Hallo an alle,unser Sohn ist 5 Jahre alt und teilte mir kurz vor Weihnachten mit, dass er auf einmal alles doppelt sieht. Ich weiß, dass dies ungewöhnlich ist, weil Kinder in seinem Alter es normalerweise nicht sagen, aber genau das macht mir Sorgen. Wir waren sofort beim Augenarzt, der Befund lt. dekompensierte Exophorie, keine Parese, Konvergenzschwäche mit period. Diplopie.
Der Augenhintergrund und der vordere Augenabschnitt sind unauffällig. Er hat nun eine Prismenbrille die er im Nahbereich tragen will. Am Anfang hat er sie gern getragen, nun nicht mehr. Ich frage mich woher das plötzlich kommt, denn mein Sohn behauptet steif und fest das er vorher nie doppelt gesehen hat. Wir haben aber erst am 23.02 einen Termin beim Kinderneurologen. Ich habe Angst das er etwas Ernsthaftes hat und ich kenne keinen Menschen, der Prismengläser trägt usw. Mein Sohn ist auch schwierig geworden, also anstrengent, kein Wunder wenn man permanent doppelt sieht, ich weiß. Irgendiwe bin ich mit meinem Latein am Ende. Ich weiß weder wie ich helfen kann, noch ob das ausreichend ist was Kinderarzt und Augenarzt machen. Wie geht es weiter? Über einen Austausch wäre ich dankbar.
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Luna
Hallo Luna,
ich habe auch einen Sohn mit Exophorie - es fing bei ihm auch im Alter von 5 Jahren an. Das mit den Aussagen heute so und morgen so, kenne ich auch von ihm. War mir immer peinlich, wenn wir dann endlich beim Arzt waren.
Kannst Du die Werte der Brille mitteilen? Interessant wäre auch die Prismenstärke. Je nach Kompensationsfähigkeit (tagesformabhängig) sind die Prismenwerte, würden sie dann sofort ermittelt werden, mal höher, mal geringer. Deshalb sieht Dein Sohn mal doppelt, mal nicht. Meine erste Erklärung wäre, dass seine Augen mit der Brille langsam anfangen zu entspannen, und der Prismenwert angepasst werden muss. Deshalb mag er die Brille nun nicht mehr. Mein Sohne wechselte die Gläser teilweise im 3-Wochen-Takt (er hat eine recht starke Winkelfehlsichtigkeit).
Wie wurden die Werte denn beim AA ermittelt? Kannst Du die Untersuchung kurz beschreiben (wurde z. B. auch getropft?)? Dies alles sind wichtigke Kriterien, v. a. auch die Messmethode, nach der die Prismenstärke ermittelt wurde.
Gerne kannst du auch mit mir Kontakt per eMail aufnehmen (klicke auf das 2. weiße Symbol oben neben meinem Namen, es sieht aus wie ein Brief). Ich habe mittlerweile eine Selbsthilfegruppe in Sachen Winkelfehlsichtigkeit ins Leben gerufen, weil das Thema Fragen über Fragen aufwirft und auch recht komplex ist.
Viele Grüße
Kerstin
Hallo Luna!
Eine dekompensierte Exophorie ist an sich kein Grund Sorgen zu haben. Es gibt viele Kinder, die entweder einen intermittierenden Strabismus divergens haben (also ein Außenschielen das nur ztw. auftritt) und dabei nicht doppelt sehen und manche, wie dein Sohn, die immer schon eine Veranlagung zum Schielen hatten und dieses plötzlich nicht mehr im Griff haben - dann entgleist das Schielen (dekompensiert) und nachdem er sicherlich sehr gutes räumliches Sehen hat bemerkt er Doppelbilder.
ES kann schon sein, dass die Prismenwerte sich noch mehr verstärken werden, wenn er wieder entspannter schauen kann. Wie Kerstin gesagt hat wäre wichtig, ob er getropft worden ist (denn durch eine richtige Brillei st das kompensieren auch oft besser möglich) und wie stark die Prismen sind.
Ich möchte nur noch darauf hinweisen, dass eine dekompensierte Exophorie nicht das gleiche ist wie eine Winkelfehlsichtigkeit - aber um Nomenklatur will ich hier nicht mehr zu streiten anfangen.
Wenn du sehr beunruhigt bist, dann würde ich dir eine Vorstellung bei einer Orthoptistin empfehlen (aber vielleicht hatte dein Augenarzt ja auch eine). Die kann dir sicherlich auch noch mehr Informationen über die dekompensierte Exophorie geben und ist spezialisiert auf alle möglichen Schielformen.
Lg, Ulrike
Hallo Ulrike,
ZitatOriginal erstellt von Arwen24
Ich möchte nur noch darauf hinweisen, dass eine dekompensierte Exophorie nicht das gleiche ist wie eine Winkelfehlsichtigkeit - aber um Nomenklatur will ich hier nicht mehr zu streiten anfangen.
Schade. Ich begreife den Unterschied zwischen Heterophorie und WF nämlich bis heute nicht.
Hatte immer gedacht, die unterschiedlichen Bezeichnungen seien entweder eine berufspolitische Abgrenzung oder gingen auf die verschiedenen Messmethoden zurück.
Ist das zugrundeliegende Phänomen (die Fehlstellung der Augen oder wie auch immer man es nennen mag) tatsächlich ein anderes oder würde ein AO bei Lunas Sohn eine Exo-WF feststellen und lediglich andere Werte derselben messen als die AA?
Oder hört die WF schlichtweg auf, eine WF zu sein, wenn sie dekompensiert ist?
Grüße
Anna
Hallo, Anna und Ulrike
während Du Ulrike, hier nicht auf Begriffen herumreiten willst (was ich Dir angesichts der sich stellenden Problematik im Fall von Luna's Sohn hoch anrechne), muss Anna immer Ihr Steckenpferd reiten, leider!
Hallo, Luna
ist Dir früher nie eine Besonderheit beim Sehen Deines Sohnes aufgefallen?
Sicher ist der Besuch beim Kinderneurologen jetzt der Wichtigste. Aber eine solche Situation ist nicht so selten, wie Du meinst und hat bei korrekter Massnahme eine gute Prognose, wenn es sich um eine dekompensierte Exo ... handelt.
Zur Erklärung, wenn die Augen angeboren zu weit nach auswärts gerichtet sind, nutzen Sie den Naheinstellmechanismus schon zur Geradeausstellung der Augen. Wenn das Kind ins Alter kommt, wo es intensivere kleine Bastelarbeiten etc. ausführt, kann schon eine körperliche Erschöpfung ausreichen, um die belastete Funktion in der Kopplung der Augen, zu zerstören (auch nur teilweise).
Leider wird häufig nur eine Symtombehandlung eingeleitet. Prismen für die Nähe (hier ist das Schielen oft stärker erkennbar). Oft wird auch nicht sensibel genug justiert, was die richtige Bildlage im Auge angeht. In der MKH, einem speziellen Messverfahren, wird der Fehlwert der Bildlage auf die Fernsicht geprüft und in der Nähe eher erstmal nur kontrolliert. Ein solcher Korrektionswert wird dann vom Kind jedoch ständig getragen, sodass sich die Steuerung der Augen (ich spreche hier gerne vom Computer im Gehirn) neu updaten kann. In aller Regel wird ein solcher Wert sehr schnell und gut vertragen.
Da das Außenschielen leider oftmals fluchtartig einsetzt, ist der letztlich stabile Fehlwert anfangs noch nicht so einfach zu bestimmen, aber er sollte vor allem in einer Zeit von einem 1/2 Jahr nach Feststellung jedenfalls sehr gut abfangbar sein. Wichtig wären hier die kompetenten Fachkräfte, über die es hier im Forum auch unterschiedliche Ansichten gibt.
Gehe erst mal zum Neurologen mit dem Kind, lies hier einige Beiträge und frage ruhig weiter nach. Übrigens ist die Beobachtung richtig, dass Dein Kind jetzt unruhiger und auch unsicherer ist. Deshalb tut Hilfe not!
ZitatOriginal erstellt von Paul-Gerhard Mosch
Hallo, Anna und Ulrikewährend Du Ulrike, hier nicht auf Begriffen herumreiten willst (was ich Dir angesichts der sich stellenden Problematik im Fall von Luna's Sohn hoch anrechne), muss Anna immer Ihr Steckenpferd reiten, leider!
Hallo Paul-Gerhard, hallo alle,
warum sind wir hier, die wir hier lesen, schreiben, mitteilen, fragen...oder vielleicht unsere Zwangshaltungen ausleben (es soll noch mehrere als nur die des Kopfes aufgrund eines vertikalen Bildlagefehlers geben
)?
Die Antwort sei einem jedem selbst überlassen. Auch kein Bedauern meinerseits, sollte nicht die kommen, welche vorher von mir zurechtgelegt.
Anna* hat gefragt, und das kann sie m.E. noch 100 Mal und öfter tun, wenn sie keine für sie erschöpfende Erklärung erhält, worin der Unterschied zwischen einer Heterophorie und einer WF läge - und ob eine qualitative sowie quantitative Differenzierungsmöglichkeit vorbehaltlos vollzogen werden kann, losgelöst der unterschiedlichen Zwangshaltungen und Messmethoden.
Warum dann nur ein "leider"? Ist es müßig, immer wieder zu er-klären???
Wenn jeder verstünde, hö-h-rten auch die Fragen auf.
Nein, bitte keine Beschwichtigungen. Nein, ich bin nicht konsterniert und habe nicht den Glauben an die MKH verloren. Aber ich will selber entscheiden woran und vorallem mit welchen Hilfskonstruktionen. Und das >Recht auf Begriffe begreifen
Ein schönes Wochenende allen Mitgläubigen
wünscht Euer Moderator Ralf.
PS noch ein wenig Klarheit von mir, damit auch Luna was von meinem Beitrag hat (Achtung, jetzt folgt Ralfs Steckenpferd!)
Die MKH ist in vielen mir bekannten Fällen ein sehr probates, aber auch außerordentlich langwieriges und aufwändiges Mittel, das zu erreichen, weshalb mit dem Einarbeiten einer - primär - prismatischen Wirkung (i.e. eine Ablenkung der Projektion der Bilder auf die Netzhaut beider menschlicher Augen) begonnen wurde. In der "Literatur" liest sich oft, es könne in Einzelfällen zu einer Steigerung der benötigten Prismendioptrien kommen, Ausnahmen (siehe Mitmoderatorin Kerstin) bestätigen diese Regel. Persönlich habe ich fast ausschließlich Fälle kennen gelernt, die wie ich in Richtung OP-Indikation gehen und keine Langzeitstabilitität innerhalb eines Zeitraumes von ca. zwei Jahren und auch mehr erhalten. Anmerkung (wie immer) Kann, muss nicht so sein in dem von Luna geschilderten Fall. Aber wenn ich bspw. eine kieferorthopädische Behandlung anfange, sagt mir mein Behandler auch nicht, es wäre in sechs Monaten zu schaffen, wenn drei Jahre denkbar sind. Er schreibt vorsichtshalber unter Epikrise (Zusammenfassender, kritischer Bericht über den Therapieverlauf nach Abschluss des Falles) >3 Jahre.
Und nicht zuletzt zum Thema "Therapie", dass, es sei mir der Schwenk gegönnt, kontrovers hier nicht diskutiert wird
In meinen vernebelten Augen ist und bleibt die MKH eine Therapieform, die mit ein wenig wissenschaftlicher Hintergrundsbeleuchtung durchaus als Heilmittel eingestuft sein könnte - so all das, was wir erfahren, auch gesundheitsrechtlich belegt würde.
Soweit meine zwanghaften Äußerungen für heute - sie gehören sehr wohl hierher.
ZitatOriginal erstellt von Paul-Gerhard Moschwährend Du Ulrike, hier nicht auf Begriffen herumreiten willst (was ich Dir angesichts der sich stellenden Problematik im Fall von Luna's Sohn hoch anrechne), muss Anna immer Ihr Steckenpferd reiten, leider!
Nein, Paul-Gerhard, ich habe genug schönere Steckenpferde, um ein Forum aus reiner Lust an der Freude mit Wortklaubereien nerven zu müssen.
Ganz abgesehen davon, dass ich diese Frage zum ersten Mal stellte, gibt es einige gute Gründe dafür
Erstens hat die Frage einen direkten Bezug zu Luna wenn WF und dekomensierte Exophorie tatsächlich zwei paar Schuhe wären, hätte dies entscheidende Konsequenzen wenn ihr Sohn eindeutig keine WF hätte, wäre die Sehschule der angemessene Ansprechpartner. Handelt es sich um eine WF, kämen auch die AO und eine Messung nach deren Methode, der MKH in Frage.
Dass nun trotz der Diagnose "dekompensierte Exophorie" bereits von Prismenkorrektion nach MKH die Rede ist, wird nicht nur mich begriffsstutzig machen, sondern auch alle anderen, die jetzt oder später versuchen, aus Lunas Fall Erkenntnisse für ihren eigenen zu gewinnen.
Wie bereits gestern geschrieben, sollte man meiner Ansicht nach die Einzelfälle im Forum möglichst so diskutieren, dass auch andere etwas davon haben.
Zweitens wird schon deutlich, dass die Betroffenen zwangsläufig mit den Differenzen zwischen AA und AO konfrontiert werden, wenn sie mit der Diagnose "Heterophorie" vom AA kommen, ihnen beim AO dann eine "Winkelfehlsichtigkeit" bescheinigt wird, sie daraufhin wieder zum AA gehen und dort hören, dass es eine "WF" gar nicht gebe, da dies kein medizinisch-wissenschaftlicher Begriff sei.[1]
So manche werden die MKH daraufhin für Scharlatanerei halten und sie gar nicht erst ausprobieren. Ist es das, was die AO wollen?
Vor allem haben die Betroffenen, denen man eine bestimmte Art der Prismenkorrektion nahelegen will, ein Recht darauf zu erfahren, was denn überhaupt korrigiert werden soll.
Drittens ist uns doch spätestens beim Treffen vor Augen geführt worden, dass Begriffe Positionen besetzen und daher so achtsam zu behandeln seien wie der eigene Augapfel.
So weit hergeholt ist die Frage daher nicht, ob verschiedene Begrifflichkeiten lediglich verschiedene berufspolitische Positionen widerspiegeln oder darüber hinaus auch Unterschiede in der Sache.
Es kann jedenfalls nicht im Sinne der MKHler sein, sich dieser Frage zu verschließen
Wenn es so sein sollte, dass "WF" lediglich das Ergebnis einer Messmethode bezeichnet, während Heterophorie den "Urzustand" unabhängig von der Messung darstellt, so müssen die MKHler sich nicht wundern, wenn sie der "wissenschaftlichen" Kritik damit Tür und Tor öffnen.
Wissenschaftlich gesehen ist es abstrus, ein Phänomen nach der Messmethode zu benennen. Es ist selbstverständlich, dass die meisten "Naturzustände" sich nicht direkt messen lassen und daher verschiedene Messmethoden zu verschiedenen Ergebnissen führen. Das ändert aber in den meisten Naturwissenschaften nichts am zugrundeliegenden Phänomen.
Von augenoptischer Seite zu behaupten, WF sei etwas völlig anderes als Heterophorie ist daher genauso unkorrekt wie von medizinischer Seite zu behaupten, WF gebe es nicht.
So schön es wäre, wenn man die Betroffenen von diesen fachlichen und beruflichen Spitzfindigkeiten verschonen könnte, so wenig ist ihnen in meinen Augen damit geholfen.
Übrigens Wenn Ulrike oder sonst jemand nicht auf meine Fragen antwortet möchte, lasst es eben. Das ist euer gutes Recht - genauso wie es meins ist, Fragen zu stellen, die mit dem Forumsthema zu tun haben und auf die ich trotz eigener Recherche anderswo keine Antworten finde.
Gruß,
Anna
[1] Diese Argumentation ist z.B. nachzulesen unter www.augeninfo.de/presse/0103mkh.htm
Hallo Anna (und auch alle anderen),
auch ich finde Deine Fragestellung (Heterophorie oder WF) durchaus berechtigt.
Dr. Wieditz in Berlin nannte es bei meinem Sohn intermittierende Exophorie mit Diplopie, die Orthoptistin in Elmshorn Pathophorie. Sie wollte Lukas sofort zur Schiel-OP schicken. Dr. Wieditz ist für eine Aufdeckung des kompletten Schiel:wink:els, ehe man operiert. Die Orthoptistin gab Prismen für den Nahbereich, Dr. Wieditz für den Ausgleich in der Ferne. Warum geht man hier so verschieden vor???
Auch ich verstehe bis heute nicht, dass eine Wf ein latentes Schielen genannt wird Deckt man diese auf, erhält man doch letztendlich bei den Extremfällen ein Schielen - und dieser Winkel kann dann operiert werden. Das Wunderbare an Dr. W. ist, dass er sowohl Augenoptiker als auch Augenarzt ist mit Schwerpunkt Strabologie. Lunas Schilderung einer dekompensierten Exophorie macht mich auch stutzig - ich hätte auf eine kompensierte oder zumindest teilkompensierte Exophorie getippt.
Wenn ich nun bei der MKH-Methode bleibe, würde ich in Lunas Fall sagen, dass ihr Sohn höhere Prismenwerte braucht, und das, obwohl er die Brille erst kurzzeitig trägt (das kenne ich von meinem Sohn, deshalb erschrickt mich das nicht mehr, wenn ich es höre oder lese). Die Exo's scheinen nach wie vor mehr Probleme aufzuwerfen als die Eso's.
Meine Erfahrung mit der Selbsthilfegruppe belegt bisher, dass Kinder mit einem recht hohen Wert in der Erstmessung (so ab 5 Prismen aufwärts) meist zügig weiter in den Prismenwerten steigen. Meine Tochter hat nur einen sehr geringen Prismenwert und da tut sich mal eine Änderung im Bereich von 0,5 Prismen mehr oder weniger etwas. Problematisch bei ihr ist das Höhenprisma, auch wenn es gering ist.
Was wir hier bisher nicht wissen, ist, ob Lunas AA nach der MKH-Methode verfahren ist oder ob er eine Orthoptik-Abteilung in seiner Praxis hat und die Prismen unter Zykloplegie ermittelt wurden, eventuell mittels Prismenleiste. Ich tippe auf Letzteres, und dass Lunas Sohn in der Nähe korrigiert wird.
Insofern warte ich hier immer noch auf genauere Angaben von Lunas Seite - vielleicht lesen wir ja bald noch von ihr.
Alles andere ist spekulativ und wir würden hier über Fachlichkeiten diskutieren, die Lunas derzeitigen Kenntnisstand als absoluter Neuling in Sachen Prismen sprengen würden und ihr vielleicht eher die Motivation nehmen statt geben. Ich wusste vor einem Jahr auch nicht mehr, was ich nun glauben soll oder nicht, und viele Fragen habe ich heute noch....
In diesem Sinne Euch allen ein schönes Wochenende
Kerstin
Hallo, an alle!
Dekompensiertes Schielen, egal welche Richtung, ist keine Heterophorie! Damit trifft es Luna's Fall nicht.
Stellt doch Fragen nach Begriffen separat, dann bekommt ihr Antwort, aber soooo?
Hier wird doch nur debattiert.
Hallo Modereriende,
ist es möglich, die Begriffsdiskussion in einen neuen Fragen zu schieben, damit Lunas Fragen nicht untergehen?
Von mir aus auch mit dem Warn-tag [Debatte] im Titel.
Und dann lasst uns einfach mal in Ruhe abwarten, ob noch andere Interesse daran haben zu erfahren, was der Titel dieses Forums eigentlich bedeutet. Auch auf die Gefahr hin, dass eine "Debatte" dabei herauskommt.
Ich weiß ja, wie anstrengend das Debattieren sein kann. Muss ich meine eigene Arbeit doch selbst täglich von den verschiedensten Fachleuten bis auf jedes I-Tüpfelchen auseinandernehmen lassen.
Zu meiner Verteidigung kann ich nur anführen, dass ich als Soziologin eben nichts anderes gelernt habe, als dass alles Wissen nur vorläufig sein kann und man es deshalb immer wieder hinterfragen muss.
Schon deshalb, weil die Menschen im tiefsten Inneren religiöse Wesen sind, die in ihrer eigenen Beschränktheit an etwas Höheres glauben wollen. Wenn sie das ganz Hohe nicht gleich finden, neigen sie in unserer "Wissensgesellschaft" nun mal dazu, an das zu glauben, was sie wissen oder zu wissen glauben. Soll man sie diesem Irrglauben einfach so überlassen?
Will sagen etwas zu hinterfragen ist für mich keine krankhafte Störung, sondern ein natürlicher Geisteszustand. Deshalb ist es auch kein persönlicher Angriff auf irgendjemanden. Schon gar nicht stelle ich mit einer speziellen Frage in einem bestimmten Punkt das gesamte Fachwissen und die große Erfahrung in allen anderen Gebieten in Frage!
Vor diesem Hintergrund könnten wir doch ganz gelassen unsere Erfahrungen austauschen.
Wenn die MKH die Prozedur übersteht, wird sie umso glaubwürdiger für alle, die noch nach dem richtigen Weg suchen.
Gruß,
Annadie immer dachte, dass Schielen nicht mehr zu dekompensieren sei und jetzt erst recht neugierig geworden ist.
PS @Kerstin
"latentes Schielen" ist meinem bescheidenen Pseudowissen nach ein falscher Ausdruck, weil Schielen gerade dadurch gekennzeichnet ist, dass man nicht mehr mit beiden Augen _gleichzeitig_ und trotzdem _einfach_, also nicht doppelt, sehen kann. Bei WF (falls nicht-dekompensiert) ist genau das aber möglich.
Zur "Pathophorie" wurde ich von einem AA belehrt, dass dies eine Heterophorie mit asthenopischen Beschwerden sein soll.
Ein Schelm, wer sich was dabei denkt, dass "Patho" so nach Krankheit klingt und der Begriff angeblich von Prof. Mühlendyck (Göttinger Uniklinik) geprägt wurde, der MKH abzulehnen scheint?
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Vertrauen Sie denen, die nach der Wahrheit suchen, und mißtrauen Sie denen, die sie gefunden haben. (André Kostolany)
Es gibt ein "Wörterbuch der Optometrie" Verlag Bode ISBN 3-9800378-9-4 (2-te Auflage 2001)
Hier ist jeder gesuchte Begriff in Englisch - Deutsch benannt und klar verständlich erklärt.
Anna Du hast recht, "Schielen" ist dekompensiert. Da habe ich (ich mußte schnell weg) wirklich Unsinn geschrieben. Mich ärgert nur, wenn Leute hier Fragen stellen und wir uns untereinander um Begriffe disputieren.
Ein kleiner Auszug
Heterophorie (auch gleichbedeutend mit Heterophorie, dissozierte)
Zustand eines Augenpaares, bei dem die fusionsreizfreie Ruhestellung von der Orthostellung abwweicht, die Augen aber bei Anwesenheit von Fusionsreizen in eine Arbeitsstellung gehen. ... Die Heterophorie ist für optometrische Korektionszwecke ohne Bedeutung, jedoch wird die Heterophorie oft im Sinne der Winkelfehlsichtigkeit gebraucht.
Hinweis In der ophtalmologischen Fachsprache wird Heterophorie auch synonym als latenter Strabismus bezeichnet.
Heterophorie, dekompensierte
Frühere Bezeichnung für Winkelfehlsichtigkeit, dekompensierte.
Hinweis Durch die heutige Differenzierung zwischen Heterophorie und Winkelfehlsichtigkeit ist die Bezeichnung dekompensierte Heterophorie unpassend.
Winkelfehlsichtigkeit
Zustand eines Augenpaares, bei dem in der optometrischen Fixierlinien-Hell-Ruhestellung ein latenter Bildlagefehler vorhanden ist. Winkelfehlsichtigkeit ist vorhanden, wenn die optometrische Fixierlinien-Hell-Ruhestellung von der Orthostellung abweicht. Winkelfehlsichtigkeit wird mit der Mess- und Korrektionsmethodik nach H.J. Haase ermittelt und durch Winkelfehlsichtigkeitsbetrag und Winkelfehlsichtigkeitsrichtung gekennzeichnet. ...
Hinweis In der ophtalmologischen Fachsprache wird bislang nicht zwischen Heterophorie und Winkelfehlsichtigkeit unterschieden.
Winkelfehlsichtigkeit, dekompensierte
Nicht mehr voll motorisch kompensierte Winkelfehlsichtigkeit, bei der normales Binokularsehen durch Fixationsdisparisation erster und/oder zweiter Art aufrecherhalten wird.
Soweit kurz zu den Begriffen.
Wenn aber Doppelbilder auftreten, klappt diese Aufrechterhaltung ja eindeutig nicht mehr. Wir befinden uns im Übergangsstadium zum echten Strabismus (gleichbedeutend mit Heterotropie / Ausnahme Strabismus, akkommodativer), was in der jungen Phase durch geeignete Massnahmen und Schritte wieder in die dekompensierte bzw. besser in die korrigierte Winkelfehlsichtigkeit zurückgeführt werden kann.
Hallo Paul-Gerhard,
vielen Dank für die nun wirklich erschöpfende Antwort
.
Jetzt weiß ich wenigstens, woher die Begriffsverwirrung rührt.
Da hatte ich also eine dekompensierte WF, die durch Prismen kompensiert wird, wodurch nach Abnehmen der Brille dann eine zumindest vorübergehend dekompensierte Esophorie auftritt, was vermutlich aber nicht das gleiche ist wie eine Esotropie...
Nein, keine Angst, genauer will ich es jetzt nicht mehr wissen.
Einen schönen Sonntag noch,
Anna
-.-.-.-.-.-.-.-.-
Anna entschuldige, ich schreibe es gleich unter Deinen Beitrag.
Esophorie
Horizontalphorie, bei der die fusionsreizfreie Ruhestellung von der Orthostellung nach innen abweicht.
Esotropie
Horizontaltropie, bei der die fusionsreizfreie Ruhestellung von der Orthostellung nach innen abweicht.
Tropie
In Analogie zu Phorie eigentlich ein Oberbegriff der Orthotropie und Heterotropie, der aber in der ophtalmologischen Fachsprache häufig als Kurzform für Heterotropie verwendet wird.
Heterotropie (gleichbedeutend mit Strabismus außer dem akkommodativen Strabismus)
Zustand eines Augenpaares, bei dem die Vergenz-Ruhestellung von der Orthostellung derart abweicht, das die Augen auch bei Anwesenheit von Fusionsreizen nicht in eine Arbeitsstellung gehen. Bei Heterotropie ist die Fixierlinie nur eines Auges auf den Fixationspunkt gerichtet und/oder die Vertikalmeridiane beider Augen sind nicht zueinander parallel. ...
Heterophorie, assoziierte
Gleichbedeutend mit Winkelfehlsichtigkeit
Heterophorie, asymptomatische
Gleichbedeutend mit Normophorie
Normophorie
In der ophtalmologischen Fachsprache gebräuchliche Bezeichnung für eine Heterophorie, die keine Beschwerden verursacht.
Orthophorie
Zustand eines Augenpaares, bei dem die fusionsreizfreie Vergenz-Ruhestellung mit der Orthostellung übereinstimmt. Zu unterscheiden sind Fixierlinien-Orthophorie und Zyklo-Orthophorie.
Hinweis Orthophorie darf nicht mit Winkelrechtsichtigkeit verwechselt werden, bei der die optometrische Ruhestellung mit der Orthostellung übereinstimmt.
Winkelrechtsichtigkeit
Binokulare Rechtsichtigkeit Zustand eines Augenpaares, bei dem in der optometrischen Vergenz-Ruhestellung kein lateraler Bildlagefehler vorhanden ist. Bei Winkelrechtsichtigkeit stimmt die optometrische Vergenz-Ruhestellung mit der Orthostellung überein.
Hinweis Winkelrechtsichtigkeit darf nicht mit Orthophorie verwechselt werden, bei der die fusionsreizfreie Ruhestellung mit der Orthostellung übereinstimmt.
P-G Mosch (Moderator) zitiert aus dem Wörterbuch der Optometrie
ZitatOriginal erstellt von Luna
Hallo an alle,unser Sohn ist 5 Jahre alt und teilte mir kurz vor Weihnachten mit, dass er auf einmal alles doppelt sieht. Ich weiß, dass dies ungewöhnlich ist, weil Kinder in seinem Alter es normalerweise nicht sagen, aber genau das macht mir Sorgen. Wir waren sofort beim Augenarzt, der Befund lt. dekompensierte Exophorie, keine Parese, Konvergenzschwäche mit period. Diplopie.
Der Augenhintergrund und der vordere Augenabschnitt sind unauffällig. Er hat nun eine Prismenbrille die er im Nahbereich tragen will. Am Anfang hat er sie gern getragen, nun nicht mehr. Ich frage mich woher das plötzlich kommt, denn mein Sohn behauptet steif und fest das er vorher nie doppelt gesehen hat. Wir haben aber erst am 23.02 einen Termin beim Kinderneurologen. Ich habe Angst das er etwas Ernsthaftes hat und ich kenne keinen Menschen, der Prismengläser trägt usw. Mein Sohn ist auch schwierig geworden, also anstrengent, kein Wunder wenn man permanent doppelt sieht, ich weiß. Irgendiwe bin ich mit meinem Latein am Ende. Ich weiß weder wie ich helfen kann, noch ob das ausreichend ist was Kinderarzt und Augenarzt machen. Wie geht es weiter? Über einen Austausch wäre ich dankbar.
Hallo Luna
ruf Frau Kubsch von der Selbsthilfegruppe Winkelfehlsichtigkeit an, Sie kann Die einen kompetenten Augenoptiker oder Augenarzt benennen, der sich Deinen Sohn ansieht und Dir weiterhelfen kann. Auch bei mir könntest Du Dich per e-mail melden.
Franziska Kubsch Tel 07033--42492, Fax 07033-137225 e-mail Kubschefki@t-online.de
Hallo Paul-Gerhard,
so schnell kann ich die Lehrbücher gar nicht in der Bibliothek bestellen, wie du sie abtippst- vielen Dank für den Service!
Wie wäre es, wenn wir diese Liste auf die Startseite von o-o stellen oder zu den Artikeln, zum Nachschlagen für alle Neulinge, die die Begrifflichkeiten noch nicht begreifen?
Vielleicht dient sie sogar der Verständigung zwischen AO und Strabismusdamen?
Die medizinischen Begriffe scheinen im Grunde ja alles abzudecken, eindeutig verwendet zu werden und den AO bekannt zu sein. Da bräuchten die Berufsgruppen gar nicht aneinander vorbeizureden, wenn sie sich wenigstens hier im Forum auf diese Begriffe verständigen könnten, oder?
(Mal schau'n, ob Andreas Polzer noch mitliest und den Vorschlag von selbst findet
).
Allen eine gute Nacht,
Anna
Hallo Luna!
Nachdem dein Augenarzt schon eine Prismenbrille ordiniert hat, ist es absolut nicht nötig, zu einem weiteren Augenarzt oder Optiker zu gehen. Wenn der Augenarzt keine Sehschule dabei hat, dann könntest du deinen Sohn nochmals bei einer Orthoptistin vorstellen (die zweifelsohne die meiste Erfahrung mit Schielen haben und auch das nötige medizinische Background-Wissen). Musst du aber nicht - es wäre nur eine Empfehlung.
Wenn der Schiel:wink:el sehr groß ist, dann investiert dein Geld nicht in hundert Prismenbrillen sondern lass deinen Sohn operieren - eine Schielstellung kann man gut operieren und es handelt sich dabei auch um eine wenig riskante Operation.
Ulrike
An Anna!
Eine Erklärung bezüglich Pathophorie Soweit ich weiß hat der Begriff schon früher existiert, jedoch ist es durchaus möglich, dass Prof. Mühlendyck ihn stark geprägt hat.
Eines aber noch Ich kenne Prof. Mühlendyck, ich kenne seine Pionierarbeit auf dem Gebiet der Asthenopie und jeder - und damit meine ich wirklich jeder - sollte den Hut vor ihm ziehen! Aber das können wahrscheinlich nur diejenigen, die auch wirklich Ahnung vom Schielen haben. Er hat auch Tests zur Differenzierung zwischen Pathophorie und Hetereophorie entwickelt, die ich sehr erfolgreich anwende und ich finde er ist einer der größten STrabologen die es je gegeben hat.
Also bitte ein bisschen mehr Respekt oder sicher genauer informieren, bevor man über jemanden schreibt!
Ulrike
Hallo Ulrike,
ZitatEine Erklärung bezüglich Pathophorie Soweit ich weiß hat der Begriff schon früher existiert, jedoch ist es durchaus möglich, dass Prof. Mühlendyck ihn stark geprägt hat.
Nun, ich habe die Information von einem Vertreter des Bundesverbandes der Augenärzte, Arbeitskreis Strabologie o.ä. bekommen,welchen ich vor einiger Zeit um Adressen von AA vor Ort mit Kenntnissen in Heterophorie bat. Aber darauf müssen wir wirklich nicht herumreiten.
ZitatEines aber noch Ich kenne Prof. Mühlendyck, ich kenne seine Pionierarbeit auf dem Gebiet der Asthenopie und jeder - und damit meine ich wirklich jeder - sollte den Hut vor ihm ziehen! Aber das können wahrscheinlich nur diejenigen, die auch wirklich Ahnung vom Schielen haben. Er hat auch Tests zur Differenzierung zwischen Pathophorie und Hetereophorie entwickelt, die ich sehr erfolgreich anwende und ich finde er ist einer der größten STrabologen die es je gegeben hat. Also bitte ein bisschen mehr Respekt oder sicher genauer informieren, bevor man über jemanden schreibt!
Oder genauer lesen, oder mit etwas weniger Misstrauen.
Selbst wenn ich mich frage, ob Mühlendyck seine Begriffe mit berufsstrategischen Hintergedanken prägt, gebe ich damit keinerlei Urteil über seine Arbeit ab. Die MKHler prägen ihre Begriffe auch nicht ohne Hintergedanken (was ich an ihnen genauso kritisiere). Trotzdem lehne ich die MKH deswegen nicht pauschal ab.
Übrigens wurde mir jener Prof. sogar von einigen Göttinger MKH-Anwendenden empfohlen, aufgrund anscheinend positiver Erfahrungen mit WF-OPs. Ich habe daraufhin vor einiger Zeit eine Anfrage im Forum gestartet, ob jemand Näheres über jenen Herrn weiß. Soviel zu meinem Informationsbedürfnis. Leider warst du da noch nicht hier.
Und leider hat mir ein Besuch in der Sehschule der Göttinger Uniklinik so wenig weitergeholfen, dass ich darauf verzichtet habe, Herrn M. persönlich kennenzulernen.[1]
Wäre es nicht schön, wenn wir nicht hinter jedem Satz der "Gegenseite" (zu der ich mich als zwischen den Stühlen sitzende sowieso nicht zähle) etwas Böses vermuten? Genauso wie ich mir wünsche, dass man in diesem Forum trotz deiner "Respektlosigkeit" gegenüber dem hochheiligen Dr. Wulff im Gespräch bleibt?
Aber irgendwo scheint es zur Winkelphorie zu gehören, dass immer und überall mit zweierlei Maß gemessen wird
.
Grüße,
Anna
[1]12 Prismen gemessen, die aber im einwöchigen Trageversuch keinerlei Besserung brachten. Man kratzte sich am Kopf und wollte mir nicht glauben, dass ich trotz dieser "Vollkorrektion" kein volles räumliches Sehen erreichte. Kurz darauf maß ein Optiker nach MKH 16 Prismen, nach einer Woche Folienkorrektion der 16 waren es 22, mit denen ich alle MKH-Stereoteste bestehe.
Hallo Ulrike,
der Übersichtlichkeit halber noch eine gesonderte Nachfrage
Zitat [Mühlendyck] hat auch Tests zur Differenzierung zwischen Pathophorie und Hetereophorie entwickelt, die ich sehr erfolgreich anwende.
Wäre interessant, mehr darüber zu erfahren. Gibt es also doch Methoden, die SimulantInnen von den echten Gestörten zu unterscheiden? Nach welchen Kriterien?
Gruß,
Anna
PS Verzeiht, dass ich schon wieder einen Nebenfaden aufmache, aber es ist sicher keinen eigenen Faden wert und solange Luna sich nicht zurückmeldet, kann man ihr auch nicht weiterhelfen.
Wörterbuch der Optometrie
Pathophorie
Synonym Heterophorie, symptomatische
In der ophtalmologischen Fachsprache gebräuchliche Bezeichnung für eine Beschwerden verursachende Heterophorie.
Heterophorie, symptomatische
Gleichbedeutend mit Pathophorie
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Man sollte vielleicht dennoch den Hinweis streuen dürfen, dass es unterschiedliche Begriffe nicht aus "Hintergedanken" gibt, sondern deshalb, weil sie unterschiedliche, wenn auch sich teilweise überlappende Bereiche abdecken. Darüber hinaus sind manche (vorallem alte) Begriffe aus der Historie heraus gewachsen.
Der Kernunterschied unserer Betrachtungen besteht nicht im oder beim Probanten, sondern in der Messanordnung!
Hierzu informieren oben genannte Begriffe.
Mit der Messanordnung werden die Messziele definiert. Über den Erfolg oder Misserfolg entscheidet dann das Sehen des Probanten.
Die Heterophorie selbst wurde lange Zeit nicht dem Schielen zugerechnet. Sie galt als Normvariante, ohne krankhaften Befund. Hier gab die Pathophorie dann den Ausnahmefall an. Schon deshalb braucht es in der Medizin Teste zur Differenzierung.
Bei der Messung von Bildlagefehlern geht es grundsätzlich um eine augenoptische Messung von Lichtwegablenkung in der Tiefe des Auges, oder auch lateral. Dies ist einerseits unabhängig(!) von Krankheitszuständen und erfolgt nach technisch physikalischen optischen Gesetzen der Lichtbrechung in und an unterschiedlichen Medien. Andererseits muss es auch die Physiologie des Sehens beim menschlichen Sehsinn berücksichtigen. Diese findet eben nicht ohne, sondern nur unter Fusionsreizen (unterschiedlicher Art) statt.
Im kompletten Ablauf einer Augenglasbestimmung nach MKH wird die Bildlageposition in beiden Augen einzeln und miteinander so positioniert, dass die Augen ihre Arbeit der Bildaufnahme und Weiterleitung ideal ausführen können. Eingeschränkt wird dieses ideale Ablaufergebnis leider teilweise durch alte selbsterlernte Ausgleichs- und Abschaltmechanissmen, die der Körper vorher benötigte, um mit den vorhandenen Bildlagefehldispositionen leben zu können. Das diese auch teilweise an Grenzen kommen, zeigen uns die Heterotropiker und Pathophorien.
Frage
Wie optimal wird eine Bildpositionierung in beiden Augen "ohne MKH" ausgeführt?
Hallo Luna
Keine Angst, du bist im Moment in guten Händen. Der eingeschlagene Weg entspricht der schulmedizinischen Vorgehensweise. Lasse dir durch den Kinderneurologen bestätigen, dass nichts ernstlich krankhaftes in Kopf vorliegt.
Sobald du diesen Bescheid hast, darfst du anfangen mitzudenken.
Dein Sohn hat also einen Augenstellungsfehler nach aussen. Er ist nicht mehr in der Lage die Augenstellung selbständig und korrekt zu kontrollieren.
Solange die 'Fachleute' darüber streiten, wie dies nun zu messen oder zu benennen ist, rate ich dir, einmal die Frage nach der URSACHE zu stellen.
Du wirst sehen, auch hier werden sie sich wieder streiten.
Meine persönliche Erfahrung zeigt, dass hier oftmals Defizite in der neuronalen Entwicklung eine bedeutende Rolle spielen. Mehrheitlich sind vestubuläre Funktionen (Gleichgewichtsorgan), Hemisphärenkoordination (Zusammenarbeit der beiden Hirnhälften) aber auch Kinästhetik, Muskeltonus und Propriozeption dafür verantwortlich, wenn die Kontrolle über ein Körperglied oder ein Organ (Auge) verloren geht.
Es gibt verschiedene Berufsgruppen die sich in diesen Gebieten auskennen. Deinem Sohn kann sicher geholfen werden.
Falls es dich interssiert, darfts du gerne nachfragen.
Bis bald
Urs