Hallo Kerstin und martina,
das Schielen ist meinen Eltern nie aufgefallen, ich habe es erst selbst auf Kinderfotos (Nahaufnahmen) bei mir gesehen, als ich schon in der Ausbildung war. Damals ist mir auch eingefallen, daß manche mir als Teenager gesagt haben, ich würde schielen, aber ich hab gedacht, die spinnen, ich selbst hab im Spiegel das Schielen ja nicht gesehen. Meine Eltern hab ich darauf angesprochen, mein Vater meinte, er hätte mich manchmal als Schulkind auch mit dem linken Auge nach außen schielen sehen, da ich aber meist eine parallele Augenstellung hatte, hat er sich keine Sorgen darüber gemacht.
Ich bin schon immer in der Schule gut zurechtgekommen, hatte keine Kopfschmerzen, hab gern gelesen usw. Auch kann ich das Schielen gut kompensieren, ich schiele nur, wenn ich sehr müde bin und hab weiterhin keine Probleme mit Doppelbildern usw. Mein Vater und meine Schwester schielen auch bei extremer Müdigkeit nach außen. Mein Vater sieht beim Schielen, wie ich, nicht doppelt, er hat, wie ich, in der Schielphase Panoramasehen. Meine Schwester hat in den Schielphasen Doppelbilder und hatte früher auch eine leichte Schwäche, die Augen in der Nähe zusammenzustellen (Konvergenzschwäche). Das hat sie durch Übungen wieder gut in den Griff bekommen, die Konvergenz ist jetzt bei Ihr normal. Auch mein Vater und meine Schwester haben keine Probleme mit dem Schielen und sind nicht mit Prismen korrigiert oder operiert worden. Wir haben in den Parallelstandphasen alle drei normales Stereosehen. Die Sehschärfe ist bei uns allen bds. 1,0 bis 1,2 (bei korrigierter Myopie und Astigmatismus), d.h. wir haben keine Sehschwäche = Amblyopie. Allerdings liegt bei uns dreien eine Dominanz des rechten Auges vor, in den Schielphasen weicht immer das linke Auge ab.
Wenn ich mir selbst vollkorrigierende Prismen vorhalte, sehe ich entweder im Sinne des Panoramasehens doppelt oder schalte das linke Auge ab. Wenn ich doppelt sehe, hab ich homonyme Doppelbilder, die weit auseinanderstehen, ich kann auseinanderhalten, welches das Doppelbild ist, kann das Doppelbild aber nicht lokalisieren. Das ist auch der Unterschied zu den Exophorien, die können ganz genau beschreiben, wo das Doppelbild liegt. Unterkorrigierende Prismen kann ich bis 16cm/m Basis innen fusionieren (d.h. ich hab damit binokulares Einfachsehen und Stereosehen), ab 18cm/m seh ich doppelt. Mit Prismen find ich das Sehen irrsinnig anstrengend. Mein Schiel:wink:el ist wahrscheinlich ca. 30cm/m groß (das hab ich mal abends von einer Freundin messen lassen, auch auf den Kinderfotos hab ich ungefähr dieses Schielen).
zu Deiner 3 Fragedaß bei Deinem Sohn zuerst ein Innenschielen vorliegt und sich spontan selbst in ein Außenschielen entwickelt, sehen wir auch, aber sehr selten. Manchmal tritt dieses Phänomen nach einer Hyperopiekorrektur auf. Vorher wurde durch die meistens hohe unkorrigierte Hyperopie nach innen geschielt und nach der Korrektur der Hyperopie tritt dann das Außenschielen auf. Das ist aber, wie gesagt, sehr selten, Stereosehen konnte ich bei diesen Patienten nicht nachweisen.
Ich denke, daß durch die Okklusion die Sehschärfe des schwächeren Auges bei Deinem Sohn wieder angestiegen ist, und dadurch das stereosehen wieder nachweisbar war. Unter dem Pflaster geht das Auge aber in seine Ruhestellung. Warum erst nach innen und jetzt nach außen, kann ich mir aber auch nicht so ganz erklären. Hat Dein Sohn vielleicht eine höhere Hyperopie? Wenn ja, hat er dann mit Brille anfangs auch zuerst nach innen geschielt? Es wäre auch interessant zu erfahren, welchen Stereotest Dein sohn damals erkannt hat, da gibt es ja mehrere. Vielleicht sollte man nochmal das Stereosehen beim Augenarzt testen.
Wenn Dein Sohn ein Auge beim Schielen zukneift, ist das eher ein Zeichen dafür, daß er das Schielen als unangenehm empfindet.
Da er auch Sehprobleme in der Nähe hat, sollte man auch mal die Akkommodation prüfen, vielleicht hat er ja auch zusätzlich noch eine Akkommodationsschwäche. Dann müsste der Außenschiel:wink:el in der Nähe aber eigentlich kleiner sein.
Ich denke, die OP sollte man erst dann planen, wenn man den größten Schiel:wink:el ermittelt hat und der auch stabil nachzuweisen ist, also sich nicht noch weiter vergrößert. Erst dann kann man die OP vernünftig dosieren.
zu martinas 2. Frage
Ich möchte hier jetzt nicht gern aus dem Nähkästchen plaudern, wir messen den Schiel:wink:el, wie im Strabismus beschrieben. Ist der Schiel:wink:el stabil, operieren wir. Beim intermittierenden Strabismus divergens wird der größte gemessene Schiel:wink:el (unter Dissoziation gemessen) operiert. Das wird gut toleriert, viele haben direkt nach der OP eine Orthophorie oder dezente Esophorie und gutes Stereosehen.
Eine Fadenoperation ist nur bei stark schwankenden Innenschiel:wink:eln indiziert.
Das ein Augenarzt eine Schielbehandlung nicht machen darf, stimmt meines Wissens so nicht. Es gibt ja auch Strabologen an den Unis, die operieren und geben die Anweisungen für die weiteren Therapien, behandeln daher auch das Schielen. Meistens verlassen sich die Augenärzte auf ihre angestellten Orthoptistinnen oder schicken die Patienten in die Klinik, die Strabologie ist aber auch Teil der Ausbildung der Augenärzte. Ich kenne hier auch einen Augenarzt, der selbst in seiner Praxis Schiel:wink:el mißt und Amblyopietherapien einleitet. Allerdings sind die Untersuchungen vor allem bei Kindern länger als die sonstigen augenärztlichen Untersuchungen und werden daher den Orthoptistinnen überlassen.
Viele Grüße
Kerstin
Hallo Kerstin,hallo Martina,
wenn ich jetzt noch wüsste, welche Tests auf Stereosehen man bei Klein- und Kleinstkindern anwendet. Es ist 7-8 Jahre her! Ich weiß z. B., dass er in einem Buch nach 3-D (?) Bildchen greifen sollte (da waren Tiere drin versteckt und Bälle). Ist das so ein Test? Jedenfalls gelang ihm dies. Ein anderer Test war der mit den E's, wo er zeigen sollte, ob die 3 Striche des E's nach unten, oben, re. oder li. zeigten - das ist aber wohl kein Stereotest. Natürlich wurde auch das Farbsehen getestet.
Die größte unter Tropfen gemessene Hyperobie lag knapp unter + 3 Dpt. - in der Brille hatte er aber als höchsten Wert + 2,75, also immer leicht unterkorrigiert (weil getropft, und weil er wohl auch selbst akkommodieren sollte).
Ob er mit der Brille auch geschielt hat? Es tut mir leid, ich muss da wohl in Fotos graben. Bei Zwillingen, die beide Brille trugen, das Ganze über 7 Jahr her - schwer zu erinnern. Zumal er als Kleinstkind das Sonnenuntergangsphänomen hatte, daran erinnere ich mich noch gut Voller Panik rief ich damals in der Klinik an, als es damit losging. Die Augen rollten wirklich in alle Richtungen, ehe das Innenschielen losging. Ich meine aber, dass er mit Brille nicht schielte. An der OP schlidderte er immer haarscharf vorbei, mal äußerte sich die AÄ, dass es zum manifesten Schielen tendiere, Kontrolle in 6 Monaten, just dann war es wieder besser und so ging das ca. 2-3 Jahre lang.
Heute waren wir übrigens beim Optiker. Lukas wollte in der Messbrille links nun +1,0 Dpt. haben. Prismen waren es 8 (!) an der Zahl. Er las dann sogar die unterste Reihe der Buchstaben und beim Kreuztest standen die Kreuze endlich. Mehr machten wir nicht (z. b. hinsichtlich Isovalenz), wir beschränkten den Test auf die muskulären Korrekturen (wenn ich das so ausdrücken kann). Und die Achse ist nicht auf beiden Augen 20, sondern auf einem 20 und auf dem anderen 160 (180-60=20 - war es ein Fehler beim Einzeichnen?). Mal sehen, was Dr. Wieditz hierzu sagt - Telefonat findet wohl erst nächste Woche statt.
Sensorisches Ausschaltphänomen Vom Ausschaltphänomen hat er etwas gesagt, ob das Wort sensorisch gefallen ist? Sorry, es waren so viele Fachausdrücke in dem Gespräch gefallen, einige wenige blieben gleich haften. Es interessiert mich aber und ich werde meinen Optiker bitten, im Gespräch nachzuhaken, bzw. sich auch den Bericht zukommen zu lassen.
@rubens Schon mal was von Chatikette gehört? Wenn deine Beteiligung in diesem Thread nur aus Beschimpfen und Runtermachen besteht, dann schweige bitte, denn Schweigen ist Gold. Wir wollen hier Konstruktives lesen. Trag doch dazu mal was bei.
An die Anderenviele Grüße
Kerstin
Nachtrag
Wer kann mir hier das Vorgehen des Uncovertests einmal kurz beschreiben? Dr. Wieditz hat sehr viele Tests gemacht. Ich kann dann vielleicht sagen, ob dieser Test auch mit einbezogen wurde.
Hallo, Kerstin
der "Uncover-Test" wird mit einer schwarzen Abdeckscheibe vor dem Probantenauge ausgeführt. Es wird beobachtet, ob beim "Aufdecken" des abgedeckten Auges ein reflektorischer Stellungswechsel vollzogen wird. Dieser würde einem Ausschaltphänomen zugerechnet.
Im Gegensatz zum Uncover-Test gibt es den Covertest, hier wird das nichtabzudeckende Auge beobachtet, während das andere Auge abgedeckt wird. Beide Teste werden auch alternierend vor beiden Augen benutzt. Sie stellen einfach anwendbare Screeningteste zu unterschiedlichen Verarbeitungsstörungen im beidäugigen Sehen dar. Ob und welche Teste Dr. Wieditz angewendet hat, wird er nur selbst sagen können, da erst die Art der Beobachtung den Test bestimmt.
Hallo Paul-Gerhard,
danke für die Erklärung. Es wurde wohl beides in Berlin durchgeführt.
Wurde dem linke Auge eine schwarze Scheibe vorgehalten, so stellte es sich nach außen, während das rechte Auge weiter den Gegenstand fixierte. Nahm man die Scheibe weg, focusierte es wieder mit.
Das rechte Auge hingegen behielt seine Stellung während der Abdeckphase.
Viele Grüße
Kerstin
ZitatOriginal erstellt von Paul-Gerhard Mosch
Hallo, Kerstinder "Uncover-Test" wird mit einer schwarzen Abdeckscheibe vor dem Probantenauge ausgeführt. Es wird beobachtet, ob beim "Aufdecken" des abgedeckten Auges ein reflektorischer Stellungswechsel vollzogen wird. Dieser würde einem Ausschaltphänomen zugerechnet.
Im Gegensatz zum Uncover-Test gibt es den Covertest, hier wird das nichtabzudeckende Auge beobachtet, während das andere Auge abgedeckt wird. Beide Teste werden auch alternierend vor beiden Augen benutzt.
Hallo,
wann und wie wird nun ein Ausschaltphänomen entdeckt, beim AUF- oder AB-decktest?
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Grüße
Ralf
Hallo, Ralf
beim Aufdecktest. Aber dies muss sehr schnell, reflektorisch 1/4 bis 1/8 sek., ablaufen! Nur in dieser Zeit ist das Ausschaltphänomen im Spiel. Es gibt auch eine langsamere Fixationsrückstellung, die man einer Tonuslösung zurechnet.
Und zum Schluß, weil es hier gerade passt, ein augenoptischer Hinweis.
Da diese (Muskel-)Tonuslösung aus der Dunkelruhelage (abgedecktes Auge) heraus kommt, wird sie in der augenoptischen Messtechnik der MKH als ein eher zu hinterfragendes Ergebnis angesehen, das auch in eine völlig falsche Korrektionsrichtung lenken kann. Übrigens ist der Marlow-Verband ein gleichartig eingesetztes Untersuchungs-Verfahren.
Hallo,
vielen Dank für die Erläuterungen, Paul-Gerhard.
Was soll es, grau ist alle Theorie 
Ich leide immer noch unter meinen Nahsehproblemen. Mein Autofokus will einfach nicht mitmachen in der Nähe. Dazu kamen die letzten Wochen massive Schwindelgefühle mit Konzentrationsausfällen. Hervorgerufen durch die Hitze sicherlich, die mir Kreislaufprobleme und Schlafmangel bescherte.
Aber ich werde zunächst mal meinen Urlaub auf den Kanaren verbringen, um dann Mitte September bei unserer Uniklinik in der Sehschule vorstellig zu werden, und sehen, was dort gesagt wird. Danach möchte ich unbedingt zum Augenoptiker meines Vertrauens fahren. Am liebsten würde ich schon heute, aber angesichts der Rückreisewelle ist mir das doch zu viel derzeit.
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Grüße
Ralf
An Kerstinb,da ich gerade auch mal wieder einen Strab. div. intermittens als Kunden habe (Typ Ferne oft divergent, Nähe nie oder seltenst divergent), und dem bislang niemand helfen konnte, möchte ich gerne von Dir wissen, wie Du bei Dir "Panoramasehen" nachgewiesen hast oder es von einer ANK unterscheidest.
Vielen Dank fürs Plaudern aus dem Nähkästchen
Martina S.
Hallo, Ralf
ich wünsche Dir einen schönen und erholsamen Urlaub. Ich bin gespannt, ob es Dir dort besser geht,als zu Hause, ich meine natürlich Deine Augen. Dort wirst Du viel weit sehen, sicher auch mal lesen, aber der Arbeits-Nahstreß ist nicht da.
Guten Flugund viele Grüße
Eberhard
Seit 5 Monaten habe ich hier nichts mehr geschrieben, obgleich ich den Thread doch damals eröffnet habe, um den kompletten Verlauf der prismatischen Korrektion(sversuche) meines Sohnes zu schildern - in der Hoffnung, dass sich zahlreiche Fachleute aller Richtungen rege an diesem Austausch beteiligen.
Nun, Lukas trägt immer noch seine prismatische Korrektion mit den Werten vom August. Ich führte ab Sept. ein Kopfschmerztagebuch für 6 Wochen. Die Tendenz ging zu Besserung der Kopfschmerzen, aber es war nicht so ganz befriedigend. Zeitweise legte Lukas die Brille wieder ab, dann trug er sie wieder gern. Nichttragen der Brille resulierte meist aus verbogenem Gestell, einmal fiel ihm ein Glas heraus, welches bei einer großen Filialkette(in meiner Not - mein Optiker möge mir verzeihen)wohl nicht korrekt eingesetzt wurde und Lukas zu einem unerwünschten Höhenprisma verhalf...
Dennoch lief alles nicht so rund. Lukas klagte immer wieder auch über Nackenschmerzen, in der Schule wurde er immer auffälliger (mangelnde Konzentration, Herumkaspern, für die Hausaufgaben brauchte er bis zu 5 Stunden). Wieder mehr Prismen nötig?!
In Absprache mit meinem Optker führten wir keine erneute MKH-Messung durch, da Lukas' Tagesverfassungen dermaßen unterschiedlich waren (mal war die Brille super, dann wieder war sie doof - O-Ton Kind). Beim Kinderarzt erfolgte im November 2003 eine ADS-Austestung. Lt. Kinderarzt hat er ADS. Empfehlung Ritalin und Therapie gegen seine Angstzustände und sein mangelndes Selbstbewusstsein. Ich bat um Bedenkzeit bis nach Weihnachten und beschäftigte mich wieder vermehrt mit der KISS-Symptomatik (KISS = kopfgelenkinduzierte Symmetriestörungen, verursacht durch Blockaden der oberen Halswirbel).
Ich entdeckte bei ausgiebiger Lektüre, dass die KISS-Symptomatik in vielen Punkten mit der Wfs-Symptomatik deckungsgleich ist!!!!
Am 06.01.2004 bekam ich einen Termin in Eckernförde. Ergebnis (Röntgenaufnahme und eingehende Anamnese) Lukas ist (wohl seit Geburt) ein KISS-Kind. Seine obere HWS ist in sich verdreht. Dr. Koch führte eine Manualtherapie durch.
Ergebnis Das Kind war nach 24 Stunden wie ausgewechselt! Er kann sich konzentrieren, zuhören, hat Freude am Lesen und an den Hausaufgaben und schrieb letzte Woche drei 2en in den letzten Tests vor den Zwischenzeugnissen! In Mathematik schnitt er als viertbester ab. Zuhause ist er nicht mehr aufsässig und ich darf zum ersten Mal in meinem Leben erfahren, was ein pflegeleichtes Kind ist....
Am 10.01. fand unser Treffen in Göttingen statt (Moderatoren aus dem Forum, Betroffene, Optiker, Frau Kubsch, sowie die Herren Virkus und Dauter - Protokoll ist hier im Forum zu finden). Wir sprachen auch über die Zusammenhänge von HWS und Wfs - meine Beobachtungen und Vermutungen wurden mir dort bestätigt.
Lukas wird optisch bisher nur hinsichtlich der motorischen Reize prismatisch korrigiert (keine Korrektur der Sensorik). Nach Rücksprache mit meinem Optiker und auch der Empfehlung von Dr. Koch, lassen wir Lukas nun für die nächsten 6 - 8 Wochen völlig in Ruhe, dann soll Ende Februar / Anfang März eine erneute MKH-Messung erfolgen, sowie Kontrolluntersuchung in Eckernförde. Die Brille trägt er nun seit 2 Wochen mit uneingeschränkter Begeisterung, vergisst sogar, sie vor dem Zubettgehen abzunehmen!
An dieser Stelle möchte ich als betroffene Mutter auf die möglichen Zusammenhänge von Wfs und HWS-Beschwerden hinweisen. Ich selbst leide unter massiven HWS-Beschwerden, die immer auftreten, wenn ich meine prismatische Korrektur NICHT trage. Ich benötige eine leichte vertikale Korrektur (simple 0,25 Prismen). Ohne diese halte ich meinen Kopf (wie bei vielen Menschen zu beobachten, wenn sie aufmerksam zuhören oder sich etwas ansehen) nach rechts geneigt. Dies führt zu Verspannungen und Blockaden. Mit der Korrektur gucke ich gerade und die Beschwerden verschwinden. Noch bis vor ein paar Monaten hätte ich diesen Zusammenhang nicht unbedingt vermutet!
Sobald die neuen Messergebnisse von Lukas vorliegen, werde ich wieder berichten, vor allem in der Hoffnung, dass der "Prismenaufbau" nun ohne diesen zweiten Störreiz (HWS) gelingen wird.
Kerstin
P.S Dass Lukas kein zufälliger Einzelfall zu sein scheint, beweist mir der Kontakt zu zwei Müttern, deren Kinder ebenfalls diese Doppelproblematik haben und denen erst so richtig geholfen wurde, als beide Wege der Behandlung / Korrektur beschritten wurden.
Heute ließ ich bei Lukas nach 5 Monaten eine erneute MKH-Messung durchführen, und zwar auf meinen ausdrücklichen Wunsch, denn Lukas trägt seine Brille zur Zeit sehr, sehr gern. Er wurde zwischenzeitlich 2 mal wegen seiner HWS Beschwerden in Eckernförde behandelt, die Nachmessung wollte ich, weil sein Brillengestell nun nach 5 (!) Jahren echt zu klein geworden ist.
Die sensorische Korrektion wurde aber wieder nicht durchgeführt, sondern nur eine Motorische. Und siehe da Immer noch punktgenau die gleichen Werte wie vor 5 Monaten!! Damit hätte niemand gerechnet, es lief lt. Prognose eigentlich eher auf einen raschen Prismenaufbau und OP hin. Lt. AA in Elmshorn sollte er ja schon vor einem Jahr unverzüglich noch vor einer Korrektur operiert werden (intermittierendes Außenschielen). Ich bin froh, damals meinem Instinkt vertraut zu haben, frage mich aber Wie kann so etwas sein?!
Kinder und Erwachsene sollte und kann man beim Thema Winkelfehlsichtigkeit wohl nicht in einen Pauschaltopf werfen. Langsam überlege ich auch, ob Kinder nicht auch durchaus mit einer Teilkorrektion gut fahren. Ihr Wachstum und damit auch das der Augen ist noch nicht abgeschlossen, ferner haben sie noch ganz andere Kompensationsfähigkeiten - ich stelle es mir schwierig vor, Kinder auf Dauer gut stabilisieren zu können, und denke, man sollte auch mit Einleitungs-OP's vorsichtig sein, wenn das Kind einmal bei der Erstmessung 30 Prismen aufzeigt - bei der nächsten in ein paar Monaten sind es vielleicht nur noch 10?
Womöglich kommt bei meinem Sohn auch die HWS-Geschichte zum Tragen. Aber auch dann hätte mich mein Instinkt richtig geleitet, und nicht irgend welches Fachwissen. Zudem ist er in den letzten 2 Monaten 9 cm gewachsen, da hat sich vielleicht auch an den Augen etwas in die positive Richtung getan. Aber dies sind doch alles Dinge, die man nicht prognostizieren kann, oder?!? Zu langes Warten kann genauso verkehrt sein, wie zu schnelles Handeln.
Es grüßt eine ratlos verwunderte, aber im Moment sehr glückliche Mutter.
Kerstin
Kerstin,solange die sensorische Korrektion nicht durchgeführt wird, kann auch keine Winkel-Stabilisierung erfolgen. Hier kann am Ende ein großer Exo:wink:el, aber auch eine Höhe mit kleinem Esowert herauskommen. Das Y-Syndrom zeigt, dass es hier erhebliche sensorische Veränderungen gibt. Wichtig dabei ist übrigens auch, bei der Prismenbestimmung auf die richtige Kopfhaltung und Blickrichtung zu achten. Vergiß Deine Überlegungen, bei Kindern mit Störungen im Lesen und Schreiben eine Teilkorrektion durchzuführen. Das macht überhaupt keinen Sinn, denn das haben wir schon vor zwanzig Jahren probiert und es hat höchst selten geklappt.
Und ob Kiss nun zusätzliche Hilfe bei einer Mitursache oder Folge einer beidäugigen Störung ist, wurde bislang nicht geklärt. Es gibt für beides Anhaltspunkte.
Selbstverständlich gilt immer primär, dass dem Kind geholfen wird. Ein operativer Ansatz ist zur Zeit überhaupt nicht zu erkennen, obwohl ich gelernt habe, dass der größte Winkel bei interm. Exophorien operiert wird, weil sich danach das System in 2/3 der Fälle darauf einstellt. In den übrigen Fälle muß eine operative Revision erfolgen.
K.
Hallo, Kornelia
danke für Deine Info.
Da Kinder sehr gut kompensieren können, andererseits aber verhaltens- oder lernauffällige Kinder schon "Ausweichmechanissmen" erprobt haben, sollten Teilkorrektionen gerade hier nur die absolute Ausnahme bilden. Dies umsomehr, da man weiß, dass auch bei bestem Bemühen, der gefundene Wert, in aller Regel nur ein Teilwert des Gesamtfehlers ist. Er sollte deshalb unbedingt als Vollkorrektion in der Brillenlösung wiedergefunden werden.
Alles andere verlagert oder verschleppt die Lösung des Gesamtproblems und führt letztlich nicht allein, aber auch zu höheren Gesamtkosten.