spontan frage ich mich aber, unter der Annahme, dass die Augenmuskeln die 100-fache Kraft Ihrer benötigten Anforderungsgrenzen haben sollen (Aussage eines medizinisch ausgebildeten MKH-Gegners(!)) - woher nimmt man das Selbstverständnis, diese Muskeln, die ohne steuernde Impulse (richtig- bzw. falschrechnender Gehirnaktivität) nur eine zuckende, i.d.R. gut durchblutete Fleischansammlung sind, ganz wesentlich verantwortlich für die Augensteuerung zu machen? Dies kann ich nicht nachvollziehen. Es geht wohlgemerkt um das wichtigste Sinnesorgan des Menschen! Hier haben die Muskels ihre Funktion und Bedeutung, aber sie sind nicht Entscheidungsträger! Niemals! Ebenfalls hat der einzelne Muskel keinerlei beeinflussenden Kontakt zu seinen elf beteiligten Kumpeln. Keinesfalls sind diese Muskeln aber auch nur Sehnen mit bestimmter Länge und entsprechend einfacher Funktion. Kerstinb verstehst Du mich?

Sicher kennen wir alle die Ausfälle von Muskeln und Nervenimpulsen z.B. nach einem Schlaganfall. Aber im Fall von Kindern und Schielen ergeben sich häufig völlig normale vitale Charaktere mit unauffälligem Netzhautbefund. Sind solche kinder "dümmer", was das Binokular-Sehen anbelangt?


 
Veröffentlicht : 30.04.2003 19:20
(@kerstinb)
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Sehr geehrter Herr Mosch,

eigentlich verstehe ich Sie nicht, vielleicht reden wir da aneinander vorbei. Da Kerstin mich gefragt hat, ob ein Schielen nur muskelbedingt ist, hab ich ihr (kurz gesagt)geantwortet, daß es einige Schielformen gibt, die durch Veränderungen / Fehlbildungen der Augenmuskeln oder durch Augenmuskellähmungen hervorgerufen werden. Die Gesundheit der Augenmuskeln ist wesentlich für das binokulare Einfachsehen in allen Blickrichtungen. Das Gehirn richtet die Augen anhand Impulsen an die Muskeln aus, klar, das ist die Voraussetzung zum binokularen Einfachsehen. Aber was passiert, wenn die Impulsleitung eines Muskels unterbrochen ist?, d.h. wenn das ausführende Organ an einer Stelle nicht richtig oder garnicht funktioniert?. Der Muskel ist z.B. gelähmt und ein paretisches Schielen entsteht, weil das Gleichgewicht zwischen Agonist und Antagonist nicht mehr stimmt. Bei dezenten Ausprägungen sind viele in der Lage, die neue Abweichung zu kompensieren, es besteht dann beim Blick geradeaus nur oft ein latenter Winkel. Genauso verhält es sich, wenn die Augenmuskeln durch Veränderungen nicht mehr so beweglich sind. Symmetrische Einschränkungen an beiden Augen sind eher selten. Daher resultiert bei asymmetrischen oder einseitigen Bewegungseinschränkungen auch ein latentes oder manifestes Schielen. Bei erworbenen Lähmungen oder Muskelveränderungen haben einige vor der Erkrankung keine Störungen des Binokularsehens gehabt. Trotzdem können sie aufgrund der neuen Situation bezüglich der Augenmuskeln trotz normaler Sensorik nicht mehr oder nur unter Beschwerden einfach sehen, weil die Motorik nicht stimmt. Daher haben die Augenmuskeln wirklich einen erheblichen Einfluß auf das Binokularsehen.
Anders kann ich es leider nicht beschreiben, auch mit dem Risiko, daß einige nicht so viel mit den Fachbegriffen anfangen können, sorry.


 
Veröffentlicht : 30.04.2003 19:54
(@Paul-Gerhard-Mosch)
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Pardon, nun haben Sie geantwortet ehe mein zweiter Absatz fertig war. Mein Fehler! Erstmal Danke!


 
Veröffentlicht : 30.04.2003 19:58
(@Paul-Gerhard-Mosch)
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Hallo, Kerstinb

wird bei aller korrekten Wiedergabe, schwieriger und schwerster Beeinträchtigungen von Störungen im Binokularsehen nicht zweierlei übersehen.

1) „Dezent“ wirkende Störungen haben meistens keine(!) krankhaft feststellbaren Ursachen. Dies ist sicher ein Grund, warum viele MKH korrigierte Klienten, medizinisch unauffällig beurteilt werden und Erfolge als Placebo-Effekte benannt werden. Auch auf die „Psyche“ wird manches abgestellt, was medizinisch nicht behandlungsfähig erscheint.
2) Störungen oben beschriebener Art sind selbst bei echten Defekten zumindest in Teilbereichen korrigierbar. Leider habe ich hier schon manchen Stilbruch erlebt.

MKH schult darauf, ein möglichst effektives Sehgleichgewicht zu erzielen. Beste Feinkorrektion der sphärischen und cylindrischen Komponente. Dann noch bestehende Sehschärfeungleichgewichte möglichst zugunsten des schwächer reagierenden Auges auszugleichen.
In der Medizin wird in Erwartung evtl. löslicher akkomodativer Werte gerne überkorrigiert, manchmal wird in Ermangelung einer gescheiten Sehschärfe gar kein richtiger Ausgleich durchgeführt. Hier liegt jeweils ein Ansatz von krasser weiterer Fehlentwicklung. Alle können wir beklagen, dass leider entsprechend im Sehen gestörte Kinder oft viel zu spät zur bzw. in die Behandlung gelangen.
Hier wird das Gehirn eben andere Berechnungen vorziehen, und ideales beidäugiges Sehen „falschrechnen“. Das kann sogar den Eindruck von Lähmungen erzeugen. Bei zwei Kindern habe ich es erlebt, dass sich nach einer bzw. mehreren Op’s keine Lähmung mehr zeigte, ein Auge blieb vorher immer an einer Stelle hängen. Sondern das System arbeitete praktisch vorher immer am Anschlag. Zwei Uni-Kliniken hatten nach längeren Kontrollen eine OP abgelehnt. Dr. Wulff operierte mir diese Kinder, nachdem wir über MKH-Teste entsprechende zentrale Ausgleiche messen und ausführen konnten.
Mein eig. Vater hatte früher in der Ferne zwanzig Prismen außen, in der Nähe acht innen getragen, die Messwerte wurden damals von Dr. Wulff bestätigt. Nach 6 Jahren und drei Korrektionen ergaben sich in Ferne und Nähe bei immer noch leichten Ausschaltphänomenen 20 Prismen außen und die erfolgte OP vor zwei Jahren hat den Zustand sehr verbessert. Vor über zehn Jahren war an einen Eingriff nicht zu denken.
Die Beispiele ließen sich fortführen. Gerade im letzten Monat wurden mir zwei Patienten aus der neurologischen Fachklinik mit Doppelbildern zugewiesen. Im einen Fall ergab sich nach einem Korrektionsversuch über Prismenfolie innerhalb einer Woche(!) ein Rückgang der Parese im vollen Sichtbereich der Brille. Anfangs war nur ein Bereich von ca. 7° in der kritischen Richtung nutzbar. Im zweiten Fall konnte eine Korrektion von nur 3.0 cm/m nach nur drei Wochen abgesetzt werden, da der Fehler zwar noch bestand, aber ohne Beschwerden nun wieder kompensiert wurde. Über Augenklappe litt bei Beiden die Therapiefähigkeit sehr. So legte der Probant mit den drei Prismen, seinen Krückstock mit dem er vorher sehr unsicher lief, schon am ersten Abend ganz weg. In beiden Fällen hatte ich über Prismenfolien auf dem visusführenden Auge und der alten Korrektionsbrille gearbeitet.
Wenn durch körperlich völlige Erschöpfung, evtl. gepaart mit Lähmungskomponenten etc. dem Augenpaar „frühzeitig“ zwecks „richtigrechnen“ Unterstützung nicht verwehrt wird, gibt es sehr positive Gesamtentwicklungen zu beobachten.
Nichts anderes bieten Erkenntnisse, sensibler Tätigkeit auf dem Gebiet der WF bei voller Nutzung der Kenntnisse der MKH. Ich lade Sie zu unserem Internationalen Kongress, vielleicht sogar in mein Seminar „Anzeige-Karten ein neues Kommunikationsmittel für die MKH“ nach Würzburg herzlich ein. Hier werde ich neben dem Nutzen der Karten, ein paar weitere Beispiele anführen.


 
Veröffentlicht : 01.05.2003 15:35
(@kerstinb)
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Sehr geehrter Herr Mosch,

die Rückbildung von Paresen innerhalb einer Woche erlebe ich auch. Vor allem bei jungen Patienten und nicht so ausgeprägten Lähmungen passiert das. Natürlich wird jemand, der eine Augenklappe trägt wegen des Verlustes seines Stereosehens unsicher sein. Deshalb passen wir auch Prismenfolien an, wenn das paretische Schielen auszugleichen geht. Durch die Prismenfolien gelingt es vielen, Ihr Schielen besser zu kompensieren, auch später ohne Folie. Wir lassen den Patienten daher, wenn möglich, nicht ständig mit einer Augenklappe herumlaufen, da diese das beidäugige Sehen unterbricht. Das heißt aber nicht, daß eine Prismenfolie die Augenbeweglichkeit verbessern kann.

zu 1. Dezente erworbene Störungen mögen selten sein. Manchmal beginnen Lähmungen dezent und verstärken sich durch raumfordernde Prozesse.
Manchmal entwickelt sich durch Hinstammprozesse ein Schielen (oft vertikal),daß auch sehr gering ausgeprägt sein kann, sodaß die Patienten keine Doppelbilder sondern nur Verschwommensehen angeben. Bei einer Erkrankung entstehen schwankend ausgeprägte Augenbewegungsstörungen, die i.d.R. medikamentös behandelt werden muß. Würden sie auch diese Schielformen als Winkelfehlsichtigkeit bezeichnen?
Diese Erkrankungen bedürfen je eher desto besser neurologischer und radiologischer Abklärung. Sie sollten nicht übergangen werden, nur weil die meisten latenten Schielformen keine pathologischen Prozesse des Gehirns oder der Augenmuskeln als Ursache haben.

Daß eine akkommodative Komponente zur Verkleinerung von divergenten Winkeln angewandt wird, war vielleicht vor 30 Jahren so. Die Kliniken, die ich kenne, behandeln eine Exohorie so nicht mehr. Andere sicherlich auch, da kann ich aber nur von meinem Wissensstand ausgehen.
Ihr Beispiel bei dem Kind mit der Augenbewegungsstörung kann ein bißchen den Eindruck erwecken, das Augenmuskellähmungen operativ beseitigt werden können, das geht aber nicht. Die Augenstellung eines paretischen Schielens kann operativ verändert werden, die Beweglichkeit selbst nicht. Die Augenbeweglichkeit bei Lähmungen kann nur durch Regeneration des Nervens verbessert werden.

Viele Grüße

Kerstin


 
Veröffentlicht : 01.05.2003 16:49
(@Paul-Gerhard-Mosch)
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Hallo, Kerstin

Du bist jetzt ganz außen vor gewesen.

ZitatOriginal erstellt von kerstinb
Dein Sohn hat übrigens keine Augenmuskellähmung. Beim V-Phänomen nimmt, wie Du auch schon geschrieben hast ein Außenschielen im Aufblick zu und im Abblick ab oder verschwindet ganz oder geht in ein Innenschielen über. Das V-Phänomen kann verschiedene Ursachen haben, z.B. Anomalien des Muskelansatzes.

So wichtig hier zwar eine Ursachenforschung wäre, die medizinisch betrieben werden muss, wage ich dennoch einzuwenden, dass hier ein Binokularausgleich sehr wichtig wäre. Evtl. muss in Ferne und Nähe (oben und unten) in der Brille unterschiedlich korrigiert werden.
Mit dem Wissen, dass schon erheblich höhere Werte beim Blick geradeaus, also in der "Ferne" gemessen wurden, stellt sich die Frage, ob das V-Phänomen in sich schlüssig bleibt? Sollte der höhere Wert sowohl beim Blick geradeaus, wie beim Blick nach oben, gleich werden, ist es kein reines V-Phänomen mehr. Der Aspekt der Nahsicht bleibt ständig mit zu beachten. Hier können sich, auch längerfristig noch, völlig andere Werte ermittelt lassen (Ob sie stimmen?). Vorher hat es in der Nähe (Blick nach unten) ja geklappt!

Ich vermute mal, hier hat das System in der Nahsicht noch einen Weg zum teilweisen "Richtigrechnen" gefunden. Daran hält es fest, obwohl hinter den korrigierenden Prismengläsern nunmehr die Gesamtrechnung falsch gesteuert wird. Hier hilft nur ein möglichst exakter prismatischer Ausgleich zur Unterstützung des Gehirnrechners auf Dauer. Leider steht über diesem Thema erstmal ganz dick "KORREKTIONSVERSUCHE" in mehreren Schritten(!), aus jetziger Sicht unter Einschluß von Eingriffen am Augenmuskelsystem (über 40 cm/m wurden ja schon gemessen lt. früherem Hinweis, nicht wahr).

"Diese Auflistung dient dem Versuch, ohne den Einzelfall noch näher zu kennen, eine These aufzustellen, die ohne einen Krankheitsbefund auskommt, und das Sehen des Kindes einer Problemlösung zuführt.
Dies ist niemals prognostizierbar! Aber im Prinzip sicher möglich, trotz der jetzigen Diagnose, die einer Korrektion im Wesentlichen einen Erfolg von vornherein wohl verneinen wird. In vielen Fällen wird man aber selbst mit Teilerfolgen schon wesentlich besser leben können."


 
Veröffentlicht : 01.05.2003 16:50
(@Paul-Gerhard-Mosch)
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Hallo, Kerstinb

stimme Ihnen gerne uneingeschränkt zu Ihren letzten Ausführungen zu. Ich würde Sie gerne in meiner Nähe wissen!

(Die Augenbeweglichkeit kann sich auch wieder verbessern, aber das ist schon seltener, denken Sie nur z.B. an das Miller-Fisher-Syndrom, hier habe ich ein sehr interessantes Korrektionsbeispiel erlebt. Ich denke, das bei guter zentraler Binokularität (Ermittlung über polarisierte Teste), die Impulse zur Zusammenarbeit der Augen intensiver zum Tragen kommen und quasi Mitnehmereffekte erzeugen, die die nervliche Ansteuerung verbessern helfen.) Dies führen Sie im letzten Satz, ja ähnlich als Möglichkeit (nervliche Verbesserung), mit an.


 
Veröffentlicht : 01.05.2003 17:28
(@Kerstin-Harms)
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Hallo Paul-Gerhard,

Deine Vermutung trifft meine Gedankengänge, dass es mit Lukas ein langer, beschwerlicher Weg werden wird. Ich denke, dass er aufgrund des V-Schielens die Prismenbrille, die er trug, nicht tolierierte - es war ja ein fester Wert für Nah- und Fern..

Kann man Prismen in der Brille so anfertigen, dass unten keine bzw. weniger im Glas sind als in der Mitte und Höhe? Lukas bräuchte ja nach jetziger Messung einen Übergang von 0 auf 20? Ich hoffe, dass wir beim jetzigen AA den Weg weiter beschreiten können -trotzdem werde ich auch zu Dr. Wulff fahren, aber ich kann ja in der Folge nicht alle paar Wochen nach Berlin jetten...Vielleicht tut er sich mit meinem AA zusammen hinsichtlich der Diagnose und Behandlung.

Vor drei Tagen hatte ich ein seltsames Erlebnis mit Lukas. Er lag auf dem Fußboden, um Fernseh zu schauen. Der Film ging ca. 90 Minuten. Er musste erstens nach oben schauen und zweitens lag er seitlich so, dass er quasi über Kopf schauen musste, also fast schon nach hinten. Als er nach dem Film aufstand, verlor er das Gleichgewicht und konnte nicht mehr die Treppe hinunter gehen. Er saß auf dem oberen Absatz und sagte, er sehe alles über Kopf. Ich musste ihn hinunterführen und er knickte ständig ein. Erst nach ein paar Minuten ging es wieder. Und in dieser Zeit schwankte er wirklich durch die Zimmer. Was kann hier geschehen sein? Hatte er die Über-Kopf-Bilder vom Fernsehen im Gehirn so verarbeitet, dass er nach dem Aufstehen infolge dessen, das was unten war, immer noch eine Zeitlang verdreht Kopf sah?

Lt. dem Buch von Bas Kast (Revolution im Kopf), findet das Sehen ja bekanntlich im Gehirn statt, und es gab Versuche mit Tieren (Katzen), denen man nur Vertikale Seheindrücke anbot - infolge dessen konnten sie nicht balancieren, weil sie das Horizontale Sehen nicht gelernt hatten. Im Gehirn wurde dafür kein Zentrum eingerichtet...Ebenso soll es ja Krankheiten geben, wo Menschen keine Gesichter mehr sehen können, weil eben dieses Zentrum im Gehirn, das für die Verarbeitung von Seheindrücken bez. Gesichter, zerstört ist.

Auch soll es Versuche gegeben haben, wo man Tischtennisspielern eine Brille aufsetzte, mit der sie alles verkehrt herum sahen. nach einer Zeit des Gewöhnens konnten sie aber wieder die Bälle treffen - das Gehirn hatte umgelernt. Nach Abnahme der Brille musste das Gehirn wieder "umschalten".

Viele Grüße
Kerstin


 
Veröffentlicht : 01.05.2003 20:08
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